Stallgeflüster

Islandpferde werden in Deutschland immer beliebter

Die Mähne weht, die Hufe trommeln im Viertakt über den Boden und die Reiter sitzen relativ ruhig im Sattel. Aber… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
12.04.2018 3 min lesen
Symbolbild Islandpferd(Foto:pixabay)
Die Mähne weht, die Hufe trommeln im Viertakt über den Boden und die Reiter sitzen relativ ruhig im Sattel. Aber was ist am Islandpferd so besonders?!
Da werden viele Islandpferde-Fans direkt sagen, das Reiten selbst, denn die Pferderasse hat neben Schritt, Trab und Galopp zwei Gänge mehr – Tölt und Rennpass. Die speziellen Gangarten seien sicher einer der Hauptgründe, warum die kleinen Pferde so beliebt sind.
„Den Tölt“ zu reiten ist für viele Islandpferde-Fans das größte. Das was bedeutet das für Reiter die noch nie auf einem Isländer geritten sind?!
Der Tölt ist eine vererbbare Spezialgangart, die für den Reiter besonders angenehm ist. Im Gegensatz zu Trab und Galopp hat Tölt keine Schwebephase, sondern ist eine gelaufene Gangart. Der Reiter sitzt fast erschütterungslos auf einem locker schwingenden Rücken. Tölt hat, abhängig von der Ganglage und Ausbildung des Pferdes, eine hohe Tempovarianz zwischen Schritt- und Galopptempo. Kurz gesagt, es ist sehr angenehm für den Reiter.
Hierzulande boomt die Rasse seit Jahrzehnten. Deutschland ist nach Island das wichtigste Zuchtland. „Es ist fast die einzige Rasse, die immer noch Zuwächse verzeichnet“, sagt Ulrich Döing, Präsident des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbandes (IPZV). Um die 65 000 Tiere gebe es hierzulande; sein Verband zähle inzwischen 25 000 Mitglieder und sei damit der größte Verband von Islandpferde-Reitern weltweit.
Viele Reiter stiegen gerade wegen des Tölts auf Isländer um, etwa wenn sie einen Bandscheibenvorfall hatten, berichtet IPZV-Chef Döing. „Wenn man einmal so fast erschütterungsfrei durch den Wald geschwebt ist, dann mag man ja fast nichts anderes mehr tun“.
Die Gangart Tölt kann nicht antrainiert werden, sondern ist Veranlagungssache. „Vor dem Straßenausbau gab es in Europa noch sehr viele töltende Pferde“, sagt die IPZV-Ausbilderin und Mitautorin der „Islandpferde Reitlehre“, Andrea-Katharina Rostock. Tölter oder „Zelter“, wie sogenannte Gangpferde damals bezeichnet wurden, waren im Mittelalter begehrte Reitpferde, weil sie so bequem sind.
Nur die sogenannten Fünfgänger unter den Islandpferden beherrschen neben dem Tölt auch den Rennpass – eine Gangart, die nur auf kurzen Strecken geritten wird. Die schnellsten Pferde erreichen hier bis zu 50 Stundenkilometer
Obwohl die Gangarten angeboren sind, sei die Tölt-Veranlagung je nach Tier sehr unterschiedlich. „Ich kenne selbst kaum ein Pferd, das immer taktklar töltet – egal, was der Reiter macht“, sagt Rostock. Durch Fehler beim Reiten lande man im „Trabtölt“ oder dem verpönten „Schweinepass“ – unerwünschten Verschiebungen vom klaren Viertakt.
Neben den speziellen Gängen und dem hübschen Aussehen mit Puschelmähne zeichne sich die Rasse vor allem durch ihren guten Charakter aus. Dieser sei in der Heimat der Pferde, der rauen Insel im Nordatlantik, durch rund 1000 Jahren Reinzucht und strenge Selektion entstanden. Das Islandpferd war dort schon immer ein Gebrauchspferd.
Der Siegeszug der Rasse in Deutschland habe in den 1950er Jahren mit den „Immenhof“-Filmen begonnen. Dabei seien die Reiter der kleinen Pferde anfangs heftig kritisiert worden. Damals sehr schwer vorstellbar war, dass ein erwachsener Mensch auf so einem kleinen Tier sitzt. Isländer sind meist nur 1,30 bis 1,45 Meter groß. „Viele Leute bekamen damals Probleme mit dem Tierschutz und den Amtsveterinären – auch, weil die Pferde im Winter draußen standen. Heute ist das völlig normal.“ Die übliche Gruppenhaltung im sogenannten Offenstall statt der Box gilt heute sogar als besonders tierfreundlich.
Über das Gewicht der Reiter wird jedoch immer noch zuweilen heftig diskutiert – vor allem unter Islandpferde-Reitern selbst. Obwohl die Pferde als „Gewichtsträger“ gelten, meint Uli Reber: „Ich sage, dass für einen erwachsenen Mann mit 90 Kilo Schluss ist.
Für ihre Leidenschaft müssen Islandpferde-Liebhaber übrigens tief in die Tasche greifen. Als gewerblicher Züchter müsse er für ein gutes sechsjähriges Freizeitpferd 10 000 bis 12 000 Euro verlangen, sagt Uli Reber. Ein Mischlingspony bekomme man dagegen leicht schon für 1500 bis 2000 Euro. Auch Importpferde aus Island seien zuweilen billiger, entwickelten in Deutschland aber meist das sogenannte Sommerekzem, eine Allergie auf Kriebelmücken.Quelle: www.sueddeutsche.dewww.wikipedia.de

(dpa)

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