Stallgeflüster

Kaum vorstellbar, dass im Ruhegebiet, dort, wo heute die Adern der Industrie pochen, früher Wildpferde lebten. Am Ufer der Emscher… Artikel lesen

Marike Weber
03.04.2019 2 min lesen
Wildpferd (Foto: Pixabay)

Kaum vorstellbar, dass im Ruhegebiet, dort, wo heute die Adern der Industrie pochen, früher Wildpferde lebten. Am Ufer der Emscher weideten einst die Emscherbrücher, eine wild lebende Hauspferderasse. Erstmals im Mittelalter erwähnt, waren die Ponys bis ins 19. Jahrhundert zwischen Waltrop und Bottrop verbreitet.

Ponypower

300 kg geballte Ponykraft verteilt auf einen Stockmaß von bis zu 135 cm – so werden die Emscherbrücher Dickköppe, wie die robusten Ponys liebevoll genannt werden, beschrieben. Ihren Namen verdankten die westfälischen Wildpferde ihrem Charakter sowie ihrem breiten, kraftvollen Kopf mit starkem Unterkiefer. Außerdem hatten sie kurze Ohren, Hornwarzen an allen vier Beinen und einen von der Rückenwurzel herabhängenden behaarten Schweif.

Ein Rückblick in die Vergangenheit 

Die Wildpferde der Emscher gehen weit bis in die Geschichte zurück und wurden erstmals 1369 namentlich erwähnt. Schon seit dem Mittalter nutzen besonders die Adelsfamilien das Pferdevorkommen im Emscherbruch. Damals dienten die Ponys hauptsächlich zur Fleichgewinnung, sodass regelmäßig ausgewählte Adelshäuser einzelne Pferde der Herde einfingen. 

Der Charakter und die Robustheit der Pferde war sehr geschätzt, sodass sich Napoleon für die Schlachten im Norden und Osten Deutschlands vom vestischen Landherrn ein berittenes Kontingent an Emscherbrücher Dickköppen stellen ließ. Später wurden sie zunächst für den Bergbau eingesetzt, wurden nach und nach jedoch von kleineren Pferderassen abgelöst. 

1834 wurden dann die letzten 20 Emscherbrücher an den Herzog von Croy auf Wildpferdebahn in Dülmen verkauft. Dort wurden die letzten Ponys in die Herde integriert und bilden somit die Basis für die Dülmener Wildpferde. 

Noch heute lassen sich die Spuren der Emscherbrücher Wildpferde erkennen. So entstand die Cranger Krimes damals nicht als Jahrmarkt, sondern war ein Pferdemarkt, auf dem gefangene Emscherbrücher Dickköppe verkauft wurden. Außerdem lassen sich noch einige Abbildungen des westfälischen Urpferdes auf diversen Stadtwappen der Region erkennen. 

Rückkehr der Emscherbrücher Dickköppe

Seit einiger Zeit gibt es nun die Bewegung die Emscherbrücher Pferde wieder zu beleben und „zurückzuholen“. Nachdem die kräftigen Ponys nun rund 170 Jahre verschwunden waren, sollen bald wieder Nachkommen der Emscherbrücher Dickköppe im Emscherbruch leben und zwar weitestgehend wild. Eine vollständige Auswilderung wird aufgrund der Industrie, Straßen und Eisenbahnen nicht möglich sein, deswegen sollen die Ponys nach dem Vorbild der Wildpferdebahn im Merfelderbruch im eingezäunten Umfeld, jedoch den Witterungsbedingungen ausgesetzt, leben. Noch gibt es keine konkreten Pläne, wie die Umsiedlung der Pferde aussehen soll und welche Ponys dafür genau ausgewählt werden, sicher ist jedoch, dass die ausgewilderten Pferden den Emscherbrücher Dickköppen möglichst ähnlich sein sollen: kleine, kräftige Ponys mit einem starken Charakter und robusten Wesen.

 

(Quellen: inherne.net, wikipedia.org, waz.de, wiki.hv-her-wan.de, viehweger.tv)

Marike Weber

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)