Sommerhusten bei Pferden

von Jaqueline Weidlich
23. Mai 2018
23.05.2018
ca. 3 Minuten

Viele Pferdehalter beklagen in letzter Zeit immer häufiger Husten bei ihren Pferden, denn Sommerzeit bedeutet zugleich mehr Weidezeit, und daher auch Hustenzeit für die Vierbeiner. Husten ist meist ein Zeichen für Atemwegsprobleme, die behandelt werden müssen.

Sommerhusten oder Heustauballergie?

Hier ist von unterschiedlichen Atemwegserkrankungen die Rede, auch wenn beide als Allergie zu definieren sind. Hinter dem Begriff Sommerhusten verbirgt sich der tiermedizinische Terminus „weideassoziierte Atemwegsobstruktion“. Das lässt darauf schließen, dass der Husten jahreszeitlich bedingt vom Weidegang verursacht oder zumindest abhängig ist. Genauso verhält sich die stallassoziierte Atemwegsobstruktion, die ein Synonym für die weit verbreitete Heustauballergie ist, die häufig im Winter auftritt. Beide Erkrankungen sind voneinander abweichende Unterformen der RAO, also der „Recurrent Airway Obstruction“. Symptome sind in beiden Fällen ähnlich, egal wodurch sie hervorgerufen sind: Neben den charakteristischen Husten kann man häufig einen zunächst klaren und später weißlichen Nasenausfluss erkennen, sowie vermehrtes Schwitzen und schnelle Ermüdung. Im chronischen Stadium kann sich die Erkrankung zu einer dauerhaften Obstruktion weiterentwickeln, dabei sind die Atemwege des Pferdes verengt, genauer gesagt nimmt der Durchmesser der Bronchien ab, sodass das Tier schlechter Luft bekommt. Vor allem das Ausatmen fällt dem Pferd deutlich schwerer, nach und nach kann sogar das Lungengewebe zerstört werden. Ein solches Lungenemphysem ist irreversibel, es kann also nicht rückgängig gemacht werden.

Ursachen für den Husten

Wie bei einer unbehandelten Heustauballergie, verläuft die Erkrankung recht langsam, die Ursachen dafür können aber sehr unterschiedlich ausfallen. Man weiß, dass bei der weideassoziierten Atemwegsobduktion Heustaub, Schimmelpilze, Milben und Bakterien als Ursache zu deuten sind. Welche beim Sommerhusten vorliegen, ist noch weitestgehend unerforscht, da kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu durchgeführt worden sind. Vermutungen lassen darauf schließen, dass neben Pollen jeglicher Art, auch Sporen von Bodenpilzen eine tragende Rolle übernehmen. Tiere die allergisch darauf antworten, haben eine Überreaktion des Immunsystems. Infolgedessen kann es zu einer Entzündung, Verschleimung und Verkrampfung der Atemwege kommen. Es ist noch unbekannt, welche Pferde wie und auf welche Pollen genau reagieren. Hier könnte auch die Vererbung eine gewisse Bedeutung haben. Was man sicher weiß, dass jedes Pferd individuell und unterschiedlich auf die Pollen reagiert. Wer Gewissheit haben möchte, kann einen Allergietest beim Tierarzt durchführen.

Wie kann man das Pferd behandeln?

Neben den allergieauslösenden Substanzen, gibt es dessen ungeachtet weitere Faktoren, die auf die Ausprägung der Erkrankung Einfluss nehmen. Ein feucht-warmes Wetter, wie es eben im Sommer des Öfteren vorkommt, kann Pollen besser binden und Ozon verändert diese in ihrer Struktur. Man kann sich in diesem Zusammenhang also durchaus die Frage stellen, ob das zunehmende Auftreten der weideassoziierten Atemwegsobstruktion bei Pferden als Folge des Klimawandels zu sehen ist. Um den Pferden zu helfen empfiehlt es sich, den Kontakt zu den auslösenden Substanzen zu vermeiden oder auf das Minimum zu reduzieren. Eine Maßnahme wäre zum Beispiel, dass Pferd mehr in den Stall als nach draußen zu stellen, was man aber auch nicht wirklich als Alternative nehmen kann. So hat es auch kaum Auswirkungen, wenn man das Weidegras schneidet, da Pollen von benachbarten Wiesen oder Weiden kommen können. Egal um welche Jahreszeit es sich handelt, um dem Pferd die Zeit zu erleichtern, sollte man einige Vorkehrungen im Stall treffen. Praktisch ist vor allem nasses Heu, staubärmere Heu-Alternativen, die Verwendung von Spänen statt Stroh, eine gute Luftzirkulation und Heubedampfer. Wer sich unsicher ist oder eine Verschlechterung beim Pferd feststellt, sollte einen Tierarzt kontaktieren. Ein nächster möglicher Schritt ist dann die Verabreichung von Medikamenten, die die Bronchen erweitern und Entzündungen hemmen. Da diese meistens über das Futter gegeben werden, könnte eine, möglicherweise hilfreichere Variante, eine Inhalation sein. Falls die Erkrankung schwerwiegend ausfällt, lassen sich auch einige Medikamente inhalieren. Man könnte ausprobieren, das Pferd Kochsalzlösung inhalieren zu lassen. Dies führt dazu, dass die Atemwege angefeuchtet werden und der Schleim flüssig gehalten wird, sodass dieser vom Pferd besser abgehustet werden kann. Ebenfalls für leichtere Fälle eignen sich schleimlösende Kräuter wie Thymian. Auf der Liste der möglichen Therapiemöglichkeiten steht des Weiteren auch Akupunktur, Homöopathie oder eine Immuntherapie beziehungsweise Hyposensibilisierung.

Fazit

Festhalten sollte mann auf jeden Fall, dass es kein Universalmittel gegen den lästigen Sommerhusten gibt. Pferdebesitzer können dem allerdings vorbeugen und Schlimmeres verhindern, indem sie eine staubarme Umgebung, die richtigen Haltebedingungen und das geeignete Futter für die Pferde garantieren können. Wenn es dafür schon zu spät ist, gibt es eine Reihe von Behandlungen, damit es dem Pferd möglichst schnell wieder besser geht.

 

Text: Louisa Trippe

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