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Kursant war mein „Once-in-a-lifetime-Pferd“ und legte die Basis zum „Goldenen“

Reutlingen.  Katharina Hageloch kann richtig schwärmen – für die Pferde im Allgemeinen und für ihre eigenen im Besonderen. Ihr Herzenspferd… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
28.11.2019 8 min lesen
Symbolbild (Foto: Pixabay)

Reutlingen.  Katharina Hageloch kann richtig schwärmen – für die Pferde im Allgemeinen und für ihre eigenen im Besonderen. Ihr Herzenspferd war dabei der Achal Tekkiner Kursant. Die Reiterin, die in Reutlingen lebt und ihre Kinder- und Jugendjahre in Pferdeställen bei Neu-Ulm verbrachte, beschreibt ihren Kursant so: „Er hatte ein unglaubliches Selbstbewusstsein und einen unglaublichen Willen. Entweder mit ihm und dann hat er alles für dich getan oder gegen ihn, dann hat er sich eher umgebracht, als auch nur eine Runde im Kreis zu laufen. Er war total verrückt, schneller als der Wind, hatte viel Vermögen und das schnellste Vorderbein, das man sich vorstellen kann. Wenn ihm beim Reiten etwas nicht gepasst hat, dann hat er sich umgedreht und mir ins Bein gebissen. Es gab keinen Weg, der lang genug war, um ihn ungebremst laufen zu lassen. Und je schwieriger die Bodenbedingungen waren, umso besser sprang er.“ Mit Kursant erlebte sie bei Turnieren nicht immer nur Erfreuliches und das hatte nichts mit seinem Vermögen zu tun: „Erfolge mit Kursant“, erzählt seine Reiterin, „waren immer ein zweischneidiges Schwert – ich habe mich natürlich immer sehr gefreut, aber auf Grund seines Aussehens und seiner Rasse habe ich tatsächlich häufig „seltsame“ Kommentare von anderen Reitern oder Richtern einstecken müssen.“ Das war weniger erfreulich. Wer so voll Hingabe von seinem Pferd spricht, dem fällt es nicht leicht, es gehen lassen zu müssen. Kursant ist mit 18 Jahren an einer Hirnblutung gestorben. Er hat seiner Reiterin aber die Basis beschert, das Goldene Reitabzeichen zu bekommen. Mit Kursant gewann sie mehrere M*- und M**-Springen und war vielfach in S-Springen platziert.

Ende 2009 bekam Katharina Hageloch mit Quidditch von Quinto de B x Rhodos wieder ein eigenes Pferd. Der Dreijährige sollte Springpferd werden, war im Parcours aber nicht der Mutigste, wie seine Reiterin erzählt. Im Laufe der Zeit besann sie sich auf ihre Mädchenzeit, zu der sie eigentlich immer mal Vielseitigkeit reiten wollte. Mit Quidditch wagte sie sich schließlich auf dieses weite Feld und – machte auch gute Erfahrungen. Trotz der Höhen und Tiefen bei der Ausbildung dieses Pferdes, vor allem im Springparcours, errang sie Platzierungen bei Vielseitigkeiten CIC** und wagte sich auch an den Start in Wettbewerben CIC***.

2015 kaufte Katharina Hageloch ein weiteres Pferd. Sie übernahm nämlich Carina Diavolo (von Cheenok/Latin Lover), die sie schon seit 2011 reiten konnte. Eigentlich habe sie das Pferd für dessen frühere Besitzer geritten, weil es sehr schwierig war: „Bis heute muss mich und Carina Diavolo immer jemand in den Parcours führen. Wenn sie dann aber drin ist, ist sie glücklich, dass kein anderes Pferd in ihrer Nähe ist und sie springen darf. Sie geht eigentlich immer „null“, wenn ich es nicht selbst versemmele“, ergänzt die Reiterin lachend. Carina Diavolo bescherte ihrer Reiterin Siege bis Klasse M** und steuerte damit auch Erfolge bei, die Voraussetzung für das Goldene Reitabzeichen sind, wenn man das, wie Katharina Hageloch, über mehrere Sparten hinweg erreichen möchte. Nach einer längeren Genesungspause startete Katharina Hageloch mit Carina Diavolo 2019 wieder durch und errang in Springen der Klasse M** und S etliche Platzierungen. „Das Pferd ist schon sehr speziell“, schildert die Reiterin: „Ausreiten ist unmöglich, fremde Menschen und andere Pferde hasst sie. Steht der Hänger bereit, ist sie nicht zu bremsen und sie galoppiert quasi freiwillig die Rampe hinauf. Als ob sie genau wüsste, dass es zum Springen geht. Und dort ist sie meist zu „null“ unterwegs. Es gäbe seitenweis Geschichten von ihr zu erzählen!“ schmunzelt die Besitzerin.

Wenn man das Goldene Reitabzeichen mit Erfolgen aus verschiedenen Disziplinen erreichen will, gehört die Dressur natürlich dazu. Mit Safari Queen, von Scolari/Donnerhall abstammend, hat Katharina Hageloch das „richtige Pferd“ dafür. Das ist durchaus ironisch gemeint, denn Safari Queen hatte zunächst jahrelang den Reiter verweigert und „alle abgebockt“, die es versucht haben. 2017 hatte die 8-jährige Stute wahrscheinlich genug gebockt, denn sie ließ sich zunächst in Klasse L und später in M*-Dressuren reiten. 2018 und 2019 waren sich Safari Queen und Katharina Hageloch aber dann doch so einig, dass sie sich an Turniere Klasse M** und S wagen konnten. Der Erfolg blieb nicht aus, denn die Platzierungen konnte sie auf das Konto für das Goldene Reitabzeichen „einzahlen“. Die Ausdauer und Geduld des Ehepaars Hageloch mit Safari Queen hat sich nach langer Anlaufzeit also gelohnt, erzählt Katharina Hageloch. „Das Pferd kam vierjährig zu uns und alles lief drei Monate gut, danach hatten wir vier Jahre lang zu tun, dass es sich konstant reiten ließ. Alles haben wir versucht, herauszufinden, wo die Probleme lagen. Dann aber kam mit acht Jahren der „Durchbruch“ und Safari Queen gab sich „super“, auch wenn sie immer noch etwas schwierig ist. Neben den genannten Pferden steht bei Katharina Hageloch noch die zehn Jahre alte Schimmelstute Cachasa, die in der Saison 2019 ihr erstes Springen in Klasse S absolvierte.

Katharina Hageloch erzählt gerne von ihren Pferden und gibt freimütig zu und auch mit einem Augenzwinkern, dass sie bei gutem Wetter lieber ausreitet, statt zu trainieren. „Und manchmal wäre etwas mehr Ehrgeiz förderlich“, sagt sie selbstkritisch. Ansonsten aber wende sie sehr viel Geduld auf mit ihren Pferden. Sie könne sich gut in deren Befindlichkeiten versetzen und suche nie die „Schuld“ beim Pferd. Dass sie sich mit schwierigen Pferden arrangieren kann, ist auch ein Zeichen dafür, dass die Reiterin keine Angst hat. Das mag daran liegen, dass sie seit ihrer Jugend mit Pferden Umgang hatte. Sogar heimlich habe sie geritten, damit ihre ältere Schwester, die auch reitet, nichts davon mitbekommen sollte. Doch das ließ sich natürlich nicht sehr lange verheimlichen. Letztlich entwickelte sich Katharina Hageloch mit Hilfe ihrer Ausbilder zu der erfolgreichen Reiterin, die sie heute ist. Auf ihrem Weg begleiteten sie insbesondere zwei Trainer: Rudolf Arnold aus Mehrstetten im Springen und Holger Schulze aus Göppingen, der aktuell den Reitbetrieb der Unteren Körschmühle in Stuttgart übernommen hat, in der Dressur. Beide Trainer sind auch heute noch an ihrer Seite. Ihr aktueller Reitverein ist der Reit- und Fahrverein Waldorfhäslach.

Schaut man die Erfolgsliste der im Sinne des Wortes vielseitigen Katharina Hageloch genauer an, finden sich ansehnliche Ergebnisse: Als Junge Reiterin erlebte sie 2000 die Baden-Württembergischen Meisterschaften in Schutterwald, wo sie mit dem Achal Tekkiner Kursant die erste S-Platzierung errang. 2009 wurde sie Meisterin der Studenten-Reiter in der Dressur, was sie als ganz tolles Erlebnis in Erinnerung behielt, auch deshalb, weil „bei den Studentenreitern kein Konkurrenzkampf herrscht. Der eigentliche Individualsport Reiten wird auf einmal zum Teamsport. Alle fiebern, feiern und freuen sich mit. Keiner nimmt sich zu ernst.“ Bescheiden kommentiert sie indes ihre Erfolge: „Ich habe nicht wirklich Titel oder Rekorde errungen, ich freue mich aber über jede einzelne Platzierung immer sehr, weil sie der Beweis dafür sind, dass ich mit meinen Pferden auf dem richtigen Weg bin. Quidditch, Cachasa, Safari Queen und deren Sohn Londolosi habe ich selbst ausgebildet und Carina Diavolo war zunächst ein sehr unkooperatives und zickiges Pferd, was sich nun allerdings weitgehend gelegt hat. Und so überwiegt für mich die Freude an der Arbeit mit meinen Pferden.“

Sportliche Ziele hat Katharina Hageloch indes weiterhin. Sie will mit ihren Pferden im Springen weiter in der schweren Klasse Fuß fassen und auch in der Dressur vorankommen. Die Vielseitigkeit mache ihr am meisten Spaß und „hier habe ich auch die größten Ziele“ und würde gerne in der schweren Klasse starten. Vielleicht kommt für diese Disziplin irgendwann noch ein Nachwuchspferd dazu, denn mit „Quiddy“ habe ich zwar ein Pferd für den „Busch“, jedoch nicht für die Ansprüche der schweren Klasse. Und ich werde ihn nicht zwingen, etwas zu machen, wovor er sich fürchtet, auch wenn ich weiß, dass er das Zeug dazu hätte.“ Und Vorbilder gibt es natürlich auch für Katharina Hageloch, z.B. Ingrid Klimke aus Münster, „weil sie bei fairem Pferdeumgang in allen Sätteln erfolgreich ist und ich durch unsere Freundschaft ihre Reiterei, ihren Umgang mit den Pferden sowie ihre Philosophie schon mehrmals unmittelbar erlebt habe.“ Prinzipiell findet sie alle Reiter toll, die mit feinen Hilfen reiten und das Individuum Pferd „spüren“. So machen es ihrer Ansicht nach etwa Marcus Ehning aus Borken im Springen, Jessica von Bredow-Werndl aus Aubenhausen in der Dressur, der Schweizer Steve Guerdat im Springsattel und nicht zuletzt auch der britische Vielseitigkeitsreiter William Fox-Pitt.

 

Das Familienleben von Katharina und Rainer Hageloch ist von den Pferden geprägt. Das gemeinsame Hobby ist für Rainer Hageloch neben seinem Berufsleben als Vorstand der AER Kooperation AG eine willkommene Abwechslung. Besonders am Wochenende genieße er das Reiten oder den Besuch von Vielseitigkeitsturnieren. „Dabei ist er bedeutend ehrgeiziger als ich“, plaudert seine Frau aus dem Nähkästchen, „obwohl er selbst keine Turniere reitet.“ Für die Mitarbeiter der Hagelochschen Firma „Pferdesafari“ gilt auch, dass sie sich für Pferde interessieren, organisieren sie doch für Reiter und Pferdemenschen Reiterreisen, von denen sie selbst etwas verstehen sollen. Weil das berufliche Umfeld also stimmt, „kann ich auch schon mal am Donnerstag aufs Turnier düsen.“ Dafür sei sie im Gegenzug immer für die Mitarbeiter erreichbar, auch im eigenen Urlaub.

 

Pferde sind Katharina Hagelochs Leben. Sie ist fasziniert von ihrem sanften Wesen, von ihrer Kraft, ihrer Schnelligkeit, von ihrer Eleganz und ihrem Springvermögen. Jedes Pferd habe seinen ganz speziellen Charakter und „das bringt mich sehr oft auch zum Lachen.“ Beglückend sei für sie, dass Pferde mit den „unverständigen Menschen“ auch Geduld haben. Pferde hätten den Wunsch, ‚“uns zu gefallen und alles richtig zu machen!“ Bei dem Gedanken an ihre Pferde lässt die ausgebildete Pferdewirtin und studierte Betriebswirtin mit eigener Firma „Pferdesafari GmbH in Reutlingen“ in ihre Seele blicken, wenn sie sagt: „Es fasziniert mich, dass man es als Mensch schaffen kann, den Pferden sehr nahe zu kommen, ja auf eine Art und Weise eines von ihnen zu werden. Es ist wunderbar, dass sie sich freuen, wenn wir kommen, dass sie uns auf der Koppel entgegengelaufen, nicht weil wir Futter dabei haben, sondern weil sie zu uns möchten.“

 

Und eben diesen tollen Pferden hat Katharina Hageloch ihr Goldenes Reitabzeichen zu verdanken, das sie „disziplinübergreifend erworben“ hat, was in dieser Form eher selten ist. Das Goldene Reitabzeichen indes ist die höchste Auszeichnung für sportliche Leistungen, die ein Pferdefreund außerhalb von Meisterschaften und Championaten bekommen kann. Das „Goldene“ ist also im Sinne des Wortes einmalig, denn es wird auch nur ein einziges Mal im Leben eines Pferdesportlers von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung „verliehen“. Das ist dann ein ganz besonderer Anlass zum Feiern mit Familie, Freunden und auch den Konkurrenten. Die Feier für Katharina Hageloch fand also in einem ganz besonderen Rahmen statt: Am 13. November 2019 durfte sie in die Arena des internationalen Turniers Stuttgart German Masters einreiten. Ihr Mann, so sagte sie dem PRESSEDIENST, habe das eingefädelt und sie mit diesem Erlebnis überrascht. Dort also, vor großer Kulisse, wurde ihr das Goldene Reitabzeichen feierlich ans Revers ihrer Turnierjacke geheftet. Einen größeren Moment in ihrem Reiterleben kann sich Katharina Hageloch sicher nicht vorstellen.

-Martin Stellberger-

Pressemitteilung des Pferdesportverband Baden-Württemberg e.V.

 

Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson