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15. Deutscher Pferderechtstag – Abschlussmitteilung

Münster.   Zum fünfzehnten Mal trafen sich Mitte März in Münster Deutschlands Pferderechtsanwälte beim zentralen Deutschen Pferderechtstag. Das ist die führende… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
23.07.2019 4 min lesen
Symbolbild © www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Münster.   Zum fünfzehnten Mal trafen sich Mitte März in Münster Deutschlands Pferderechtsanwälte beim zentralen Deutschen Pferderechtstag. Das ist die führende Fach – und Fortbildungs-veranstaltung für Rechtsanwälte mit Spezialisierung auf Pferderecht sowie für Pferdesach-verständige und Pferdefachtierärzte mit Interesse an juristischen Fachfragen. Jetzt liegt die Abschluss-Pressemitteilung vor:

 

Zu diesem Fachkongress kamen über zweihundert Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Österreich. Traditionell begann das Programm bereits am Vorabend mit dem Pferderechtsabend. 2019 fand dieser in Kooperation mit dem Westfälischen Pferdestammbuch e.V., im Pferdezentrum Münster-Handorf und der Zentrale der LVM Versicherung in Münster statt. Das Thema der vierstündigen Präsentation befasste sich mit „Neuen Vermarktungsstrategien von Pferden im Fernabsatz des Westfälischen Pferdestammbuch e.V. am Beispiel von Onlineauktionen“.

 

Im ersten Teil der Präsentation stellte Wilken Treu, Zuchtleiter und Geschäftsführer des Westfä-lischen Pferdestammbuch e.V. anhand von verschiedenen Pferden die Anforderungen an eine optimale Präsentation von Verkaufspferden nach deren erkennbaren Potentialen sehr offen und transparent vor. Guido Recki aus Dorsten, Pferdefotograf und Pferdefilmer, Geschäftsführer der ReckiMedia GmbH, zeigte sehr gekonnt, wie man Aufnahmen der Verkaufspferde nach deren Qualitäten und Beschaffenheiten organisieren muss und was technisch überhaupt machbar und möglich ist in sehr begrenzten Zeitfenstern. Besonders die Dokumentation von Fohlen für eine Onlineauktion wurde von den beiden Experten mit neuen und dem Medium Internet angepassten Strategien sehr offen mit allen neuen Problemstellungen dargestellt. Interessant die Aussage, dass man aus dargestellten Gründen noch keine Onlineauktion von Reitpferden, weil zu riskant, anstrebt, was die klaren Positionen der Referenten nochmals unterstrich.

 

Nach einem Transfer in die Zentrale der LVM Versicherung wurde das im ersten Teil erstellte Videomaterial gezeigt und besprochen und die Abgrenzungskriterien zu einer Livepräsentation verdeutlicht. Wilken Treu und Guido Recki haben dann zusammenfassend die Erfahrungswerte der ersten Onlineauktionen von Fohlen dar- und sich anschließend den Fragen des Auditoriums gestellt. Die Teilnehmer des lehrreichen Insiderabends quittierten die professionelle offene Präsentation mit anhaltendem Applaus, bevor die Gespräche beim anschließenden come-together der Experten fortgesetzt wurden.

 

Eröffnet wurde der Fachkongress von Prof. Dr. Rudolf Mellinghoff, dem Präsidenten des Bundesfinanzhofs in München. Sein Thema war „Das Pferd im Steuerrecht“. Das Pferd hat die finanzgerichtliche Rechtsprechung seit jeher in überraschendem Umfang geprägt. Denn anders als man vermuten mag, handelt es sich nicht um ein Nischenthema. Vielmehr lädt es zu einem Streifzug durch das gesamte Steuerrecht ein und erlaubt es, die Grundsätze der Besteuerung selbst näher in dem Vortrag zu beleuchten. So brachte eine Recherche in der juristischen Datenbank juris über 350 Entscheidungen der Finanzgerichte und des Bundesfinanzhofes zum Vorschein, die sich mit steuerrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Pferd befassen. Hinzu kommen 513 Artikel, Urteilsanmerkungen und sonstige Literaturbeiträge in Fachzeitschriften. Vor diesem Hintergrund unternahm der Vortrag den Versuch einer Bestandsaufnahme der Rechtsprechung, welche fast alle Steuerarten Pferd und Reitsport betrifft.

 

Prof. Dr. Ansgar Staudinger, Universität Bielefeld, präsentierte anschließend das schon traditionelle Schuldrechts-Update 2019 mit den über das Jahr gesammelten Entscheidungen mit besonderer Bedeutung für den nationalen und internationalen Pferdehandel und die Auswirkungen auf die Vertragsgestaltungen und Beratungen in der anwaltlichen Praxis. Der Vortrag wurde mit einer Urteilsbesprechung des EuGH eröffnet, dessen Tragweite für den Pferdehandel der Fachwelt noch gar nicht bekannt war. Der EuGH hat die Richtlinienwidrigkeit des § 476 Abs.2 BGB festgestellt mit der Folge, dass trotz dieser gesetzlichen Bestimmung eine Verkürzung von Verjährungsfristen rechtsunwirksam weil nicht richtlinienkonform ist. Das dürfte auf fast alle Pferdekaufverträge zutreffen und auch die gängigen Musterkaufverträge. Es ging dann weiter mit zum Teil nicht veröffentlichten wichtigen Urteilen, deren Auswirkungen für die anwaltliche Praxis von dem Referenten sehr anschaulich dargestellt wurden. Allein die Unterlagen zu diesem Vortrag würden für eine komplette Tagesveranstaltung ausreichen, so dass nur die wichtigsten Urteile besprochen werden konnten, die es wirklich in sich hatten und für die Teilnehmer von hohem Nutzen für die Praxis.

 

Das tierärztliche Schwerpunktthema 2019 war die optimale Diagnostik und Behandlung von Lahmheiten bei Pferden und damit verbundene Haftungsrisiken. Der international bekannte Fachtierarzt und Experte Dr. med. vet. Rüdiger Brems von der Pferdeklinik Wolfesing hat dazu sein umfangreiches Fach- und Praxiswissen auch für Juristen verständlich präsentieren können. Klar strukturiert wurden alle Facetten der Untersuchungsoptionen mit deutlichen Hinweisen auf Haftungsproblematiken dargestellt in Verbindung mit den einschlägigen Leitlinien und Standards. Ein äußerst lehrreicher Vortrag für Juristen und Tierärzte!

 

Das bereits in der Praxis am Vorabend ausführlich präsentierte Thema des Fernabsatzes von Pferden über das Internet wurde von Rechtsanwalt Marco Peege, der gleichzeitig öffentlich bestellter und vereidigter Auktionator und Fachbuchautor zum Auktionsrecht ist, vertiefend juristisch erläutert. Der Referent hat praxisorientiert ausführlich zu den wichtigsten Problemstellungen Stellung genommen und anwaltliche Beratungsansätze dargestellt. Es wurde sehr deutlich, dass Anbieter von Onlineauktionen mit zahlreichen ungelösten Rechtsproblemen für Veranstalter, Verkäufer, Käufer und sonstige Beteiligte konfrontiert sind. Besonders das Spannungsverhältnis des Fernabsatzrechtes und des Auktionsrechts unter Berücksichtigung des Verbraucherschutzrechts dürfte die Rechtsprechung in Zukunft noch stark beschäftigen, was die aktuelle Rechtsunsicherheit künftig hoffentlich verringert.

 

Das Sanktionssystem im deutschen Pferdesport wurde dann sehr strukturiert von dem stellvertretenden Geschäftsführer des DOKR und Leiter Turniersport Friedrich Otto-Erley von der FN aus Warendorf referiert. Dazu wurden den Teilnehmern umfangreiche Unterlagen und Informationsmaterial an die Hand gegeben zu den wichtigsten Regularien und Grundsätzen der FN. Der Referent konnte in der anschließenden Diskussion sehr engagiert die aktuellsten Diskussionen innerhalb der FN und der beteiligten Landesverbände darstellen. Dabei wurde auch deutlich, dass die FN von der Basis, also den 16 Landesverbänden, abhängig ist und die Umsetzung von Sanktionen durchaus komplexen Regularien folgen muss. In jedem Fall wurde aber deutlich, dass man für das Erscheinungsbild des Pferdesports in der heutigen Gesellschaft weiter proaktiv an den sportrechtlichen Fragen und Problemen intensiv arbeiten muss, was nach der überzeugenden Darstellung des Referenten offensichtlich auch passiert. Ein Thema, das weiter auf der Agenda des Deutschen Pferderechtstages stehen wird.                                      Quelle: Pferderechtstag 2019

Quelle: pferdesport-bw.de

Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson