(Bild privat)

Der Reitsimulator- Für Jedermann

von Jaqueline Weidlich
07. November 2018
07. 11
ca. 7 Minuten

Alles fing mit einem kleinen Videoauschnitt auf Facebook an. In dem Video war die Sprache von einem Reitsimulator und die Reiterin, die auf dem Video zu sehen war, ritt auf einem Plastikpferd vor einem Bildschirm.

Wir haben es bei uns auf der Seite geteilt und sind ins Grübeln gekommen. Denn, wie können wir etwas bewerten oder verbreiten, wenn wir es selbst nicht getestet haben. So habe ich mich direkt an Moni Elbers gewandt, sie ist die Frau hinter dem Reitsimulator.

Sie hat mich und meine Kollegin, unsere Pia, prompt eingeladen um uns zu zeigen, was es heißt mit dem Reitsimulator zu trainieren.

 

Die Hinfahrt
So befanden wir uns schon einige Tage später auf der Autobahn Richtung Hannover, genauer gesagt Richtung Springe. Da die Fahrt einige Zeit in Anspruch nahm, hatten wir viel Zeit um uns darüber zu unterhalten, was wohl gleich auf uns zukommt.

Was erwartet uns vor Ort? Wie ist das empfinden auf einem „Plastikpferd“? Was bringt das alles für uns?
Vor dem Antritt der Fahrt hatten wir schon besprochen, dass Pia auf das Pferd steigen wird, denn so haben wir einen genaueren Vergleich. Sie reitet selbst seit sie klein ist und ist gelernte Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Reiten.

Nach einer unglaublich staufreien Fahrt waren wir endlich da. Wir wurden herzlich von Moni in Empfang genommen und sie nahm uns gleich mit in den Raum, wo ihr Reitsimulator steht. Als die Tür aufging war es schon ein imposantes Bild, da stand „Mr. Jones“, wie Moni ihn getauft hatte, und nahm mit seiner Präsens den ganzen Raum für sich ein. Sein Stockmaß beträgt ca. 1.50 m und er ist pechschwarz. Vor dem Reitsimulator ist ein Monitor angebracht und neben dem Simulator hängt ein riesiger Spiegel.

 

Kleiner Crash-Kurs
Bevor es für Pia “Rauf auf´s Pferd“ hieß, gab Moni uns eine genaue Einweisung.
Mr. Jones ist ein auf Grand Prix ausgebildetes Pferd. Er verfügt über je drei Beinsensoren auf der linken und der rechten Seite, vier weitere Sensoren sind unter dem Sattel, ein Sensor befindet sich im Halsbereich und weiter verfügt er über einen Sensor  in der Führungsmimik, der mit den Zügeln verbunden ist.
Auf Mr. Jones ist es möglich alle drei Grundgangarten zu reiten: Schritt, Trab und Galopp. Hier werden die Gangarten jeweils in zwei Geschwindigkeiten angeboten. So kann man folgende Gangarten mit Mr. Jones simulieren:
Rein Back, Halt, Collected Walk, Medium Walk, Working Trot, Medium Trot, Working Canter, Medium Canter und Flying Change.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Mr. Jones geradegerichtet ist und nicht wie ein normales Pferd eine natürliche Schiefe besitzt – denn jeder sollte, ob Reitanfänger oder Fortgeschrittener, seine Hilfen auf einem geradegerichteten Pferd üben.
Das hat den Vorteil, dass man sich ganz auf sein Körpergefühl mit Hilfe von Muskelanspannung und Atmung konzentrieren kann. Denn bevor man einen Richtungswechsel durchführt, sollte das Grundprinzip geübt und verstanden werden.

 

Wie ein echtes Pferd!
Durch Gewichts- und Schenkelhilfen wird der Simulator, wie auch ein echtes Pferd, eingerahmt und die Gangarten können dadurch variiert werden.
Dennoch kann die seitliche Stellung eines echten Pferdes im Schritt und Trab simuliert werden. Wie auch das links- und rechtsseitige Galloppieren realistisch umgesetzt ist. Dieser Eindruck wird später bei den Übungen, mit der Sicht Hilfe durch den Monitor, noch verstärkt.

 

Ausbildung und Trainings
Er sieht aus und bewegt sich wie ein echtes Pferd, wobei die Optik eher für die visuelle Hilfe des Reiters gestaltet ist, um sich auf den Simulator einzulassen.

Der Reitsimulator ist frei verkäuflich und jeder könnte sich theoretisch einen Simulator kaufen. Doch was nützt das beste Auto, wenn man keinen Führerschein hat? – Wenn man nicht weiß sinnvoll mit diesem umzugehen?

So ist es wichtig, dass man über Vorkenntnisse verfügt um den Reitsimulator gezielt einzusetzen. Entsprechende Lehrgänge/ Fortbildungen werden hierzu angeboten und es ist zwingend erforderlich, über nachweisbare Qualifikationen zu verfügen, wenn man kommerzielle Trainings mit dem Simulator anbieten möchte.
Nur dann ist gewährleistet, dass man in kürzester Zeit die gewünschten Effekte erzielen kann.

 

Mehr Ausdauer als ein richtiges Pferd
Um langfristig einen guten Lerneffekt erreichen zu können, muss man wirklich stetig üben. Doch man will sein Pferd auch nicht zu sehr belasten. So sehen wir hier den Vorteil, dass man im Prinzip 24 Stunden auf dem Simulator ein und dieselbe Übung trainieren könnte. Ob man nun stundenlang die Piaffe oder den Galopp übt, der Simulator ist hier der optimale Trainingspartner. Was mit einem echten Pferd undenkbar wäre. Der Reitsimulator reagiert nur auf gegebene Befehle, ist vorhersehbar und verhält sich nie falsch. Er hat endlos Geduld und erwartet nichts. Man kann ohne eine emotionale Bindung zu dem „Pferd“ trainieren.

 

Mr. Jones- ein Pferd für jedermann
Der Reitsimulator ist aber nicht nur für Reiter geeignet, die schon jahrelang Erfahrung im Sattel haben, sondern der Anfänger hat mit dem Simulator etwas hochsensibles unter sich und lernt somit seine Reithilfen richtig, ohne viel Druck, zerren oder ziehen einzusetzen.

Wer weiß schon, wenn er auf einem echten Pferd sitzt, wann er wo zu viel, zu wenig Druck ausübt. Durch die genaue Übermittlung der Druck-Sensoren wird jeder Fehler sofort auf dem Monitor ersichtlich und kann vom Trainer und Reiter korrigiert werden. Der Trainer kann auch bei Korrekturen am Sitz sofort eingreifen und den Reiter verbessern, während dem Ritt. Was bei dem Simulator auch im Trab und Galopp möglich ist, da das Pferd sich nicht von der Stelle bewegt. Was auf einem echten Pferd undenkbar wäre.

Das „Fehlverhalten“, durch Abgabe von zu viel Druck wird mit einem einfachen Prinzip dargestellt. Es gibt eine Skala die sich von Grün bis hin zu Rot bewegen kann. Wenn der Reiter jetzt zum Beispiel zu stark am Zügel zieht, wird der Bereich rot und man sollte hier den Zug korrigieren.

 

Im Sattel
Doch nun war es endlich soweit, Pia durfte auf Mr. Jones.
Um ein Gefühl für den Reitsimulator zu bekommen, hat Moni durch drei Knöpfe am Seiten Bereich des Simulators, erst einmal alle „Gänge“ durchgeschaltet. Vom Schritt ging es langsam hoch zum Galopp.

Pia war von den lebensechten Bewegungen von Mr. Jones begeistert, „Es fühlt sich an wie ein echtes Pferd“.
Zu Anfang hatte Moni die Beinsensoren ausgestellt, sodass sich Pia ganz auf ihre Gewichtshilfe konzentrieren musste. Pia sollte die Übergänge alleine mit der Kontrolle der Gesäß-, Rückenmuskulatur und der Atmung reiten. Was sich leicht anhört, brachte Pia richtig ins Schwitzen. Sie merkte schnell, dass sie Körperpartien einsetzte um das Pferd zu steuern, die sie vorher noch nie gebraucht hatte.

Doch nach mehrmaligen wiederholen klappte dies schon sehr gut. Pia war restlos begeistert, auch sprachlos, was man ja eigentlich nicht von ihr kennt! Sie konnte Übergänge ohne Beinhilfe reiten.

Der Reiter erhält so ein Gefühl für sich selbst und lernt seine Hilfen richtig einzusetzen. Es nützt nichts seine Muskeln „ohne Sinn“ fernab vom Pferd zu trainieren, denn die Muskelpartie, das gerade sitzen und atmen erlernt, trainiert man nur während man reitet. Umso wichtiger ist es die Übungen zu wiederholen.
Doch wer will das schon seinem Pferd zumuten? -sich selbst unerlässlich zu trainieren?

Nachdem Pia die Übergänge nun mehrmals geübt hatte, aktivierte Moni die Beinsensoren, um mit Pia „auszureiten“. Hierfür musste eine von vielen Simulationen am Monitor gestartet werden. Die Software hat einiges zu bieten, vom Geländeritt, über Challenges die man meistern kann, bis hin zum Dressurviereck.

Doch für Pia war als Einstiegslektion das Ausreiten geplant. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und Pia fand sich in einer sehr grünen, weiträumigen Umgebung wieder.

 

Multitasking
Sich nun auf alles gleichzeitig zu konzentrieren viel Pia am Anfang schwer. Sie musste darauf achten wo Mr. Jones hinlief, die Hilfen richtig einzusetzen, zu atmen und die Körperspannung zu behalten. Da kam es auch schon mal vor, dass Pia virtuell durch das Geäst ritt.

Hier hat man anhand von Pias Beispiel deutlich gesehen, desto mehr Einflüsse dazu kamen, um so schwieriger war die Lektion für sie selbst. So empfiehlt es sich erst die Grundübungen zu lernen, um dann sicher mit seinen erlernten Reithilfen auszureiten.
So kommt es darauf an, dass man den Umgang mit seinen Hilfen lernt, die Muskelregionen so zu steuern um dem Pferd den richtigen Impuls zu geben.
Doch bis diese sich in eine Routine verwandelt, über die man nicht nachdenken muss, dauert es. Der Simulator kann genau zeigen, wie und wo man sich verbessern muss, um möglichst schnell kleine Erfolge zu erzielen.

Allein der Umstand, dass Pia jetzt mehrere Faktoren beachten musste, brachte sie manchmal aus der Ruhe und wirkte gestresst. Das zeigt uns, wie wichtig es ist, die ersten Trainigsstunden an einem neutralen, ruhigen Ort, ohne Zuschauer zu absolvieren.
Denn wer kennt es nicht, während einer Reitstunde im Stall ist es laut, überall stehen „bessere“ Reiter als man selbst und Kommentare fliegen durch die Luft. Das stresst nicht nur einen selbst, sondern auch das Pferd, auf dem man sich in der Reitstunde befindet.

Warum reitet Pia schief?
Als die Beinsensoren aktiviert wurden, konnte man am Monitor sofort etwas erkennen. Der linke vordere Bereich des Beinsensor war grün, also wurde hier aktiv Druck ausgeübt, doch am rechten Beinsensor war keine Reaktion zu vermerken. Das hatte den Anschein, dass Pia das Bein gar nicht aktiv für Ihre Hilfe benutzte. Dies lies Moni aufhorchen und stellte schnell folgende Diagnose auf, Pia ist schief. Eine Blockade verhindert, dass sie ihr rechtes Bein aktiv einsetzen kann, um gezielten Druck anzuwenden. Was Moni nicht wissen konnte, mit Ihrer Beurteilung traf sie genau ins Schwarze. Pia hatte vor Jahren einen Unfall und hat aufgrund dessen eine Schiefstellung. Mit einer einfachen Korrektur zeigte Moni wie auch Pia mit diesem kleinen Defizit eine bessere Beinhilfe geben konnte.

 

Leider hat alles Schöne ein Ende, so auch Pia´s Trainingseinheit. Nach 1 ½ Stunden waren die beiden durch. Im Gegensatz zu Pia wirkte Mr. Jones noch Top-Fit und hätte noch einige Zeit weiter üben können. Was auch mit einer der größten Vorteile des Simulators ist.

 

 

Unser Fazit für den Reitsimulator:

Bewusster Reiten!!

 

Wir finden, dass der Reitsimulator wirklich eine Revolution im Reitsport ist! Man kann sich, unabhängig vom Pferd, gezielt trainieren.
Das Pferd wird geschont, man lernt sich und seinen Körper zu kontrollieren. Mit Hilfe von sensiblen Sensoren hat man direkt, die zu machende Korrektur vor Augen. An der Seite eines guten Trainers kann hier so auf jeden, individuell eingegangen werden und das Reiten verbessern oder üben.

Obwohl Pia eine erfahrene Reiterin ist , hat sie bei Moni, beim Reitsimulator Hannover, sehr viel neues dazugelernt, was sie für sich mitnimmt und bei ihrer Stute umsetzen will.

Hier gibt es mehr Informationen zu dem Reitsimulator-Hannover.

Um das Erlebnis Reitsimulator einmal aus Pias Sicht zu sehen, hat sie für euch hierzu ein kleinen Text zusammen gefasst.

Danke an Moni und Mr. Jones

JW

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