Hat das Pferd einen Geschmackssinn?

von Jaqueline Weidlich
03. Mai 2018
03.05.2018
ca. 2 Minuten

Wer schon öfters mit verschiedenen Pferden zu tun hatte, wird bemerkt haben, dass es auch unter ihnen Feinschmecker gibt. So gibt es die Pferde die alles was man ihnen gibt, mit Begeisterung annehmen und dann gibt es da noch die Kostverächter.
So stellt sich manchen schnell die Frage- Können Pferde schmecken?
Hier sollte man zuerst wissen, wie die Geschmackssensoren beim Pferd funktionieren. Diese legen bei dem Pferd auf der Zunge, der Mundschleimhaut und vor dem Rachenschlund. Hierbei ist es aber schwer, nach wissenschaftlichen Grundsätzen herauszufinden, wie weit der Geschmackssinn des Pferdes reicht. Als erkennbare
Geschmacksqualitäten beim Pferd geht man wie bei Menschen von den
geschmacklichen Hauptrichtungen bitter – süss – sauer – salzig aus. Angeborene und damit artspezifische Geschmacksmuster bzw. -empfinden sind ebenfalls aus der Phylogenese (stammesgeschichtliche Entwicklung) abzuleiten.
So konnte man bei Tests herausfinden, dass das Pferd bereits bei 0,63 g Salz/Liter Wasser das Trinken ablehnt. Der Mensch bemerkt den Salzgehalt erst ab 1 g/Liter. Das zeigt, dass der Geschmackssinn für “salzig” ausgeprägter ist.
Bei den Geschmack “bitter” zeigt es sich etwas schwieriger. So haben Pferde als Pflanzenfresser eine bereits höhere Bitter-Akzeptanz als z.B. der Mensch, da Futterpflanzen, als von der Natur vorgesehene einzige Nahrungsquelle, Bitterstoffe enthalten. Bekanntlich weisen viele Giftpflanzen einen erhöhten Bitterwert auf, so glaubte man, dass Pferde diese giftigen Pflanzen erkennen und verschmähen würden. Dies ist aber nicht unbedingt der Fall. Denn ein Pferd weiss nicht von Geburt an, welche Pflanzen für ihn giftig sind und deshalb lernt es sein Futterauswahlverhalten durch Nachahmung. Hier spielt der Lerneffekt durch die Mutter oder der Rest der Herde eine große Rolle.
Wenn ein Fohlen nun zum Beispiel in menschlicher Obhut aufwachsen muss, fehlt der unterschiedliche Kontakt zu Pflanzen und das Fohlen kann nicht aus Nachahmung lernen, welche Pflanzen “gut” und welche “schlecht” für ihn selbst sind. Ebenfalls nicht, wenn die direkte zeitliche Verknüpfung vom Fressen mit sofortiger Übelkeit fehlt.
Das angeborene Erkennen von “Bitter” hilft dem Pferd also nicht, wenn es nie gelernt hat, wie es damit umzugehen hat. So kann das Pferd auch aus Langeweile, durch ihr tägliches 12-16 stündigem Kaubedürfnis, auch die bitteren, wohl giftigen, Pflanzen herunterschlingen, da die Warninformation zu spät ankommt.
Bei dem Fressen ist nicht nur der Geschmackssinn ausschlaggebend, sondern auch der Geruchssinn. Denn wie bei uns Menschen, wird unangenehm riechendes Futter nicht gefressen.
Steht dem Pferd eine große Weide zur Verfügung, auf der unterschiedliche Gräser und Kräuter wachsen, wird es sich auf seinen Geschmack verlassen und sich so seine individuelle, ausgewogene und gesunde Ernährung zusammenstellen.
Doch auch Pferde sind Leckermäuler, die für ihr Leben gerne naschen. So hat aber jedes Pferd seinen eigenen Geschmack und Vorliebe was das Leckerli angeht. Das Spektrum reicht von trockenem Brot, Mohrrüben und Äpfeln bis hin zu Weintrauben, Bananen, Melonenstücken, Rote Beete oder Steckrüben. Manchmal dauert es etwas, bis sich das Pferd an einen neuen Belohnungshappen gewöhnt hat, weil das Mundgefühl ungewohnt und komisch ist oder der Geschmack einfach sehr besonders. Häufig kann man beobachten, dass Pferde sich schneller für etwas Neues begeistern, wenn andere Pferde diese mit Genuss fressen.
Wisst ihr was euer Pferd am liebsten hat? Wenn nicht, kann man es ja mal austesten und entdeckt vielleicht Gemeinsamkeiten beim naschen.

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