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Auch beim Ausreiten gilt: Safety First!

Denkt man als Reiter an den Begriff Ausritt so verbindet man damit direkt einen großen Wald oder schöne Stoppelfelder über… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
10.07.2019 5 min lesen
Symbolbild www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Denkt man als Reiter an den Begriff Ausritt so verbindet man damit direkt einen großen Wald oder schöne Stoppelfelder über die man mit einer so hohen Geschwindigkeit galoppieren kann, dass einem die Tränen über die Wangen rollen. Unser Herz schlägt gleich schneller und wir haben ein Kribbeln im Bauch, da wir eben immer ein schönes Gefühl haben, wenn wir an die Natur denken und diese dann auch noch vom Pferd aus betrachten können. Wohl jeder von uns hat dieses Gefühl schon einmal gehabt und wollte am liebsten sofort ab aufs Pferd und losreiten.

Doch leider ist das nicht ganz so einfach, denn auch vor, während und nach dem Ausritt gilt es einige Punkte zu beachten.
Vor dem Ausreiten sollte ich mir im Klaren sein, ob ich allein unterwegs sein werde oder in einer kleinen Gruppe. Wichtig ist das ich immer ein Handy dabei habe, sodass ich im Falle eines Unfalls oder Vorfalls immer erreichbar bin. Auch sollte ich am Stall Bescheid geben, dass ich nun im Gelände unterwegs bin. Am besten auch die Anzahl nennen, wie viele Personen mitkommen.  Somit bin ich auf der sicheren Seite falls etwas passieren sollte. Vor dem Losreiten sollte ich nochmal kontrollieren, ob mein Sattelzeug in Ordnung ist, das heißt das mein Sattelgurt und meine Steigbügelriemen nicht kaputt sind und meine Zügel nicht morsch.
Des Weiteren sollte ich die Beine meines Pferdes schützen. Hierfür eignen sich am besten Gamaschen, denn Bandagen können aufgehen und dann ist die Gefahr des Stolperns zu groß. Ich achte darauf, dass ich meine gelben Ausreitplaketten sichtbar am Pferd befestige und ich selbst auch geschützt bin. Hierfür trage ich einen Reithelm, festes Schuhwerk am besten eignen sich Reitstiefel. Zudem trage ich Reithandschuhe und falls ich möchte kann ich eine Schutzweste oder einen Rückenprotektor tragen.

Nachdem ich nun alles kontrolliert habe, sollte ich mich mit meinen Mitreitern absprechen und schauen das wir vorher ein paar Runden in der Reithalle drehen um sicher zu stellen, dass alle Pferde lahmfrei sind. Ist das alles der Fall, steht dem Ausreiten nichts mehr im Wege. Erst einmal unterwegs kann man die Seele baumeln lassen, sich mit seinen Freunden unterhalten und die Reitwege unsicher machen. Aber auch während des Ausritts sollte ich einige Punkte beachten, sodass der Ritt nicht zu einem Horrortrip wird. Bei längeren Strecken sollte ich als Reiter darauf achten, dass mein Pferd und ich ausreichend beleuchtet sind. So sind wir bei Einbruch der Dunkelheit gut erkennbar und können von anderen Teilnehmern im Straßenverkehr wahrgenommen werden. Als Reiter reite ich immer auf der Straße und benutze nicht den Fußgängerweg, auch den Fahrradweg darf ich als Reiter nicht benutzen. Wenn ausgeschriebene Reitwege vorhanden sind benutze ich diese zum reiten.

Auch während des Ausritts sollte ich immer auf der Hut bleiben, denn auch dort kann einiges passieren. Sollte mal jemand vom Pferd fallen, so ist es unwahrscheinlich wichtig das einer die Organisation übernimmt. Falls das Pferd sich ohne Reiter auf den Weg nach Hause macht, reiten am besten zwei Reiter mit zurück und bleiben dicht hinter dem Pferd. Die anderen bleiben bei der „verletzten“ Person. Zunächst spreche ich die Person an und schaue ob sie bei Bewusstsein ist. Hierfür steigen zwei Reiter von ihren Pferden ab und einer geht zu der Person, welche am Boden liegt. Die andere kann bei den Pferden bleiben und sie festhalten. Schnell sollte geklärt werden, ob ein Krankenwagen benötigt wird oder nicht. Falls nicht, kann man eine Person die sich am Reitstall befindet anrufen und fragen, ob sie mit dem Auto vorbeikommen kann. Auch sollte man einigen im Stall Bescheid geben, dass ein Pferd allein zurück in den Stall kommt und eventuell ein oder zwei dem Pferd entgegen gehen sollten.

Es kann aber auch passieren, dass nicht der Reiter sich verletzt, sondern das Pferd. Es kann sich vertreten, kann plötzlich lahmen oder stolpern. In jedem Fall sollte der Reiter sofort absteigen und die Pferdebeine kontrollieren. Leider kann man meistens schwer abschätzen, wie stark eine Verletzung ist, wenn keine äußeren Verletzungen zu sehen sind. Deshalb sollte man in jedem Fall jemanden anrufen, sodass das Pferd mit einem Anhänger abgeholt werden kann. Ist man an einer Stelle im Wald, die schwer befahrbar ist, führe ich das Pferd bis zur nächsten großen Straße.

In den meisten Fällen geht so ein Ausritt unter Freunden aber immer gut aus und alle kommen tiefenentspannt und voller neuer Energie zum Stall zurück. Am Stall angekommen werden erstmal die Erlebnisse berichtet. Ich sollte aber darauf achten, dass ich zunächst mein Pferd gut versorge und es zurück in die Box stelle. Als erstes kontrolliere ich die Atmung meines Pferdes. Ich beobachte die Nüstern. Sind diese stark aufgerissen und mein Pferd holt sehr aufwendig schnell Luft, so sollte ich es noch ein paar Runden über den Hof führen. Erst dann bringe ich es Richtung Box. Nach der Atmung kontrolliere ich die Beine meines Pferdes und nehme die Hufe einmal hoch. Hier achte ich vermehrt darauf, dass sich keine Steine oder Stöcker unter den Huf gesetzt haben. Ist das der Fall, beseitige ich es aus dem Huf.

Wenn ich diese kleinen Punkte beim nächsten Ausritt beachte, so wird auch er zu einem schönen Erlebnis. Falls etwas Unvorhergesehenes passiert, weiß ich wie ich mit der Situation umgehen werde und bin auf alles vorbereitet.

Damit ich nicht alles vergesse, hier noch eine kleine Checkliste:

 

Vor dem Ausritt:

  • Schutz Reiter (Reitkappe, Handschuhe, festes Schuhwerk, ggf. Schutzweste)
  • Schutz Pferd (Beinschutz, Kontrolle des Sattelzeugs auf Vollständigkeit/ Mängel, Ausreitmarken, Martingal, Vorderzeug)
  • Jemanden am Stall Bescheid geben (wer ist unterwegs, wie viele, ungefähr den Zeitraum des Ausritts)
  • Handy aufladen und mitnehmen
  • Erkundigen wo man lang reiten darf, eventuell die Strecke vorher schon überlegen

 

Während des Ausritts: 

  • Schauen das die Gruppe zusammenbleibt
  • Nur auf dafür vorgesehene Wege reiten
  • Bei Einbruch der Dunkelheit, sichtbar für anderen sein
  • Bei Sturz eines Reiters (Ruhe bewahren, einer organisiert die anderen, zwei reiten dem Pferd hinterher – falls es sich Richtung Stall aufmacht, einer geht zur verletzten Person hin, einer hält die anderen Pferde fest – ist die Person ansprechbar?- Muss ein Krankenwagen gerufen werden, oder reicht es wenn jemand vom Stall kommt und die Person abholt
  • Verletzung Pferd (Absteigen und nicht weiterreiten, Kontrolle nach äußeren Verletzungen, Pferd abholen lassen und nicht zurückführen)

 

Nach dem Ausritt:

  • Kontrolle der Atmung des Pferdes
  • Kontrolle der Beine
  • Kontrolle der Hufe

 

-Eure Pia-

 

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Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson