Stallgeflüster

Pferdeschonende Methode zur Stammzellengewinnung entdeckt

Bisher war für die Entnahme von Stammzellen beim Pferd ein operativer Eingriff vonnöten – eine aufwendige und für das betroffene… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
13.12.2017 2 min lesen

Bisher war für die Entnahme von Stammzellen beim Pferd ein operativer Eingriff vonnöten – eine aufwendige und für das betroffene Tier oft schmerzhafte Prozedur. Forscher aus Wien haben nun einen weit schonendere Methode entdeckt, die ganz ohne OP auskommt.

Die Stammzelltherapie wird bei Pferden seit vielen Jahren bei Sehnen- oder Gelenksproblemen angewendet. Bislang mussten Stammzellen dafür zumeist operativ aus dem Knochenmark oder dem Fettgewebe entnommen werden.

Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) haben erstmals Stammzellen aus der Gebärmutterschleimhaut von Pferden gewonnen. Dadurch lassen sich künftig operative Eingriffe und damit schmerzhafte Belastungen der Tiere reduzieren. Schließlich lassen sich die Stammzellen ohne chirurgische Hilfsmittel aus der Gebärmutter entnehmen.

Weniger Tierversuche

Anders als Knochenmark oder Fettgewebe, ist die Gebärmutter mit feinen Instrumenten durch den Muttermund ohne chirurgische Eingriffe direkt zugänglich. Die Gewinnung von mesenchymalen Stammzellen aus der Gebärmutterschleimhaut bei Tieren könnte damit zu einer Reduzierung operativer und damit invasiver Tierversuche beitragen.

„Beim Menschen war schon bekannt, dass Stammzellen in der Gebärmutterschleimhaut von Frauen vorkommen. Bei Stuten gab es dagegen keine Informationen dazu“, sagen die beiden Vetmeduni-Vienna-Forscherinnen Elisabeth Rink und Christine Aurich. Für den Nachweis wurden Gewebeproben aus der Gebärmutterschleimhaut von sechs Stuten entnommen. Dann trennte das Team vermutliche Stammzellen von den Schleimhautepithelzellen und vermehrten sie in der Zellkultur. Mit verschiedenen zellbiologischen Methoden wurden die speziell isolierten Zellen als potentielle Stammzellen identifiziert.

Gleiche Marker erwiesen
„Ziel dieser Analysen, wie etwa Immunhistochemie, Genanalyse und Durchflußzytometrie ist es, die Identität anhand spezifischer Marker, wie bestimmter Genen und Oberflächenproteine, zweifelsfrei nachzuweisen“, erläutert Erstautorin Elisabeth Rink. Zum Vergleich mit den Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut wurden in gleicher Weise Stammzellen untersucht, die mit den üblichen chirurgischen Verfahren aus dem Knochenmark gewonnen wurden.

Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut wiesen exakt die gleichen Marker auf, wie Stammzellen aus dem Knochenmark. Zudem konnten die Wissenschafterinnen zeigen, dass sich die aus der Gebärmutterschleimhaut gewonnenen Stammzellen in der Zellkultur in Fettgewebs-, Knochen-, Knorpel- und Muskelzelllinien differenzierten. „Aufgrund der Zellkulturergebnisse können diese Zellen nicht nur bei der Therapie von Erkrankungen der Gebärmutter selbst Bedeutung bekommen, sondern chirurgisch-gewonnene Stammzellen auch für therapeutische Ansätze in anderen Geweben ersetzen“, sagt Aurich abschließend.

 

PM/ps

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