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OCD oder Gelenk-Chips – Das sollte man wissen

Die OCD (Osteochondrose Dissecans) ist eine Knochenerkrankung beim Pferd und wird umgangssprachlich auch oft als Gelenk-Chips oder einfach nur Chips… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
26.04.2019 3 min lesen
Symbolbild © www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Die OCD (Osteochondrose Dissecans) ist eine Knochenerkrankung beim Pferd und wird umgangssprachlich auch oft als Gelenk-Chips oder einfach nur Chips bezeichnet. Hierbei handelt es sich um Fragmente, die sich vom Knorpel oder Knochen lösen und in dessen Folge es zu Schmerzen und Lahmheit kommen kann. Diese Chips kommen meist in den Gelenken vor, wie z.B. im Sprunggelenk, Fesselgelenk, Hufgelenk oder Kniegelenk. Äußerst selten können Chips auch im Halswirbelgelenk auftreten.

 

Die Erkrankung kann über Jahre hinweg unbemerkt bleiben, oft bemerkt man eine OCD erst zufällig bei einer Röntgenuntersuchung oder einer Ankaufsuntersuchung (AKU). Durch die kleinen Splitter können Entzündungen und Schmerzen in den Gelenken verursacht werden.

 

Mögliche Erkennungszeichen:

– Lahmheit

– Schwellung am Gelenk

– Füllung des Gelenks (Galle)

– Steifheit

– Gelenksentzündungen

– verdickte Gelenke

– Schmerzen

 

 

Gelenk-Chips operieren?

Hier gehen die Meinungen stark auseinander. Auf der einen Seite gibt es Pferdebesitzer, die der Meinung sind, eine frühzeitige Operation von Gelenkchips sei auf jeden Fall empfehlenswert, um dauerhafte Knorpelschäden möglichst zu vermeiden. Auf der anderen Seite wiederum gibt es Reiter, die eine unnötige Operation vermeiden möchten, solange es keine gesundheitlichen Probleme gibt und die Chips dem Pferd keine Schmerzen verursachen.

So spontan wie ein Gelenkchip entstehen kann, kann dieser auch von selbst wieder verschwinden, ohne weitere Beschwerden zu verursachen. Gerade bei jungen Pferden bis zu einem Jahr kann durchaus eine Spontanheilung erfolgen. Wird eine operative Entfernung des Chips in Erwägung gezogen, spielen auch dessen Lage und Größe eine Rolle. Auch der Schweregrad einer womöglich schon bestehenden Gelenkreizung spielt eine Rolle. Bei dieser Überlegung sollte auf jeden Fall der Tierarzt mit einbezogen werden.

Entfernt werden können diese Chips mit einer Arthroskopie, die in den meisten Kliniken schon zum Standardrepertoire gehört. Bei diesem Eingriff unter Vollnarkose werden über zwei kleine Öffnungen eine Kamera und Instrumente eingeführt und die Chips entfernt. Anschließend werden Knochen- oder Knorpeloberflächen geglättet und die kleinen Einschnitte vernäht. Die Kosten für einen solchen Eingriff können sich schnell auf mehrere tausend Euro oder mehr belaufen. Von Vorteil ist hier auf jeden Fall eine geeignete Operationskostenversicherung für Pferde, vorzugsweise eine Versicherung wie beispielsweise die R+V, die auch für die Nachsorgekosten nach der Operation aufkommt.

 

 

 

Wie entstehen Gelenk-Chips?

Ein OCD-Chip entsteht durch eine Stoffwechselstörung während der Skelettentwicklung des wachsenden Pferdes. Die Erkrankung ist häufig genetisch bedingt, die Veranlagung wird vererbt. Meist erfolgt diese Erkrankung im ersten Lebensjahr eines jungen Pferdes, während der Knorpelwachstum noch sehr aktiv ist. Hauptsächlich kommt diese Erkrankung bei Warm- und Vollblütern vor, Kleinpferde und Ponys bleiben meist davon verschont. Es handelt sich bei dieser Krankheit um eine Störung des Knorpelwachstums. Durch Wachstums- und Durchblutungsstörungen können sich Schuppen vom Knorpel ablösen, die sich dann im Laufe der Zeit durch Verkalkung zu kleinen Knochenstücken oder Splittern entwickeln können. Chips können entweder unbeweglich an einer Stelle verharren oder sie beginnen durch das Gelenk zu „wandern“. Sie schwimmen dann sozusagen frei in der Gelenkhöhle, in diesem Fall werden sie auch als Gelenkmaus bezeichnet.

 

Kann man Gelenkchips vorbeugen?

Eine optimale Entwicklung des Knochen- bzw. Knorpelwachstums kann durch Fütterung und Bewegung positiv beeinflusst werden. Ganz wichtig ist hier eine alters- und artgerechte Futterzusammenstellung für das junge Pferd. Gerade im Wachstum benötigen Pferde eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Einen guten Knochenstoffwechsel unterstützen beispielsweise Calcium, Phosphor, Magnesium, Kupfer, Zink, Mangan, Vitamin D und Vitamin K. Auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft ist sehr wichtig für die Vorbeugung von Gelenkserkrankungen. Eine starke Muskulatur stabilisiert das Skelett und unterstützt die Gelenke, somit können kräftige Muskeln Erkrankungen der Gelenke ebenfalls entgegenwirken. Viele Züchter und Pferdebesitzer lassen ihre Pferde im Alter von ungefähr zwei Jahren immer vorsorglich auf Chips untersuchen.

 

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Jaqueline Weidlich

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