Stallgeflüster

Übergewicht schadet dem Pferd – und dem Geldbeutel

Eine Studie in den USA zeigt, dass Übergewicht nicht nur ein gesundheitliches Problem für die betroffenen Pferde ist, sondern auch… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
01.12.2017 3 min lesen

Eine Studie in den USA zeigt, dass Übergewicht nicht nur ein gesundheitliches Problem für die betroffenen Pferde ist, sondern auch die Besitzer erheblich belastet – mit Mehrkosten von rund 360,– Euro jährlich pro Pferd.

Viele meinen es schlicht und einfach zu gut mit ihren geliebten Vierbeinern: Das Problem von ,überversorgten’ Pferden steht seit vielen Jahren im Fokus wissenschaftlicher Projekte und Forschungen – und zählt mittlerweile zu den größten Herausforderungen der Pferdemedizin. Studien belegen, dass zwischen 20 und 50 % aller Pferde und Ponys in Nordamerika und Europa an Übergewicht leiden – mit einer Vielzahl negativer Folgen für die Gesundheit: Hufrehe, Insulinresistenz, EMS etc. können das Wohlbefinden von Pferden deutlich einschränken und im schlimmsten Fall sogar zum frühzeitigen Tod führen.

Neben den dramatischen gesundheitlichen Folgen hat Übergewicht aber auch noch eine andere, bislang wenig beachtete Konsequenz: Es stellt eine erhebliche finanzielle Belastung für die Pferdebesitzer dar. Die Wissenschaftlerin Aubrey Jaqueth von der Universität Maryland präsentierte bei einem pferdewissenschaftlichen Symposium in Minneapolis im Frühjahr dieses Jahres die Ergebnisse einer diesbezüglichen Studie – und die sind in vielerlei Hinsicht besorgniserregend, wie das Portal TheHorse.com kürzlich berichtete: Die Haltung und das Gesundheits-Management von übergewichtigen Pferden kostet die Besitzer stolze 435,– US-Dollar (das sind ca. 367,– Euro) pro Jahr und Pferd mehr als bei normalgewichtigen Pferden oder Ponys – und ist somit auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine deutliche Mehrbelastung für die Besitzer (von der seelischen ganz zu schweigen).

Aubrey Jaqueth hatte eine Online-Befragung unter 99 Besitzern von Pferdehöfen mit einem Gesamtbestand von 238 Ponys und 1.290 Pferden durchgeführt, um ein umfassendes Bild zu gewinnen, wie Besitzer mit dem Problem Übergewicht insgesamt umgehen. So wurden im Fragebogen insgesamt vier Maßnahmen bzw. Strategien aufgelistet, die für eine effektive Gewichtskontrolle in Frage kommen, nämlich:

– Bewegung
– Futterergänzungen
– medikamentöse Behandlungen
– Fütterungs-Beschränkungen (z. B. durch Sand- bzw. Gatschkoppeln oder Fressbremsen)

Die befragten Pferdebesitzer sahen in einem umfangreichen Bewegungsprogramm die sinnvollste Maßnahme zur Gewichtskontrolle – Fressbremsen und medikamentöse Behandlungen erhielten hingegen die geringste Zustimmung. Übergewichtige Ponys werden öfter auf Sand- bzw. Gatschkoppeln gestellt – bei übergewichtigen Pferden werden häufiger Fressbremsen eingesetzt. Generell meinten die Besitzer, dass das Management von übergewichtigen Ponys schwieriger wäre als das von übergewichtigen Pferden.

Die Ergebnisse zeigten auch, dass der Anteil übergewichtiger Pferde (Body Condition Score von 4 bzw. 5, also ,dick’ bzw. ,sehr dick’) in den Betrieben mit 41 % bei Ponys und mit 40 % bei Pferden sehr hoch war – und das, obwohl die BesitzerInnen (übrigens mehrheitlich Frauen) über langjährige Erfahrung in der Pferdehaltung verfügen, im Durchschnitt 21 Jahre.

Erfahrung schützt also nicht vor Übergewicht bzw. vor Fehlern in der Fütterung bzw. im gesamten Gesundheits-Management seiner Pferde – was auch ein anderes irritierendes Detail der Befragung beweist: So gaben die Besitzer an, 27,8 % der übergewichtigen Ponys und 11,5 % der übergewichtigen Pferde weiter mit normalem Getreide bzw. Kraftfutter zu füttern – ein besser geeignetes Ausgleichsfutter (ein sogenannter ,ration balancer’, also ein nährstoffreiches, jedoch kalorienarmes Futtermittel, das besonders für übergewichtige Pferde sinnvoll wäre) kam hingegen nur bei 12,4 % der übergewichtigen Ponys und bei 4,1 % der übergewichtigen Pferde zum Einsatz. Diese Entdeckung bezeichnete Aubrey Jaqueth wörtlich als „beängstigend“ und meinte, dass man dieser Facette des Fütterungs-Managements generell mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.

Die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht sind für die Besitzer nicht nur eine Herausforderung im Management und bei den täglichen Arbeitsabläufen, sondern in letzter Konsequenz auch in finanzieller Hinsicht: Übergewicht verursacht durchschnittliche Mehrkosten von 434,18 US-Dollar pro Jahr für ein übergewichtiges Pferd oder Pony, jeweils im Vergleich zu einem normalgewichtigen Tier. Hochgerechnet auf den gesamten Equiden-Bestand in den USA mit geschätzten 9 Millionen Pferden und einem – niedrig angesetzten – Anteil an übergewichtigen Tieren von 20–25 %, kommt man auf jährliche Gesamt-Mehrkosten von 1 Milliarde US-Dollar (!).

Übergewicht kostet der US-Pferdewirtschaft somit eine Menge Geld – umso wichtiger sei es daher, so Aubrey Jaqueth abschließend, dieses Problem am besten gar nicht erst entstehen zu lassen: „Diese Studie unterstreicht die Bedeutung der Prävention. Übergewicht vorzubeugen ist der beste Weg, das Wohlbefinden des Pferdes zu bewahren und gewichtsbedingte Erkrankungen zu vermeiden. Das kommt auch den Besitzern zugute, die ihre wichtigsten Ressourcen wie Geld und Zeit nicht für die Bekämpfung der negativen Folgen von Übergewicht aufwenden müssten, sondern für andere Zwecke nutzen könnten, die für den Besitzer ebenso wertvoll und wichtig sind.“

 

Quelle: propferd.at

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