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Berufsreitertag Ankum 2019

Am vergangenen Wochenende fand vom 23.-24.März 2019 der Berufsreitertag im See- und Sporthotel Ankum statt. Der erste Tag startete mit… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
28.03.2019 7 min lesen
Podiumsdiskussion mit den Referenten (Foto:horseweb)

Am vergangenen Wochenende fand vom 23.-24.März 2019 der Berufsreitertag im See- und Sporthotel Ankum statt. Der erste Tag startete mit einem reichhaltigen Mittagsbuffet, an dem sich die Teilnehmer zunächst stärken konnten. Ich war pünktlich um 12 Uhr vor Ort, um von Beginn an dabei zu sein. Nachdem auch ich mich zunächst gestärkt hatte, nahm ich an einem der hinteren Tische Platz, denn um 13 Uhr ging es mit der Begrüßung los.

Begrüßung Herr Jung (Vorsitzender der BBR) Foto: horseweb

Diese wurde durch Herrn Jung, Vorsitzender der BBR, vorgenommen. Zunächst hieß er alle AnwesendenWillkommen und begrüßte die Ehrengäste und widmete den Verstorbenen eine Gedenkminute der Stille. Nach diesem kurzen Innehalten übernahm Carolin Lux, Geschäftsführerin der BBR, das Mikrofon und berichtete über den vorherigen Abend. Denn bereits am Vortag reisten die Delegierten an und besprachen einige wichtige Punkte. Unter anderem wurde die Finanzplanung für das Jahr 2019 beschlossen, aber auch die im letzten Jahr durchgeführte Umfrage bezüglich des Berufsreitertages wurde näher erläutert. Caro hob vier Punkte besonders hervor, die in Zukunft vermehrt Aufmerksamkeit bekommen und in den Mittelpunkt rücken sollen.
Hierzu gehören der Tierschutz und die Öffentlichkeitsarbeit, die Berufsreitertage und Fortbildungen im Allgemeinen, die Ausbildungsqualität aber auch die Wirtschaft spielt hier eine große Rolle. Hiermit ist gemeint, dass die Ausbildungsbetriebe sich hinsichtlich ihrer Wirtschaft in der Zukunft noch mehr austauschen sollen. Bei allem durfte ein Thema allerdings nicht zu kurz kommen, der Punkt Gehalt! Denn genau das ist etwas was wohl, wie ich denke, in fast jedem Job ein umstrittenes Thema ist. So wurden für uns Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister neue Gehaltsempfehlungen beschlossen. Diese wurden um 8% angehoben. Bevor es mit den Ehrungen einiger Mitglieder weiterging, wies Carolin auf das im kommenden Jahr stattfindende Jubiläum hin. Denn nächstes Jahre feiern wir schon unser 70. Jähriges Jubiläum.

(Foto:horseweb)

Ehrungen

Nun übernahm Herr Jung wieder das Mikrofon und fuhr mit der Ehrung langjähriger Mitglieder fort. Er bat alle Mitglieder die genannt wurden nach vorne, sodass diese ihre Urkunden und Nadeln entgegennehmen konnten. Es wurden nicht nur diese Anerkennungen verliehen, so bekam Hans Weber das Verdienstabzeichen in Gold verliehen. Da das Programm einen straffen Zeitplan hatte ging es direkt mit der Ehrung des „Ausbildungsbetriebs des Jahres“ weiter. Diese Auszeichnung ging an den Leuchtfeuerhof in Ludwigshafen. Herzlichen Glückwunsch hier nochmal an die Familie Orth.

Hannes Müller und Herr Jung bei der Übergabe der Medaille (Foto:horseweb)

Den Geehrten verfolgte der Applaus vom Publikum bis zurück auf ihre Plätze. Herr Jung wurde durch Herrn Bernhard Fessler abgelöst, auch er begrüßte alle Anwesenden und sprach über die Politik im Bereich Reitsport. Er selbst ist seit ca. anderthalb Jahren bei der FN im politischen Bereich tätig. „Vor allem durch das immer stärker werdende Medium Social Media rücken Umwelt und Sicherheit, sowie Heimat immer mehr in den Vordergrund und werden deutlich transparenter als noch vor einigen Jahren“, betonte Fessler. Generell ist es wichtig, das Thema Pferd mehr in die Politik mit einzubinden und mehr in die Öffentlichkeit zu gehen. Seine Aussage, der Beruf des Reitlehrers sei in Frankreich geschützt, in Deutschland aber nicht und sei ein Zustand der angegangen werden müsse, wurde mit starken Applaus unterstützt.

 

 

 

Fachreferenten

Hiermit war die Begrüßung beendet und die Vorträge begannen. Den Anfang machte Sascha Münch, er ist Rechtsanwalt bei Berner, Fischer & Partner in Verden. „Provisionsleistungen im Pferdekauf“, war sein Thema. Um nicht zu juristisch zu bleiben und uns einen Paragraphen nach dem anderen runter zu beten, führte Münch ein Beispiel an, an dem er einige Punkte erläuterte, die zu beachten sind.
Denn sollte man eine Provision beziehen ist es wichtig darauf zu achten, dass man nur eine Seite unterstützt. Das heißt, man kann nur von einer Seite Geld beziehen und nicht von beiden Seiten. Vor Vertragsabschluss sollten diese Verhältnisse geregelt sein, am besten immer schriftlich. Einen wichtigen Satz von Herrn Münch habe ich mir besonders gemerkt: „Du sollst nicht zwei Herren dienen!“ Ich denke dieser Satz verdeutlich, was Herr Münch uns an diesem Tag mitteilen wollte. Dr. Theo Schneiderkam als nächstes zu uns und auch er brachte ein spannendes Thema mit. „Zur Taxation von Reitpferden: Rahmenbedingungen und Methoden“, sollten in der nächsten halben Stunde näher erläutert werden. Er selbst ist sachverständiger in der Landwirtschaft und hat sich auf die Hippologie spezialisiert. Zu Beginn erklärte er die Taxationslehre von Pferden und wann der Wert eines Pferdes bewertet wird. Dies kann z. B. nach einem Schadensfall oder nach der Wertveränderung eines Kaufgeschäftes sein. Außerdem wird der Wert bei Erb- oder Eheauseinandersetzungen ermittelt. Generell bezieht sich der Verkehrswert eines Pferdes immer auf den Zeitpunkt der Ermittlung.

 

Bevor es für uns dann in die Kaffeepause ging, kam ein weiterer Referent zu uns, der ebenfalls ein wichtiges und interessantes Thema im Petto hatte, der Steuerberater Christian Siemers. Er hatte vor allem für die Berufsreiter, die ihre Pferde ins Ausland verkaufen, sehr gute und wichtige Tipps dabei. So ist es unter anderem sehr wichtig zu schauen, dass das verkaufte Pferd tatsächlich ins Ausland geht und nicht in Deutschland verweilt. Zudem sollte man als Verkäufer darauf achten, dass die Umsatzsteuer ID geprüft wird, denn Unternehmendürfen Pferde nur kaufen, die auch dort zum Einsatz kommen. Für mich waren es sehr viele Informationen auf einmal, dennoch war ich bis zur Pause von allen Vorträgen begeistert. Trotz der vielen Informationen die dort vermittelt wurden, konnte ich allen Referenten gut folgen und einiges dazu lernen.

 

Mittagspause

Ein langer in L-Form, mit einer weißen Tischdecke, geschmückter Tisch stellte den Kaffee und das Gebäck bereit. Es gab so viel Auswahl an Plätzchen, Kuchen, aber auch für die Gesunden unter uns gab es frisches Obst. Ich entschied mich für einen Kaffee und vertrat mir dabei ein wenig die Beine. Dabei bemerkte ich wie wunderschön die Landschaft hier in Ankum ist. Ich selbst war vorher noch nie da gewesen und war von der Anlage und den dahinter liegenden See beeindruckt. Den See erreicht man über eine Sonnenterrasse, die vor allem im Sommer einige Sonnenanbeter anlockt. Die Shopping Queens unter uns kamen im Hotel ebenfalls nicht zu kurz. So gab es gleich im Eingangsbereich einen kleinen Laden, der die Herzen der Modeliebhaber höherschlagen lässt.

 

Fachvorträge Teil II   

Zurück zum Eventsaal, wartete auch schon der nächste Gastreferent auf uns. Dr. Sebastian Bartke, Mitinhaber einer Tierklinik im westfälischen Milte, ging zu Beginn ein Stück in die Vergangenheit und gab uns einen geschichtlichen Rückblick in der Entwicklung der Kaufuntersuchungen beim Pferd. Er erklärte auch, dass es nun neue standardisierte Kaufuntersuchungen gibt und worauf zu achten ist. Wie so eine Ankaufsuntersuchung abläuft und was als Zusatz dazu gebucht werden kann. Die Röntgenaufnahmen, die bei vielen als Teil der Untersuchung dazu gehören, ist nur ein Zusatz, der zur eigentlichen Untersuchung nicht dazu gehört. So muss erst eine klinische Untersuchung sattfinden, bevor Röntgenbilder gemacht werden können. Eine andere Reihenfolge ist nicht möglich.

Zu guter Letzt kam Hans-Heinrich Brüning zu uns. Er leitet einen eigenen Familienbetrieb, dessen Land zwischen Vechta und Verden auf rund 300 Hektar verteilt liegt. Mit viel Witz und Charme vermittelte er uns etwas über Perspektiven und Chancen in der Pferdevermarktung. Unter anderem stellte er uns seinen Hof und seine Familiengeschichte vor. Er erklärte, dass vor allem eine gute Haltung der Jungpferde wichtig ist und eine genaue Dokumentation des Futters, der Impfungen und Entwurmungen nötig ist, um die Käufer von sich zu überzeugen.

 

Herr Jung vor dem Fachpublikum (Foto:horseweb)

Podiumsdiskussion

Nach dieser Präsentation war die Zeit bereits fortgeschritten, dennoch ging es für uns alle rüber in die Reithalle. Dort wartete schon der Moderator des Abends auf uns, Kai Vorberg. Er nahm die Referenten genau unter die Lupe und lies kein Detail aus. Auch die anschließende Fragerunde wurde gut angenommen und es konnte rege diskutiert werden. Bevor diese aber starten konnte, wurde Hannes Müller mit der Felix Bürkner Medaille ausgezeichnet.

 

 

BBR- Abendbuffet

Gegen 20 Uhr wartete dann ein großes Buffet auf uns im Eventsaal. Die Tische waren mit weißen Tischdecken und Kerzenleuchtern gedeckt und das warmen und kalte Buffet duftete herrlich. Bei der ganzen Auswahl wusste ich gar nicht was ich zuerst nehmen sollte. Von kalten Vorspeisen mit Baguette und Dip über Antipasti, vegetarischen Nudeln, bis hin zum Fisch, aber auch die Fleischliebhaber wurden bei der Auswahl satt. Mein Highlight vom Buffet war der Nachtisch, denn es gab nicht nur eine leckere Cremé mit Kirschen zum Nachtisch, sondern ein kleiner Eiswagen stand ebenfalls am Nachtisch-Buffet bereit. Gesättigt und geplättet vom Tag ging es für mich dann ab aufs Hotelzimmer, wo ich vor lauter Müdigkeit sofort schlief.

 

 

Tag 2

Der zweite Tag begann für mich relativ entspannt. Gegen 9 Uhr ging ich zum Frühstück. Eigentlich war ich noch satt vom Vortag, aber bei dem Anblick der frischen Sachen und dem leckeren Geruch des frisch gebrühten Kaffees, konnte auch ich mich nicht zurückhalten. Pünktlich um viertel vor zehn begann der zweite Tag mit dem Vortrag von Katja Möllerherm, Vertriebsmanagerin bei ehorses,

Katja Möllerherm (Foto:horseweb)

über die online Vermarktung bei Pferden. Sie hatte viele Tipps und Tricks, wie man sein Pferd am besten präsentieren kann und worauf die potenziellen Kunden am meisten Wert legen. So sind zum Beispiel gute Bilder ausschlaggebend ob das Profil des Pferdes angeklickt wird oder nicht. Da aber nicht nur die Internetpräsenz des Pferdes gut und überzeigend sein muss, ging es danach für uns erneut in die Reithalle, wo Ullrich Kasselmann mit seinem Team bereits auf uns wartete. Gemeinsam mit seinen Auszubildenden und Bereitern präsentierte er einige Pferde und erläuterte worauf es beim Vorstellen der Pferde, vor dem Kunden, ankommt. So hatte er auch ein Beispiel dabei, wie man es nicht machen sollte. Hierbei handelte es sich um eine 3-jährige Stute, die an der Hand vorgeführt wurde. Stroh im Schweif, Haare unter dem Bauch und die Mähne noch nicht einmal gemacht, das waren die äußeren Merkmale der Stute. Der Pfleger hatte nun Zeit, während die anderen in der Halle präsentiert wurden, die 3-jährige herzurichten. Nach den Vorführungen kam die Stute erneut in die Halle und war kaum wieder zu erkennen. Sie glänzte, die Mähne war eingeflochten und die Hufe gefettet. Das Fell glänzte und die Stute sah gleich ein paar Euros teurer aus.

 

Fazit

Somit endete das Wochenende in Ankum. Für uns Berufsreiter waren es, so glaube ich, sehr informative und lehrreiche zwei Tage. Vor allem die, die viel im Verkauf tätig sind, konnten einige wichtigen Aspekte für die Zukunft mitnehmen. Aber auch für die anderen waren die Fachreferenten top geeignet und hatten tolle und spannende Themen im Gepäck. Rund um war es eine sehr gelungene und gut organisierte Veranstaltung. Ich komme gern wieder nach Ankum.

 

Autor: Pia Kocker

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Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson