Rasseportrait

Marwaris – Ein Königreich für ein Pferd

Indien ist bekannt als farbenfroher Subkontinent Asiens, wo Kühe heilig sind. Im Nordosten des Landes, in der Region Rajasthan, lebt… Artikel lesen

Larissa Lienig
19.01.2019 3 min lesen
Marwari Pferd in Indien (Bild: Pferd&Reiter)

Indien ist bekannt als farbenfroher Subkontinent Asiens, wo Kühe heilig sind. Im Nordosten des Landes, in der Region Rajasthan, lebt aber ein anderes Tier ganz königlich – Das Marwari-Pferd.

Die Geschichte der Marwaris ist eng mit der, des Königreichs Marwar verbunden, über das der Maharadscha von Jodhpur einst regierte. Das dort ansässige Kriegervolk, die Rajputen, brauchten ein robustes und intelligentes Pferd, um das Land im Mittelalter vor Invasoren aus Arabien und Herrschern aus anderen indischen Regionen, zu verteidigen. Dort beginnt die Geschichte der Marwaris. Die Rasse zeigt Einflüsse von Arabern und Persern, den Pferden der Eindringlinge, mit denen die einheimischen Pferde gekreuzt wurden. Den Ursprung jedoch sollen sie bei den frühgeschichtlichen Volksstämmen Indiens haben, die genauso mythisch sind wie die Marwaris selbst.

Ein unverkennbares Merkmal der wenig anspruchsvollen Wüstenpferde, sind eindeutig die Ohren. Sie sind sichelförmig nach innen gebogen und äußerst beweglich. Eine Mutation soll diese einzigartige Form hervorgerufen haben. Durch die damals sehr selektive Zucht, mit nur einem kleinen Stamm, soll sich dieses Merkmal verfestigt haben.

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Ansonsten unterscheiden sich die stressresistenten, aber eleganten Marwaris auch sehr von ihren europäischen Verwandten. Es scheint, als wären sie weniger kräftig. Die schmale Brust fällt auf, sowie der etwas drahtige Körperbau. Doch das täuscht. Sie sind hart im Nehmen, ausdauern und vor allem schnell. In einem zusätzlichen Passgang, ähnlich dem Tölt, lassen sich lange Reisen gut überstehen. Ihr Mut und Temperament wird in zahlreichen Legenden beschrieben, die sich um die Rasse ranken.

 

Der Mythos

Noch heute wird geglaubt, dass diese Tiere von den Göttern abstammen. Aus den Tränen eines weinenden Gottes soll sich, der Legende nach, ein Hengst und eine Stute geformt haben. Marwari bedeutet wortwörtlich übersetzt auch „aus dem Land des Todes“, was wohl die aufopferungsvolle Art widerspiegelt.

Ihrem Charakter wird nämlich das Herz eines Kriegers und die Loyalität eines Freundes nachgesagt. Es gibt Erzählungen, in denen das Pferd seinem Reiter bis zum Ende beigestanden und ihn sogar verteidigt oder in Sicherheit gebracht haben soll. Ein Denkmal in Udaipur erinnert noch heute an die Heldentat des Marwari-Pferdes Chetak, das seinen Maharadscha schwer verletzt in Sicherheit und zum Sieg trug.

Ein Sprichwort aus Rajasthan empfiehlt: „Das Kamel für die Liebe, den Elefanten für das Glück und ein Marwari für den Sieg.“

Ein Marwari mit einem Rajputen (Bild: Pferd&Reiter)

Der Kauf ist von den Sternen abhängig

Die Nachfahren der Rajputen überlassen auch heute noch nichts dem Zufall, bei dem Erwerb eines neuen Marwaris. Ein Brahmane, ein Priester, empfiehlt ein Datum für den Kauf, basierend auf dem Stand der Sterne. Der größte Markt für die verehrten Tiere findet ein Mal im Jahr im November statt, wenn der erste Vollmond am Himmel steht. Dann pilgern Millionen Inder in den Wüstenort Pushkar, im Zentrum des Staates Rajasthan. Das Who-is-Who der Pferdewelt Nordindiens lässt es sich nicht entgehen, wenn Zehntausende dieser besonderen Pferde feilgeboten werden. Einige sind noch besonderer als andere. Die Fellzeichnung macht die sogenannten Panch-Kalian-Pferde zu Glückbringern. Vier weiße Füße und eine Blesse sollen dem Besitzer das Fünffache an Glück bringen.

Wenn es dann soweit ist, dass ein Marwari in sein neues Heim einzieht, betet der Besitzer zuerst für dessen Gesundheit. Anschließend wird es mit einem gesegneten Blumenkranz geschmückt und erhält ein Willkommensmahl. Die Geburt eines Fohlens ist ein ähnliches Spektakel, wie die eines Kindes.

Wie angesehen die Marwaris sind zeigt auch der Brauch, dass ein Bräutigam auf einem weißen Pferd vor der Haustür seiner Verlobten erscheinen muss. Diese Bräuche sichern den Fortbestand dieser Rasse und halten den Mythos am Leben.

 

Marwaris erleben

Die geschützten Marwari-Pferde sind aktuell fast ausschließlich in ihrer Heimat Indien zu bewundern. Einfuhr-Restriktionen und der Seuchenschutz machen es Marwari-Liebhabern in Deutschland schwer selbst welche zu halten.

Pferd & Reiter schafft Abhilfe: Eine Reiterreise durch Rajasthan – auf Marwaris. Im Land der Könige geht es auf den Spuren Maharadschas auf den Trails zu historischen Städten mit Übernachtungen in ehemaligen Palästen.

Lesen Sie hier mehr zu dem Angebot.

Larissa Lienig

„Entspanne dich, lass das Steuer los. Trudele durch die Welt, sie ist so schön.“ - Kurt Tucholsky