Souk Al Zal in Riad. © www.sportfotos-lafrentz.de / Stefan Lafrentz

(Riad) Das Königreich Saudi-Arabien im Mittleren Osten ist Gastgeber der FEI World Cup Finals im Springen und in der Dressur. Als erstes asiatisches Land überhaupt in der Geschichte der Hallenserie. Darauf sind erkennbar etliche Reiter aus dem Gastgeberland unglaublich stolz, jeder O-Ton aus dem FEI TV-Channel verdeutlicht das. Möglich, dass irgendein Ministerium die Anweisung gegeben hat, diesen Stolz auch kund zu tun – schwer fällt es den Springsport-Vertretern des KSA – Kingdom Saudi-Arabia kein bisschen.

Warum auch. Die meisten leben und arbeiten freier seit vielen Jahren in Europa, weil sie dort ihrem Beruf näher sind, mehr Sportevents im Heimatland standen wohl auf der Wunschliste. Ganz vielleicht auch bei Dalma Malhas, Saudi-Arabiens erste Springreiterin, die 2018 in Kentucky an den Weltreiterspielen teilnahm. Die 32-jährige Malhas war am vergangenen Wochenende mit ihren Pferden im italienischen Gorla Minore und davor im belgischen Lier, für Riad hat sie sich gar nicht erst qualifiziert.

Berichten oder nicht

Saudi-Arabien ist eine Monarchie, nicht-säkular, die Scharia in ihrer strengen, wahabitischen Lesart ist Basis des Zusammenlebens. Pferdesportmedien wie der St. Georg oder WorldofShowjumping.com boykottieren das FEI World Cup Final in Riad aus Gründen, die vollkommen respektabel sind. Andere nicht. Aus Gründen, die nicht weniger respektabel sind. Wie etwa Eurodressage. Autorin Astrid Appels fragt zu Recht, wer denn eigentlich 2019 bei der Vergabe der Finals durch die FEI nach Riad empört protestiert habe? 

Sportwashing reklamiert der Stern und verweist auf die vielen Millionen, die Staaten wie Saudi-Arabien investieren, um ihr Image durch große, globale Events aufzupolieren. Was auch sonst? Nirgendwo auf der Welt werden Millionen-Etats aus Langeweile gestemmt. Weder in Südafrika, China oder den USA – nicht mal in Europa. Aachen hat sich garantiert nicht nur, weil es so unglaublich schön und teuer ist, um Weltmeisterschaften 2026 beworben. Vielleicht hilft dieses Großevent bei Investitionen oder einer zukünftigen, eventuellen Bewerbungsidee des Landes NRW in Richtung Olympia.

Sport kann die Welt nicht verändern. Weder Olympia in Berlin 1936 oder etwa in Peking 2008 konnte das. Bestenfalls wächst die Aufmerksamkeit und zwar innen wie außen. In Doha in Qatar haben die Iron Dames die Teamwertung der GCT gewonnen – in einem Land, in dem Sport für Frauen überhaupt nicht selbstverständlich ist. Das gilt noch mehr für Saudi-Arabien. Kritiker/innen können ohne Anklage oder Gerichtsverfahren einfach in Haft genommen werden und Folter ist nicht verboten. Erst seit 2018 dürfen Frauen Auto fahren, gleichgeschlechtlich orientierte Menschen sind in Lebensgefahr. Es wird wahrscheinlich eher 100 Jahre als ein paar Jahrzehnte dauern, bis Menschenrechte oder Geschlechterrollen in Saudi-Arabien sich gewandelt haben.

Die “Weltbühne” – ein Brennglas? Vielleicht.

Es ist kein Grund für Applaus, dass Frauen im Königreich endlich Auto fahren dürfen oder keiner Kopftuchpflicht mehr unterliegen. Daraus spricht westliche Arroganz, das weiß ich. Und Lebenserfahrung: Wer immer Rücksicht nimmt, bleibt nämlich irgendwann stecken. Saudi-Arabien hat seit dem 28. März den Vorsitz der UN-Kommission zur Förderung von Frauen übernommen. Die 45 Mitgliedsländer der “Kommission der Vereinten Nationen zur Rechtsstellung der Frau” (CSW) bestimmten den saudischen Botschafter Abdulaziz Alwasil in New York per Akklamation und das Mandat dauert ein Jahr. Ist kein Witz. Wenn die Welt klug sein will, nutzt sie diese Gelegenheit, um das Königreich Saudi-Arabien wortwörtlich in “die Pflicht zu nehmen” und das Tun und Wirken ebenso wie das Unterlassen öffentlich zu machen. Genau hinzuschauen und darüber zu sprechen, ist ein Weg ohne kurzfristigen Erfolg. Wer ein gutes Image will, muss sich dafür bewegen, manchmal allen kulturellen und religiösen Gepflogenheiten zum Trotz. Es ist richtig, das einzufordern – immer wieder, auch im Sport.

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