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Frische Luft und Licht beeinflussen das Wohlbefinden der Pferde

Die Frischluftfanatiker Pferde lieben eine frische Brise um die Nase. Schlechtes Wetter? Fehlanzeige. Ob Sonne, Regen, Wind oder Frost –… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
21.08.2018 5 min lesen
Foto:privat

Die Frischluftfanatiker

Pferde lieben eine frische Brise um die Nase. Schlechtes Wetter? Fehlanzeige. Ob Sonne, Regen, Wind oder Frost – Pferde sind am liebsten draußen. Umso wichtiger ist es, dass Besitzer für ihr Pferd einen Stall finden, der diesem Anspruch gerecht wird. Es gibt keine verbindliche Empfehlung für die ideale Haltungsform. Unverzichtbar sind neben ausreichend Bewegung jedoch Licht und Luft.

Turnierpferde brauchen einen anderen Stallkomfort als robuste Isländer. Für Fohlen ist Zugluft Gift, Freizeitpferde überstehen den Winter auch ohne Decke. Wenn man von Fall zu Fall individuell entscheiden könnte – das wäre ideale Pferdehaltung.

Vorab: Wichtig für gesunde Pferde ist ein gutes Klima im Stall. Es ist abhängig von der Temperatur, der Luftbewegung, der Luftfeuchtigkeit, der Schadgaskonzentration in der Luft und Licht. Um im Rahmen des Tierschutzgesetzes Pferden eine „verhaltensgerechte Unterbringung“ zu ermöglichen, hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Informationsschrift heraus gegeben.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat daran mitgewirkt. Die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ stehen online unter www.bmelv.de. Sie sind eine wichtige Grundlage für die Selbstkontrolle der Pferdehalter und für die Arbeit von Tierschutzbehörden hilfreich. Die Leitlinien sind keine Rechtsnormen. Wer einen Stall neu baut oder umbaut ist gut beraten, sich an den empfohlenen Grenzwerten für das Stallklima und die Lichtverhältnisse zu orientieren. Über die entsprechenden Geräte zur Messung der Richtwerte verfügt ein Baubiologe. Er kann eine Rückmeldung geben, ob im Stall ein frisches Lüftchen weht.

 

Regelmäßiges Einstreuen senkt den Ammoniakgestank

Die Luft im Stall enthält eine Vielzahl von Gasen. Sie stammen aus dem Stoffwechsel des Pferdes oder ihren Ausscheidungen. Ein Großteil der Gase entsteht durch die Lagerung des Pferdedungs. Ammoniak ist das dominierende Gas im Stall, ist farblos und stechend riechend. Im Stall am Boden über dem Mist ist die Ammoniakkonzentration am höchsten, wenn es dort nicht durch Luftströmungen verteilt wird. Bleibt der Mist mehrere Wochen in der Box, wie bei der so genannten Matratzenhaltung, steigt die Konzentration des Ammoniaks in der Stallluft. Die Schadgaskonzentration bleibt gering, wenn regelmäßig und ausreichend eingestreut wird. Maximal 0,1 Liter Ammoniak pro Kubikmeter sind vertretbar, höhere Konzentrationen beeinflussen die Pferdegesundheit.

Symbolbild (Foto: Pixabay)

Ammoniak ist schwerer als Luft und sammelt sich unten. Wenn Pferde liegen, liegen sie im Ammoniakdunst. Die modernen Ställe haben neben den Fenstern auch Luftschlitze in den Boxenwänden, damit eine Luftbewegung stattfinden kann. Leider werden diese Schlitze häufig durch Pferdedecken abgehängt, so dass der Frischlufteffekt verpufft. Fast alle Atemwegserkrankungen verschlimmern sich mit einer erhöhten Ammoniakkonzentration im Stall. Die Schleimhäute der Augen und des Atmungsapparates leiden besonders. Kohlendioxid ist ein weiteres Gas, das in der Stallluft vorkommt. Es wird durch die Atmung des Pferdes an die Umgebung abgegeben. Kohlendioxid gilt als Anzeiger für die Luftqualität im Stall, ob ausreichend gelüftet wird. Findet im Stall kein Luftaustausch statt, steigt der Kohlendioxidgehalt. Pferde reagieren darauf mit einer erhöhten Atem- und Pulsfrequenz, sind apathisch und müde. Ideal ist, wenn Stallfenster ständig geöffnet sind. So kann eine optimale Frischluftversorgung stattfinden.

 

Staub reizt die Atmungsorgane

In der Stallluft schwirren neben den Gasen auch Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen, Pilze und Viren sowie Staub. Staub entsteht durch Aufwirbelungen wie Fegen oder Stroh aufschütteln. Problematisch für die Pferdegesundheit wird Staub, wenn Mikroorganismen anhaften. Vor allem Bakterien und Pilzsporen setzen dem Pferd zu. Staub kann allergische oder toxische Reizungen auf die Atmungsorgane auslösen. Reizhusten bis hin zu chronischen Erkrankungen der Bronchien und der Lungen sind mögliche Folgen von zu hoher Staubbelastung im Stall. Die höchsten Staubkonzentrationen entstehen durch das tägliche Einstreuen der Boxen. Darum sollten die Pferde zu dieser Zeit möglichst nicht in der Box stehen und Fenster und Türen weit geöffnet sein. „Die Staubbelastung ist in Pferdeställen das größte Problem“, sagt Jürgen Fischer. „Empfindliche Pferde oder Pferde mit chronischer Bronchitis sollten daher einen eigenen Stallbereich erhalten, in dem nicht mit Stroh eingestreut und Heulage gefüttert wird. Die Stallgasse soll vor dem Fegen angefeuchtet sein.“ Hustenpferde sieht der Veterinär lieber in Außenboxen. Zum Vergleich: Stroh hat den höchsten Gehalt an Gesamtkeimen, Strohpellets den geringsten.

 

Pferde passen sich den Temperaturen an

Die Wohlfühltemperatur für Pferde liegt bei sechs bis acht Grad. Uns Menschen geht es eher bei 20 Grad gut. Pferde besitzen ein gutes Thermoregulationsvermögen. Sie können auch bei extremen Temperaturschwankungen und wechselnden Umweltverhältnissen ihre Körpertemperatur konstant halten. Sie richten ihren Körper auf Nässe, Wind, Kälte und Hitze ein. Auf Kälte reagiert das Pferd nur richtig, wenn der größte Teil des Pferdekörpers von Wind überströmt wird. Fettzellen, Talgdrüsen, Schweißdrüsen und Haare helfen ebenfalls beim Schutz vor Wetterschwankungen. Talgdrüsen versorgen das Fell mit Fett und arbeiten gegen die Nässe. Haarbalgmuskeln richten die einzelnen Haare auf und sorgen so für ein wärmeisolierendes Luftpolster im Fell. Bei geschorenen Pferden klappt das nicht. Darum brauchen sie in jedem Fall eine wärmende Decke. Bei ständig gleich bleibenden Temperaturen in Ställen trainieren Pferde das angeborene Regulationsvermögen nicht. Der Organismus wird anfälliger. Darum gilt als Empfehlung: die Temperatur im Stall soll den Außentemperaturen folgen. Nur extreme Wettererscheinungen wie Hitze und starker Dauerfrost sollen Halter abmildern.

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Feuchtwarme Luft fördert Infektionen

In feuchtwarmer Luft vermehren sich Viruspartikel leichter und fördern so Infektionen und bakteriell bedingte Krankheiten. Pferde haben aufgrund ihrer Thermoregulation auch eine große Toleranz gegenüber der Luftfeuchte im Stall. Die Luftfeuchtigkeit im Stall wird durch die Atmung und Hautausscheidungen der Tiere, durch Tränkewasser und Einstreu begünstigt. Als Richtwert wird eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 80 Prozent empfohlen. Eine ständige Luftfeuchtigkeit über 80 Prozent fördert Infektionskrankheiten beim Pferd und schädigt dadurch den Atmungsapparat. Bei einer Luftfeuchtigkeit unter 60 Prozent trocknen die Schleimhäute der Atemwege aus. Der gesamte Atmungstrakt des Pferdes wird anfälliger für Infekte. Sehr feuchte Luft fördert die Vermehrung von Schimmelpilzen. Schimmelpilze im Pferdefutter sind ein Risiko. Schimmelbefall kann schon vor der Ernte entstehen und setzt sich im Ernteprozess weiter fort. Heu und Stroh lagern am Besten in trockener Umgebung, nicht auf Naturboden. Getreidesilos müssen regelmäßig gründlich gesäubert und desinfiziert werden. Der Pferdehalter hat keinen Einfluss auf das Wetter, er kann die Futterqualität dennoch im Auge behalten.

 

Luftbewegung sorgt für Frischluft im Stall

 

Für eine dauerhaft gute Luftqualität im Stall ist eine konstante Luftbewegung notwendig. Ein regelmäßiger Austausch von verbrauchter Stallluft durch Frischluft ist Voraussetzung dafür. Ideal ist so ein Austausch im Sommer viermal in der Stunde, im Winter zweimal pro Stunde. Als Richtwert wird eine Geschwindigkeit von 0,1m/s empfohlen. Zugluft ist schädlich. Vor allem Fohlen in ihren ersten Lebenswochen müssen vor Zugluft geschützt werden und warm liegen. Ältere Pferde sollen jedoch so gehalten werden, dass sie der Zugluft ausweichen können. Zugluft ist ein Luftstrom, der kälter als die Umgebungstemperatur ist. Er hat eine hohe Luftgeschwindigkeit und trifft nur einzelne Körperteile des Pferdes. Es kommt zu einem kleinflächigen Kältereiz, der die Thermoregulation des Pferdes nicht ankurbelt – im Gegensatz zum großflächigen Luftstrom.

Symbolbild (Foto: Pixabay)

Licht ist wichtig für die Lebensprozesse

 

Das Pferd ist auf ein Leben unter freiem Himmel eingestellt und braucht viel Licht. Damit das Pferd auch im Stall dem natürlichen Wechsel von Tag und Nacht, von hell und dunkel, folgen kann, müssen Stallfenster ausreichend groß sein. Je heller ein Stall, umso besser. Besonders für Zuchtstuten spielt Licht eine wichtige Rolle. Der Sexualzyklus wird vom Tageszyklus gesteuert. Wenn die Rosse ausgelöst werden soll, ist die Tageslänge entscheidend. Die Vitamin-D-Produktion des Pferdes durch Tageslicht ist notwendig für die gute Entwicklung der Pferdekochen.

 

-Redaktion Hafensänger-