09.12.2022
Jessica von Bredow-Werndl bei der DM 2021 mit TSF Dalara

TSF Dalera BB: Tänzerin im Gardemaß Hobbyzüchterin – Silke Druckenmüller hat aufs richtige Pferd gesetzt

Ferschweiler (fn-press). „Dalera ist nicht nur super sensibel, sondern auch sehr schlau“, sagt die Doppel-Olympiasiegerin und dreifache Europameisterin Jessica von Bredow-Werndl (Aubenhausen) über ihr Erfolgspferd. Geboren wird TSF Dalera BB 2007 bei Hobbyzüchterin Silke Druckenmüller in Rheinland-Pfalz. Bis heute verfolgt die 43-Jährige intensiv den Werdegang ihrer Stute, deren Geschichte in einem Fachmagazin mit dem Märchen vom unscheinbaren Entlein verglichen wird, das zum Schwan wird.

Nein, die Allerschönste ist Dalera als Fohlen nicht. Bei der Fohlenschau in Alzey rümpfen die Trakehner Züchter ein bisschen die Nase. „Dalera war nicht gerade der klassische Typ eines Trakehners“, erinnert sich Silke Druckenmüller. „Und das fällt als Fohlen mehr auf als bei einem Reitpferd.“ Ihre Bewegungsqualität lässt die braune Stute allerdings schon früh erkennen. „Aber dass sie einmal so weit kommen würde, das konnte man nicht erahnen. Davon konnte man höchstens träumen“, sagt die Züchterin.

Silke Druckenmüller stammt nicht aus einer Reiter- und Züchterfamilie, sondern kommt als junges Mädchen ganz klassisch über den Reitverein zu Pferdesport und -zucht. Über ihr zweites eigenes Pferd kommt sie zum Trakehner: Mon clair de la lune ist ist zunächst Reitpferd, wird später Zuchtstute und Namensgeberin für die Zuchtstätte Druckenmüller: Mondschein-Trakehner. Diese hat ihren Sitz heute in Ferschweiler in der Südeifel, wo die studierte Architektin gemeinsam mit ihrem Mann eine alte Mühle mit angedockten Stallungen umgebaut hat. Neun Pferde zählt der Betrieb aktuell.

Der inzwischen verstorbenen Züchterin von Mon clair de la lune war Silke Druckenmüller in langjähriger Freundschaft eng verbunden. Und so wird auch ihre nächste Stute wieder eine Trakehnerin: Dark Magic von Handryk – Hohenstein, die Mutter von Dalera. Die schwarzbraune Stute ist dreijährig, als sie von Sachsen nach Rheinland-Pfalz wechselt. „Dark Magic hat uns auch wegen ihrer Abstammung gut gefallen. Denn Handryks Vater Van Deyk hatte zu der Zeit hier in der Gegend einige sehr gute Nachkommen“, sagt Silke Druckenmüller.

Dark Magic wird geritten und früh gedeckt, bereits 2007 kommt Dalera zur Welt. Ihr Vater ist Easy Game, den Silke Druckenmüller auf der Körung entdeckt hat und der sie aufgrund seiner Bewegungsqualität und seines Leistungspedigrees überzeugt. Noch lange bevor dessen Vater Gribaldi als Erzeuger von Totilas Trakehner-Geschichte schreibt. „Im Grunde war es eine Bauchentscheidung“ sagt sie. Ganz offensichtlich die richtige.

Vierjährig wird Dalera angeritten und stellt von Anfang an ihre Rittigkeit unter Beweis. „Sie hat sich immer toll reiten lassen und einem ein wahnsinnig gutes Gefühl vermittelt“, sagt ihre Züchterin. Dabei wächst und wächst die Stute, bis sie ihr heutiges Gardemaß von 1,80 Meter erreicht. Auch noch, nachdem sie an den bayerischen Ausbilder Werner Bergmann verkauft ist, der Dalera im Rahmen eines Lehrgangs entdeckt hat. In seinem Stall in Bad Wörishofen entwickelt sich die Stute weiter, sammelt Turniererfahrungen bis Klasse M. Als Dalera sieben Jahre alt ist, geht sie in den Besitz der Schweizerin Beatrice Bürchler-Keller über, für die Jessica von Bredow-Werndl bereits Unee BB und Ferdinand BB reitet. Auch Dalera bekommt nun den Namenszusatz „BB“ und kommt zur Ausbildung nach Aubenhausen. Schon damals prophezeit die Reiterin der Stute eine große Zukunft, auch wenn sie zunächst etwas im Schatten ihrer Stallkollegen steht. Zehnjährig rückt dann ins Licht der Öffentlichkeit – mit einem wahren Paukenschlag. Sie gewinnt den renommierten Louisdor-Preis in Frankfurt und lässt mit ihren Piaffen und Passagen erahnen, wohin die Reise geht. Erstmals wird ihr in diesem Jahr der Titel „Pferd des Jahres“ und obendrein der Namenszusatz TSF (für Trakehner Sport Förderung) vom Trakehner Zuchtverband verliehen.

„Ich liebe dieses Pferd einfach, sie will immer alles richtig machen und kann das auch“, schwärmt Jessica von Bredow-Werndl kurz nach dem Sieg in Frankfurt. Danach geht es für die beiden Schlag auf Schlag: Erste Deutsche Meisterschaft, Sieg mit dem Nationenpreisteam in Aachen und Team-Gold bei den Weltmeisterschaften in Tryon/USA 2018. Es folgen Mannschaftsgold und Einzelbronze in der Kür bei den EM in Rotterdam 2019 und der erste Deutsche Meistertitel im Grand Prix Special im Corona-Jahr 2020. 2021 sind Dalera und Jessica von Bredow-Werndl schließlich unschlagbar: Doppel-Gold bei den Deutschen Meisterschaften, Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in Tokio und gleich drei Mal Gold bei den Europameisterschaften in Hagen am Teutoburger Wald – mehr geht wirklich nicht.

Kein Zweifel: Jessica von Bredow-Werndl und ihre mittlerweile 14-jährige Dalera sind ein Dream Team. Und für eine Fortsetzung ist vorgesorgt. Inzwischen ist nicht nur Daleras Halbbruder Dallenio (von Millennium) in Aubenhausen eingezogen und qualifiziert sich 2021 mit Benjamin Werndl für die Bundeschampionate, auch ihr jetzt dreijähriger Vollbruder Dalerion befindet sich bereits im Besitz Beatrice Bürchler-Keller. Ob die beiden die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen, wird sich zeigen. Und auch für Silke Druckenmüller und ihre Hobbyzucht in Ferschweiler geht es weiter. Sie hat mit der achtjährigen Dallenia (von Millenium) noch eine Halbschwester von Dalera im Stall, die bis Prix St. Georges erfolgreich ist und bereits einen ersten Nachwuchs von Hubertus Schmidts Championatspferd Imperio vorzuweisen hat.

Silke Druckenmüllers Tipp für Jung- und Neuzüchter
Ich habe die Pferde immer danach ausgesucht, ob ich sie selbst händeln und im Stall haben möchte. Ich würde keinen Hengst nehmen, den ich nicht unter dem Sattel gesehen habe und das zum Beispiel auch auf dem Vorbereitungsplatz, ohne viel Tamtam. Und natürlich ist es wichtig, seine Stuten und deren Stärken und Schwächen gut zu kennen.

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