Bodenarbeit, Seminare/Schulungen

Equi-Institut in Schierensee: Mit und von Pferden lernen

Ein Ort des Pferdefriedens – so beschreibt Janna Behrens den Hof Schierensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dort gründete sie das Equi-Institut… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
26.05.2017 3 min lesen

Ein Ort des Pferdefriedens – so beschreibt Janna Behrens den Hof Schierensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dort gründete sie das Equi-Institut und entwickelte eine 24-teilige Ausbildungsreihe. Ihr Ziel ist es, Pferdefreunde aller Reitsportdisziplinen im feinen Umgang mit dem Partner Pferd zu unterstützen.

Sich im Pferdebereich zu verwirklichen, war schon immer ein Traum von Janna Behrens. Seit ihrem sechsten Lebensjahr sitzt sie im Sattel und hat sich bereits früh autodidaktisch weitergebildet. „Ich habe mich schnell gefragt, wie das alles auch ohne Sattel und Trense geht. Der feine Umgang mit Pferden ist mein Credo, und das möchte ich auch in meiner Ausbildungsreihe vermitteln“, so die 26-Jährige. Mit der Reihe richtet sie sich an alle Pferdemenschen, sowohl an Pferdebesitzer als auch an Trainer und Reitlehrer. An 24 aufeinander aufbauenden Terminen, die über zwei Jahre verteilt einmal monatlich stattfinden, ermittelt sie den Teilnehmern eine langfristige Struktur und einen Leitfaden für die Arbeit mit Pferden. „Normalerweise findet das Coaching im Reitsport im Eins-zu-eins-Verhältnis statt, das kenne ich aus meinem eigenen mobilen Unterricht. Ich wollte aber im Equi-Institut etwas anderes erschaffen: Es geht darum, die Gemeinschaft als Lernhilfe zu nutzen, den Austausch und das Miteinander zu fördern. Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Reitsportdisziplinen stellen Fragen und erarbeiten im Kolloquium unter meiner Anleitung eine Lösung. Ich arbeite die dreistündigen Themenseminare aus, gebe den Teilnehmern die selbst geschriebenen Skripte an die Hand und begleite die Übungen“, erklärt Behrens.

Gemeinsames Lernen

Jedes Seminar hat ein übergeordnetes Ziel, wie zum Beispiel das Verständnis der Hilfengebung im Schulterherein. Dazu gibt es einen theoretischen Einstieg mit Diskussionsfragen und praktische Teile, in denen Behrens mit ihren eigenen Pferden Übungen zeigt oder einen Teilnehmer mit Pferd zur Demonstration auswählt. Am Ende folgt ein Check-up mit Rückmeldungen und Fragen. „In den vier Wochen zwischen den Seminaren haben die Teilnehmer die Möglichkeit, das Erlernte mit ihrem Pferd zu Hause auszuprobieren. Natürlich ist nicht jedes Pferd am Ende der zwei Jahre meisterlich ausgebildet, aber darum geht es auch nicht. Viel wichtiger ist mir, Partnerschaften zwischen Mensch und Pferd zu etablieren, die frei von Bewertungen, Ängsten und Leistungsansprüchen sind. Ich wünsche mir von meinen Teilnehmern, dass sie ihre eigenen Grenzen finden und wenn möglich gemeinsam überschreiten. Darüber kann ein feiner Zugang zum Pferd gefunden werden“, beschreibt die Trainerin ihren Anspruch. Die einzelnen Seminare, auch Equilloquien genannt, können als Einzelveranstaltung besucht oder als Ausbildungsvariante über den gesamten Zeitraum von zwei Jahren mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Die erste Ausbildungsreihe ist im April 2015 gestartet. Rund 20 Teilnehmer haben im Schnitt an den Seminaren teilgenommen, zwei Absolventen haben bereits das Abschlusszertifikat erhalten. „Im Equi-Institut sind alle Teilnehmer willkommen, egal ob Turnier- oder Freizeitreiter, Islandpferdefan oder eingeschworener Großpferdreiter“, so Behrens.

Lebensinhalt Pferd

Nach dem Abitur hat Janna Behrens zunächst ein Tiermedizinstudium begonnen, welches sie zugunsten der Arbeit mit Pferden unterbrochen hat. Mehrere Jahre lang lebte sie mit, lernte von und arbeitete für Marius Schneider, den deutschen Meister der akademischen Reitkunst. Gleichzeitig studierte sie in den Niederlanden Pferdewirtschaftswissenschaften. Über die Tätigkeit in einer Kommunikationsagentur entdeckte Behrens ihre Leidenschaft für redaktionelle Arbeit und entwickelte schnell die Idee zu Equi-Inspiration – ihrem eigenen Onlinejournal. Mit diesem Instrument lässt sie ihre Botschaften um die Pferdewelt gehen und inspiriert andere Reiter dazu, freundlich und bedacht mit ihren Vierbeinern umzugehen. „Mein Steckenpferd ist die mentale Arbeit mit Mensch und Pferd. Der weiche Kontakt zwischen beiden Wesen fasziniert mich. Es ist ergreifend, dass man über Pferde einen so guten Zugang zu sich selbst entwickeln kann. Ich sehe die klassische Reitkunst als ein Instrument zur Selbstentwicklung an und möchte dies an die Teilnehmer der Seminare weitergeben“, so Behrens. Gemeinsam mit ihren beiden Windhunden und ihren zwei Wallachen wohnt sie auf dem Hof Schierensee. „Zu meinem Knabstrupper Odyn, einem sehr extrovertierten und mental starken Wallach, habe ich durch meine Arbeit einen sehr guten Zugang gefunden. Es war durchaus auch mal gefährlich, weil dieses Pferd lange Hengst war. Er war unsozialisiert und untrainiert in der vertrauensvollen Pferd-Mensch-Beziehung. Mittlerweile können wir wunderbar miteinander arbeiten“, erzählt Behrens. Der Lusitano-Wallach Caramello kam ursprünglich als introvertierter Paniker zu ihr. Mit ihrem damaligen Lebensgefährten Marius Schneider legte sie den Grundstein für seine Korrekturausbildung: „Caramello war ein sehr introvertiertes Pferd. Mit unserer Arbeit haben wir ihm geholfen, zu einem sicheren Reitpferd zu werden.“ Beide Pferde erfordern viel Kreativität und Feingefühl, aber genau das fasziniert Behrens an ihrer Arbeit.

Stina Berghaus

 

Dieser Text wurde von der Agentur Hafensänger verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.