Wo juckt‘s denn? – Sommerekzem bei Pferden

Es gibt schon ein komisches Bild ab, wenn Pferde versuchen sich an den unterschiedlichsten Stellen am Körper zu kratzen. Ein möglicher Grund dafür ist allerdings alles andere als komisch: Sommerekzem bei Pferden. Damit kann die Weidezeit für Tier und Mensch sehr anstrengend werden.

Aber was genau kann man sich darunter vorstellen? Warum juckt es bei den Pferden überall? Das Sommerekzem wird durch blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen, Kriebelmücken oder Gnitzen, die bei Sonnenuntergang anfangen die Vierbeiner wortwörtlich zu zerbeißen. Beim Pferd kann das eine allergische Reaktion hervorrufen, die juckt, wodurch die Pferde dann so lange scheuern und kratzen bis die Haut wund ist. Je mehr Bisse und Stiche, desto schlimmer wird die Krankheit. Im Speichel der Insekten sind Proteine enthalten, auf die das Immunsystem negativ reagieren können. Als Folge wird vermehrt Histamin ausgeschüttet, das als Neurotransmitter in der Entzündungsreaktion eine Rolle spielt. Danach schwillt die Haut an und fängt an zu jucken.

Eine Studie gab mehr Auskunft über die verbreitete Krankheit, da man bisher hauptsächlich im Bereich der Islandpferde geforscht hat. In diesem Zusammenhang konnte man eine Verbindung zur Vererbung nachweisen. Rassen wie Isländer, Shetlandponys oder auch Friesen, die aus Gebieten stammen, wo Gnitzen eher selten vorkommen, sind deshalb oft anfälliger für das Sommerekzem. Die Studie untersuchte Pferde aller möglichen Rassen von fast 400 verschiedenen Besitzern. Dabei stellte man fest, dass Tiere fast jeden Alters betroffen sind. Je älter das Pferd, desto schlimmer wird auch die Krankheit. Wenn ein Tier schon zwei Jahre betroffen ist, lässt sich auch eine Verschlimmerung der Symptome erkennen. Das Jucken und Kratzen kann zu Haarausfall, Schuppen, Wunden und blutigen Krusten führen, die sowohl am Mähnenkamm und Schweif, aber auch am Unterbauch, Gesicht und an den Ohren zu finden sind.

Eine Heilung gibt es bisher nicht, Besitzer können aber die Symptome lindern und den Sommer für die erkrankten Pferde etwas erträglicher machen. Auch wenn der Name die Vermutung zulässt, beschränkt sich die Zeit, in der die Insekten unterwegs sind, nicht nur auf den Sommer. Schon ab März sieht man die Blutsauger auf der Weide. Ein bewährtes Mittel ist die sogenannte Ekzemdecke, die verhindert, dass Insekten in die Haut stechen können. Eine weitere Maßnahme, die Halter ergreifen können, sind Lotionen, die die Haut geschmeidig halten, Entzündungen vorbeugen und die natürliche Schutzbarriere unterstützen. In schlimmen Fällen können auch Medikamente ausprobiert werden, die aber teilweise Nebenwirkungen nach sich ziehen. Die Tierseuchenkasse empfiehlt ebenfalls den Weidegang auf 9 bis 16 Uhr zu

beschränken, da die Insekten vor allem nachts und in der Dämmerung bei hoher Luftfeuchtigkeit aktiv sind. Zu dieser Zeit sollte das Pferd im Stall oder in einer Weidehütte untergebracht werden. Da Gnitzen Luftbewegung vermeiden bietet sich ebenfalls eine Weide mit viel Wind an. Allgemein sollte auf die Hygiene geachtet werden, damit Fliegen nicht angelockt werden. Diese setzen sich in Hautwunden, sodass sich Sekrete bilden und die Heilung verzögert wird. Dazu beitragen könnte auch regelmäßiges Waschen. Da die Insekten vom Geruch der Pferde angezogen werden, kann das Waschen dabei helfen, die Tierchen fernzuhalten. Es wird empfohlen, dies nicht häufiger als wöchentlich durchzuführen, da sonst der natürliche Schutz der Haut verloren geht. Generell gilt, die Insekten durch die richtige Haltung gar nicht erst zu nah an das Pferd heranzulassen, Infektionen sowie Entzündungen zu vermeiden und auf das Immunsystem zu achten.

Das Fazit, das auch aus der Studie hervorgegangen ist, lautet, dass es zwar keine Heilung gibt, aber mit zunehmender Therapiedauer die Erkrankung verbessert werden kann. So kann das Pferd die Zeit auf der Weide im Sommer wieder genießen.

Text: Louisa Trippe

Quelle: www.refubium.fu-berlin.de

 

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