Stallgeflüster, Wissenswertes

In Schleswig-Holstein haben nun vermehrt Pferdebesitzer und Züchter mit dem Herpes-Virus zu kämpfen. Das sogenannte Pferdeherpes überträgt sich von Tier… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
21.03.2019 3 min lesen
Symbolbild (Foto: Pixabay)
In Schleswig-Holstein haben nun vermehrt Pferdebesitzer und Züchter mit dem Herpes-Virus zu kämpfen. Das sogenannte Pferdeherpes überträgt sich von Tier zu Tier durch Tröpfcheninfektion, aber auch der Mensch kann die Viren unbemerkt einschleppen.
So gab es bislang mehrere Fälle des hochansteckenden Virus im Raum Norderstedt, im Kreis Stormarn sowie Rendsburg-Eckernförde, wie das Segeberger Kreisveterinäramt mitteilte.
Wegen der hohen Ansteckungsgefahr muss die für das Wochenende geplante Reitveranstaltung in Tangstedt (Kreis Stormarn) wohl abgesagt werden.

Was ist Pferdeherpes?

Da diese Art von Virus für den Menschen ungefährlich ist, gibt es für das Pferdeherpes-Virus noch keine Meldepflicht, was die genaue Anzahl der betroffenen Pferde unklar macht. Laut Pferdesportverband tritt es vermehrt in den kalten Jahreszeiten auf, wenn Pferde vermehrt im Stall stehen.

Bei dem Pferdeherpes handelt es sich um eine Infektion mit dem Equinen Herpesvirus (kurz EHV). Diese Krankheit ist leider heutzutage gar nicht mehr so selten anzutreffen. Jeder kennt ein Pferd oder mehrere im Stall der schon einmal das Virus hatte oder hat. Doch hier ist es so, dass auch wenn das Pferd das Herpesvirus in sich trägt, es nicht zum Ausbruch kommen muss. Man geht davon aus, dass ca. 90 Prozent der Pferde diese art von Virus in sich tragen.

Es gibt beim Pferd fünf Typen von Herpesviren– EHV1 bis EHV5
Von den fünf Typen sind EHV1 und EHV4 die relevantesten Typen beim Pferd, da sie am häufigsten klinische Anzeichen hervorrufen und sogar dazu führen können, dass das Pferd eingeschläfert werden muss.
Beim Typ 1 (EHV1) können folgende Symptome auftreten: Aborte (Fehlgeburt), Spätabort im letzten Drittel der Trächtigkeit wobei die Stute selbst keine Symptome aufweist. Weiter können Atemwegsprobleme, hohes Fieber, wässriger Nasen- und Augenausfluss,  geschwollene Lymphknoten, Fressunlust, Lethargie, Erkrankung des Nervensystems (Enzephalomyelitis), kurze Fieberphase, Schädigung des Rückenmarks, Bewegungs- und/oder Koordinationsstörungen, Lähmungen, Festliegen, Probleme beim Absetzen von Kot und Harn

Beim Typ 4 (EHV4) kann bei Pferden ebenfalls Atemwegsprobleme verursachen. Der Verlauf gleicht dem bei EHV1, es ist aber eine mildere Symptomatik zu beobachten. Typ 5 (EHV5) Neueste Forschungsergebnisse aus den USA haben ergeben, dass auch EHV5 eine klinische Relevanz besitzt und bis dato anscheinend unterschätzt wurde. Dieser Typ des Pferdeherpes wurde bisher hauptsächlich mit Hornhaut- und Bindehautentzündungen in Verbindung gebracht.  Doch laut der neuesten Erkenntnisse ist EHV5 außerdem für die sogenannte „Equine multinodular pulmonary fibrosis“ (EMPF) verantwortlich. Bei dieser Krankheit findet eine übermäßige Vermehrung des Bindegewebes in der Lunge statt, wodurch es beim Pferd zu Problemen mit der Atmung, Husten und Fieberschüben kommt.

Bei den weniger gefährlichen Herpes-Typen (EHV-2 und EHV-3) verläuft die Erkrankung mit Fieber, Nasenfluss und Husten relativ harmlos. In einigen Fällen kommt es auch zu Bindehautentzündungen oder Bläschenausschlag im Genitalbereich.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: https://www.tiergesund.de/krankheiten/pferd/herpes

Quarantäne bei Herpes-Fällen

Infizierte Pferde müssten dringend in Quarantäne, da sich das Virus über Tröpfcheninfektion auf andere Pferde übertragen kann. Da die Umgebung, in der sich betroffene Tiere aufgehalten haben, über mehrere Wochen infektiös bleiben kann, raten Veterinäre außerdem zu erhöhten Hygienestandards. Auch Menschen sollten sich nach dem Kontakt mit erkrankten Pferden die Hände waschen und andere Kleidung anziehen, um das Virus nicht weiter zu verbreiten.

Pferd vorab schützen

Eine wichtige Maßnahme um sein Pferd vor dem gefährlichen Herpes-Virus zu schützen ist mit Sicherheit die Impfung.
Leider ist die Impfung gegen Herpes kein umfassender 
Schutz, sie dient in erster Linie dazu den Erreger zu reduzieren und so den Infektionsdruck für andere Pferde zu mindern.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: https://www.tiergesund.de/krankheiten/pferd/herpes

 

Es ist immer ratsam den Tierarzt mit hinzuzuziehen.

Quelle: ndr.de und tiergesund.de

Jaqueline Weidlich

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