Rasseportrait

Pferderassen im Portrait: Der Achal Tekkiner

Turkmenische Renner Er zeichnet das Wappen der Turkmenistan-Flagge und  wird in seiner Heimat als Rennpferd gefeiert und geschätzt. Hierzulande noch… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
05.09.2018 3 min lesen
In seiner Heimat in Turkmenistan wird der Achal Tekkiner hauptsächlich für Pferderennen, hier zu Lande vor allem im Vielseitigkeitssport und im Distanzreiten, eingesetzt. Foto: privat

Turkmenische Renner

Er zeichnet das Wappen der Turkmenistan-Flagge und  wird in seiner Heimat als Rennpferd gefeiert und geschätzt. Hierzulande noch weitgehend unbekannt und wenig verbreitet, findet der Achal Tekkiner wegen seiner extremen Härte auf langen Strecken und seinem großen Galoppier- und Sprungvermögen dennocheinige wenige Liebhaber. Dabei ist der turkmenische Renner gerade für den Vielseitigkeits- und Distanzsport hervorragend geeignet.  

 

Von dieser Ausdauer und Leistungsbereitschaft ist auch Hans-Jürg Buss begeistert, der vor neun Jahren mit seinen Pferdenaus der Schweiz nach Schleswig-Holstein zog und das rund 30 Hektar große Achal Tekkiner-Vollblut Gestüt Schierensee gründete.
In Grebin bei Plön/Malente hält er 45 Pferde, von denen über 20 reinrassige Achal Tekkiner sind und zum großen Teil  aus der eigenen Zucht stammen. Die Stammhengste und -stuten seiner Zucht erwarb  Hans-Jürg Buss aber zunächst bei anderen Züchtern aus Deutschland und Europa.

„Erstmals gesehen hatte ich einen Achal Tekkiner vor über fünfzehn Jahren beim Schweizer National-Zirkus Knie, der in seiner Pferde-Show drei dieser einzigartigen Vollblüter präsentierte. Einfach war es damals aber nicht, an diese Pferde heranzukommen. Meinen ersten Achal Tekkiner Hengst kaufte ich dann mit viel Glück kurze Zeit später. Er war kurz zuvor als Vierjähriger aus Russland in die Schweiz importiert worden und ich war sofort von seinem edlen Charakter und seinen ausdrucksvollen Gängen begeistert. Durch Kontakte innerhalb Deutschlands, konnte ich meine Zucht aber schnell erweitern“, erzählt Buss.

Auf dem Gestüt Schierensee in Grebin bei Plön/Malente leben über 20 reinrassige Achal Tekkiner. Foto:privat

Das Hauptzuchtgebiet des Achal Tekkiner liegt in Zentralasien und erstreckt sich über mehrere Länder von Turkmenistan über Kasachstan und Südrussland.Dort wird diese älteste und reinrassig durchgezüchtete Pferderasse der Welt seit etwa 3000 Jahren gezüchtet. Der turkmenische Nomadenstamm der Tekke gab dieser Rasse ihren heutigen Namen. Über Russland kamen die Pferde im 18. Jahrhundert in den Osten Mitteleuropas und hatten prägenden Einfluss in Trakehnergestüten und der englischen Vollblutzucht.

Für Hans-Jürg Buss ist der geschichtliche Hintergrund dieser Rasse besonders faszinierend: „Die Achal Tekkiner sind ein  Stück menschlichen Kulturgutes. Schon früh züchteten die Nomaden Zentralasiens  den Achal Tekkiner speziell zum Gebrauch als Kriegs- und Beutepferd. Er musste außerordentlich ausdauernd, hart, leistungsbereit, reaktionsschnell, zuverlässig und anspruchslos sein. Diese Charaktereigenschaften blieben ihm auch bis heute noch erhalten“ sagt der Züchter.

Daher kann der Achal Tekkiner auch in den unterschiedlichsten Reitsportarten eingesetzt werden. In seiner Heimat in Turkmenistan wird er hauptsächlich für Pferderennen eingesetzt. Außerhalb seiner Zuchtgebiete ist er bekannt für seine extreme Härte auf langen Strecken, seiner Schnelligkeit und seinem Sprungvermögen. Aus diesem Grund wird er hier zu Lande vor allem im Vielseitigkeitssport und im Distanzreiten eingesetzt.
„Als reine Vollblüter sind die Achal Tekkiner sehr ausdauernd, langbeinig und wendig“, erzählt Buss. Sein Sohn Jacopo Buss, heute ein internationaler Drei-Sterne Vielseitigkeitseiter und Mitglied der Schweizer Vielseitigkeits-Elitemannschaft, wurde als Junior mit einem seiner Achal Tekkiner Hengste Vize-Meister der Schweiz.
Doch auch in der Dressur konnten einige Achal Tekkiner Erfolge feiern, wie vor allem der berühmte Olympiasieger von 1960 „Absent“ unter dem russischen Dressurreiter Sergei Filatow. Absent gewann als einziges Pferd an drei olympischen Spielen (Rom, Mexiko und Tokyo) olympische Medaillen und wurde im Jahr 1968 von westeuropäischen Pferdejournalisten sogar zum „Sportpferd des Jahrhunderts“ gewählt. „Absent“ findet sich als Urgroßvater auch in der Mutterlinie von Buss‘ gekörtem Hengst „Mazan“ wieder.

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Außer diesem Hengst besitzt Buss noch weitere vier Hengste, wovon zwei gekörte im Pferdestammbuch beim Zuchtverband für das deutsche Pferd (ZfdP) eingetragen sind. „Die Eintragung und Anerkennung war aber nicht immer einfach, da das Hauptstutbuch der Rasse in Russland geführt wird“, erzählt er. Seit zwei Jahren regelt das nun deutschlandweit der Bayerische Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen, der für das Brandzeichen „AT“ extra nach Schleswig-Holstein reist. Um dieses auch zu tragen müssen die Pferde gentechnisch nachgewiesen 100% reinrassig sein. Es gilt für den Achal Tekkiner folgendes Zuchtziel:
Stuten sollen ein Stockmaß von 150 bis 166 Zentimetern und Hengste eine Stockmaß von 154 bis 168 Zentimetern vorweisen. Farblich können Rappen, Braune, Füchse, Falben, Isabellfarben vorkommen, häufig mit einem ausgeprägten Gold- oder Silberglanz. Der Kopf sollte trocken und leicht, die Stirn breit, manchmal gewölbt und die Ohren dünn, lang, beweglich und hochgestellt sein. Der Hals sollte gerade, lang und stark und der Körper gut bemuskelt und mit einer langen, sehr starken, breiten Kruppe ausgestattet sein. Der Bewegungsablauf des Achal Tekkiner ist idealerweise raumgreifend, schwungvoll und elastisch. Mit seinen über 20 Achal Tekkinern ist das Gestüt Schierensee  eines der größten von sechs Zuchtgestüten in Deutschland und das einzige im Bundesland Schleswig-Holstein. Der Bestand beläuft sich in Deutschland auf etwa 150 reinrassige Pferde wovon in Schleswig-Holstein etwa 30 Pferde leben.

 

-Redaktion Hafensänger-

-Hans-Jürgen Buss von dem Gestüt Schierensee-
www.gestuet-schierensee.de

 

 

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