Wut im Sattel

Ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder Reiter schon mal erlebt hat: Man ist wütend auf sich oder das Pferd und kann seine Emotionen kaum unter Kontrolle halten. Doch was tut man in so einer Situation?

Wie kommt dieses Gefühl zustande?

Um diese Frage zu beantworten, muss man den Ursachen auf den Grund gehen. Woher kommt diese Wut überhaupt? Überforderung, Enttäuschung, Frustration und zu hohe Erwartungen sind häufig der ausschlaggebende Ursprung von Wut. Aber auch Probleme außerhalb des Stalles werden oft im Sattel verarbeitet. Viele haben den Anspruch an sich, nicht nur so gut wie möglich zu reiten, sondern perfekt zu sein. Perfektionismus und Erwartungen die viel zu hoch geschraubt sind, führen an Enttäuschungen und ähnlichem nicht vorbei. Impulsives Verhalten und Kontrollverlust über das eigene Handeln sind oft Folge davon. Die Beziehung und Kommunikation zwischen dem Pferd und seinem Reiter wird durch eine erhöhte Atemfrequenz und Blutdruck gestört, genau wie der Stress, der sich ebenso auf das Tier übertragen kann.

Es kommt zudem häufig vor, dass man nicht akzeptieren kann, dass Lernen Zeit braucht, niemand kann alles von Anfang an gut beherrschen. Wie in jedem anderen Sport auch, ist aller Anfang schwer, so auch beim Reiten. Aber nicht nur von Seiten der Sportler kann eine solche Wut ausgehen. Trainer erheben ab und zu auch ihre Stimme, weil sie wütend sind. Das kann daher kommen, dass sie nicht wissen wie sie sich dem Schüler gegenüber verständlich ausdrücken können. Man sollte sich in so einer Situation bewusst machen, dass Schreien keinem weiterhilft.

Was hilft?

Auch wenn es simpel klingen mag, tiefes Ein- und Ausatmen hilft dabei, einen klaren Kopf zu bekommen. Positive Gedanken sind ein weiterer Faktor, den sich jeder in so einem Moment ins Gedächtnis rufen kann. Dabei sollte allerdings ein gutes Mittelmaß gefunden werden: Lieber „Ich bin konzentriert“, statt „Das ist zu viel für mich“ oder „Ich stelle eine neue Bestzeit auf“. Wer von genereller Unzufriedenheit geplagt wird, sollte mal ausprobieren, sich in Dankbarkeit zu üben. Dies kann sogar eine langfristige Wirkung auf das Gehirn haben, sodass negative Gedanken unterbewusst unterdrückt werden.

Ein weit verbreitetes Phänomen, welches oft verdrängt wird, ist ganz einfach Faulheit. Vor allem im Amateurbereich können keine Erfolge geholt werden, wenn man beim Training nicht zu 100 Prozent bei der Sache ist. Es empfiehlt sich ein realistisches Ziel zu setzen, auf das man hinarbeiten kann. Nachdem man dann jeden Tag den inneren Schweinehund überwunden hat, ist die Belohnung umso schöner, wenn das Pferd, der Reiter und der Trainer zufrieden mit der Leistung sind.

Es ist aber nicht alles schlecht an der Wut die man oft bekommt. Dieses natürliche Gefühl kann anspornen, es kann einem neue Motivation geben, sich immer weiter zu verbessern. Sie sollte allerdings weder an Mensch und ganz bestimmt nicht am Tier ausgelassen werden.

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