Foto (c)Haflinger Gestüt Meura

Pferde melken: Die unterschätzte Stutenmilch

von Larissa Lienig
24. Oktober 2018
24. 10
ca. 3 Minuten

In Zentralasien gehören Pferde zum Lebensmittelpunkt. Mongolen gelten als begnadete Reiter. Doch ihre Pferde sind keine Haustiere, sondern Nutztiere. Sie liefern Fleisch und Milch. Letztere ist in Zentralasien als Allheilmittel bekannt. In Kirgistan glaubten die Menschen lange an Tuberkulosekranke, die durch das Trinken der Pferdemilch wieder gesund wurden. Die Gastfreundschaft in diesem Land ist groß – und wer ein guter Gastgeber sein will, bietet frische Milch vom Pferd an. Oder gegorene Pferdemilch, Kumys genannt. Diese soll den Körper reinigen. Die Milch von der Stute ist die einzige, die nicht gerinnt, wenn sie gärt. In Russland werden Stutenmilchkuren in vielen Sanatorien angeboten, zur Linderung verschiedenster Leiden.

Der Blick muss aber nicht viele tausend Kilometer in die Ferne schweifen, um Stutenmilch zu finden. Auch in Deutschland wird sie gewonnen. Hier weiß man die lindernde Wirkung bei Magen- und Darmbeschwerden oder Neurodermitis zu schätzen. Wissenschaftler stellten fest, dass eine Trinkkur zumindest das Hautbild verbessern kann. Von Natur aus ist die Milch reich an antibakteriell-wirkenden Stoffen und kann das Immunsystem stärken.

Die Milch der Stuten ist außerdem der des Menschen ähnlich. Sie enthält wenig Fett, viel Milchzucker und ist reich an Mineralien, Spurenelementen und Vitamin-C. Sie soll die Durchblutung fördern und den Stoffwechsel ankurbeln. Einige Nutzer im Internet schwören sogar auf eine unterstützende Wirkung bei der Wundheilung von Kratzern bis hin zu Verbrennungen.

In der Säuglingsernährung wird fettangereicherte Stutenmilch gerne eingesetzt, wenn Muttermilch oder andere Ersatzprodukte zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen. Sie ist den üblichen Produkten auf Kuhmilchbasis überlegen. Pferdemilch ist leichter verträglich und kann die Ernährungsprobleme meist lösen. Das schreibt der Deutsche Fachverband für Stutenmilch.

Stutenmilchproduktion in Deutschland

Die Gewinnung von Pferdemilch ist seit etwa 30 Jahren ein Thema in Deutschland. Anders als im zentralasiatischen Raum, wo sie seit Jahrhunderten konsumiert wird. Im Jahr 2003 wurde der Bundesverband Deutscher Stutenmilcherzeuger gegründet, der Teil des Deutschen Bauernverbandes ist. Als der Verband gegründet wurde gab es 40 Betriebe die Milch vom Pferd produzierten. Zehn in größerem Umfang. Einer davon ist das Haflinger Gestüt Meura in Thüringen.

Ein Großteil der Betriebe setzt auf Haflinger, da sie als besonders umgänglich gelten. Die Stuten werden erst gemolken, wenn das Fohlen zwei Monate alt ist. Das ist schonend, denn dann benötigt das Fohlen nicht mehr die gesamte Muttermilch. Anfangs wird die Stute einmal, später zweimal täglich gemolken. Die Milchleistung steigt von durchschnittlich zwölf Kilogramm im ersten Laktationsmonat auf circa 17 im Dritten. Danach fällt sie stetig. Kaltblütern produzieren generell mehr Milch, als die der Warmblüter. Stuten zwischen zehn und 15 Jahren sollen die meiste Milch geben.

Ähnlich wie bei Kühen werden Pferde in der Regel in einem Melkstand mit Eimermelkanlage gemolken. Es braucht auch ein besonderes Händchen zur Stutenmilchgewinnung, denn die Tiere reagieren sensibler auf Veränderungen, als Kühe.

Quelle der Stutenmilch in Thüringen besuchen

In Thüringen wird auf dem Haflinger Gestüt Meura schon länger qualitativ hochwertige Stutenmilch gewonnen und weiterverarbeitet. Zum regulären Betrieb auf dem größten Gestüt für Haflinger und Edelbluthaflinger in Europa, gehört neben Zucht, Ausbildung und Verkauf der Tiere, auch das Melkhaus. Zurzeit leben rund 350 Pferd auf dem Gestüt. Im gestütseigenen Onlineshop kann die wertvolle Milch als Kur, Likör oder in Kosmetikprodukten wie Cremes und Bodylotions erworben werden.

 

Wer jetzt Lust hat, das Gestüt einmal unter die Lupe zu nehmen, ist herzlich eingeladen. Neben der Stutenmilchproduktion bietet das Haflingergestüt Meura nämlich auch Gestütsführungen und Ferien auf dem Reiterhof für Groß und Klein an. Dort erwartet die Urlauber dann ein vielfältiges Angebot von der ersten Reitstunde bis zum Wanderritt durch den Thüringer Wald. Die Gäste können auch Reit- und Fahrlehrgänge besuchen, sowie einen Lehrgang zur Kommunikation mit dem Pferd.

Weitere Informationen finden Sie unter www.haflinger-in-meura.de

Text: Larissa Lienig

Fotos: Die Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Sie stammen vom Haflinger Gestüt Meura und dürfen nicht weiterverwendet werden.

Weitere Artikel

Marike Weber - 
20. März 2019
ca. 2 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
20. März 2019
ca. 3 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
20. März 2019
ca. 2 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
18. März 2019
ca. 7 Minuten
Marike Weber - 
16. März 2019
ca. 1 Minuten