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Extreme Trail in Boklund (Schleswig-Holstein)

Über Schwebebalken und Hängebrücke In Boklund, Kreis Rendsburg-Eckernförde, liegt die Westernreitanlage Roger’s Area von Nicola und Roger Rahn. Auf dem weitläufigen Gelände entdeckt man… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
03.06.2017 3 min lesen

Über Schwebebalken und Hängebrücke

In Boklund, Kreis Rendsburg-Eckernförde, liegt die Westernreitanlage Roger’s Area von Nicola und Roger Rahn. Auf dem weitläufigen Gelände entdeckt man neben einer Reithalle und einem Außenreitplatz auch einen sogenannten Extreme-Trail-Parcours – eine Art Abenteuerspielplatz für Pferde. Zahlreiche Naturhindernisse bieten Herausforderungen und fördern das Vertrauen und die Teamarbeit zwischen Pferd und Reiter.

 

Das Konzept des Extreme Trail, ursprünglich „Ranch Trail“ genannt, stammt aus den USA. Der Dachverband, der unter anderem das Regelwerk festlegt, heißt „1st European Extreme Trail Association“ (Eeta). Zahlreiche Naturhindernisse wie Brücken, Gräben und Baumstämme auf einem umzäunten Gelände werden vom Boden oder vom Sattel aus bewältigt. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, das Pferd über die Hindernisse zu dirigieren, vielmehr soll es sie von sich aus ansteuern und in einem gleichmäßigen Tempo überwinden. Die Rahns entdeckten die neue Disziplin bei einem ihrer zahlreichen Amerikaaufenthalte. Seit fünf Jahren ist ein spezieller Extreme-Trail-Park, der ständig weiterentwickelt wird, Teil der Westernreitanlage in Boklund. „Extreme Trail bietet den Pferden sehr viel Abwechslung vom alltäglichen Training auf dem Platz – zum Beispiel auch unseren Schulpferden, die sonst immer brav die Anfänger durch die ersten Stunden tragen. Die Arbeit in dem Parcours lastet sie auch geistig aus“, so Nicola Rahn.
Die Hindernisse werden zunächst vom Boden aus erkundet. Diese Vorgehensweise birgt den Vorteil, dass die Pferde nicht durch einen verkrampften Reiter verunsichert werden und dessen Angst spüren, weiß Nicola Rahn: „Man selber denkt vor dem ersten Betreten des S Schwebebalkens vielleicht: ‚Ob das gut geht? Ob mein Pferd das überhaupt schafft?’ Das überträgt sich direkt auf das Pferd, weil man unbewusst verkrampft und das Pferd durch ungewollte Gewichtsverlagerungen und Zügeleinwirkungen beeinflusst.“ Schnell folgen die ersten positiven Schlüsselerlebnisse, denn das eigene Pferd schafft mehr, als man denkt.

 

Besonders ängstliche oder hektische Pferde profitieren von der Arbeit in dem Extreme-Trail-Parcours. Sie wachsen an den Herausforderungen, gewinnen an Selbstvertrauen und Trittsicherheit. Extreme Trail eignet sich auch für Pferde mit Verladeproblemen. „Das Führen durch enge Gassen, über verschiedene Untergründe und Brücken macht die Pferde gelassener, und sie sind viel entspannter, als wenn sie direkt mit dem Hänger konfrontiert werden.“
Der Extreme-Trail-Park wird auch von den Einstellern der Westernreitanlage zum Beritt oder zur Korrektur genutzt. Wichtig ist den Betreibern, dass die Einsteller nicht unvorbereitet in den Parcours gehen. „Wir machen immer eine Einführungsstunde, in der wir die Hindernisse und ihre vier verschiedenen Schwierigkeitsstufen genau erklären. Von ‚leicht’ bis ‚schwer’ ist für jeden was dabei“, erklärt die begeisterte Westernreiterin. Wer die Hindernisse mit seinem Pferd vom Boden aus sicher bewältigen kann, steigt schließlich in den Sattel. Der Perspektivwechsel bietet neue Herausforderungen, aber auch erneute Schlüsselerlebnisse. Bei der Gestaltung der Hindernissen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – einzige Voraussetzung ist, dass sie aus natürlichem Material bestehen. Plastikplanen oder Autoreifen sucht man vergeblich. Baumstämme oder Felsen sind besonders beliebt, um die Trittsicherheit der Pferde zu fördern. „Wichtig ist auf jeden Fall eine Hängebrücke, die sich in alle Richtungen bewegt, wenn das Pferd sie betritt“, erklärt Nicola Rahn.

Ab auf den Schwebebalken – am Anfang eine ganz schöne Herausforderung. (Foto: Andrea Baumgarten)

Auch ein Schwebebalken mit einer Länge von sechs bis acht Metern in Kniehöhe und etwa 50 cm Breite sollte zu finden sein. Im Kontrast dazu steht eine ausgehobene Grube. So lernt das Pferd verschiedene Ebenen kennen und zwischen ihnen zu wechseln. „Und natürlich darf ein Wasserhindernis nicht fehlen.“ Der Extreme-Trail-Parcours hilft auch dabei, Reiterfehler aufzudecken. „Ich lasse meine Reitschüler gerne Hinterhandwendungen auf der sogenannten ‚Two Step’, einer kleinen Palette, machen. Man merkt ja auf dem Reitplatz nicht, wenn mal ein Schritt danebengeht– die Palette aber enthüllt diesen Fehler sofort“, verrät Nicola Rahn. Im Rahmen der Hansepferd Hamburg vom 22. bis 24. April werden Nicola und Roger Rahn dem Publikum mit vielen Demonstrationen Einblicke in die abwechslungsreiche Disziplin des Extreme Trail gewähren. Weitere Informationen unter: www.rogers-area.de
Stina Berghaus

Dieser Text wurde von der Agentur Hafensänger verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.