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Deutsche HKM-Quadrillen-Championate: RSV St. Hubertus Wesel-Obrighoven verteidigt Titel

Reitstall Smidt aus Bingum/Leer gewinnt Themen-Quadrillen Hörstel-Riesenbeck (fn-press). Wenn es ein Synonym für das Quadrillenreiten gibt, dann ist es der… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
24.09.2019 4 min lesen
Symbolbild Dressur (Foto: Stefan Lafrentz)

Reitstall Smidt aus Bingum/Leer gewinnt Themen-Quadrillen

Hörstel-Riesenbeck (fn-press). Wenn es ein Synonym für das Quadrillenreiten gibt, dann ist es der Reitsportverein St. Hubertus Wesel-Obrighoven. Mit seinem Großpferdeteam haben die Rheinländer ihren Titel bei den Deutschen HKM-Quadrillen-Championate in der Kategorie Klassische Quadrille verteidigt. Bei den Themen-Quadrillen setzte sich Team II vom Reitstall Smidt aus Bingum/Leer durch. Erstmals fanden die HKM-Quadrillen-Championate in Hörstel-Riesenbeck statt, im Rahmen der dritten Deutschen Amateurmeisterschaften.

Die Rheinländer bleiben das Maß aller Dinge im Quadrillenreiten. Seit 1987 gibt es die Quadrillen-Championate, seit 1997 ist der RSV St. Hubertus Wesel-Obrighoven immer dabei. 17 Mal holte der Verein den Titel – manchmal, wie letztes Jahr, als Doppelsieger in beiden Kategorien. Kopf des Ganzen ist Helmi Abeck. Die Mannschaftsführerin vom RSV St. Hubertus Wesel-Obrighoven denkt sich seit Jahrzehnten eindrucksvolle Hufschlagfiguren und Choreografien aus. Fast immer bekommt sie zwei Quadrillen-Teams zusammen – immerhin werden die Quadrillen auf A-Niveau geritten. Auch diesmal konnte Helmi Abeck wieder zwei Achter-Quadrillen stellen. Allerdings starteten die Rheinländer in diesem Jahr nur in der Kategorie Klassisch, die im schwarz-weißen Turnieroutfit geritten wird. Den Titel gewann das rheinische Großpferde-Team bestehend aus Elisa Abeck mit Cambion, Clara Sophie Abeck mit Christina, Kristin Buchmann mit Laurino, Dorothea Erlebach mit Shakiro, Kirstin Maiwald mit Cadeau Noir, Wibke Orth mit Luz Crusados, Kira Stegemann mit Campione und Kiara Szymkowiak mit Linus. Alle Pferde gehörten übrigens auch 2018 zum Siegerteam. „Das war Quadrillenreiten auf höchstem Niveau. Acht gut sitzende Reiterinnen, die ihre Pferde immer an den Hilfen hatten. Eine sehr schwungvoll angelegte Quadrille mit hochwertigen Lektionen sehr korrekt ausgeführt“, lobte Richter Harry Lorenz und gab mit seiner Kollegin Katja Westendarp Note 9,0 für die Ausführung und 9,6 für die künstlerische Gestaltung. Mit 18,6 Punkten bedeutete das den Sieg. Aber auch der Nachwuchs ist schon wieder vorbereitet. Mit dem achtköpfigen Ponyteam wurden die Rheinländer Vierte der insgesamt zehn Mannschaften in der Klassisch-Kategorie (16,6 Punkte). Den Vizetitel holte sich die Achter-Quadrille des Kreises Gütersloh unter Leitung von Anna Neuhaus (17,2). Auch die drittbeste Quadrille bot acht Reiter auf: Team II vom Reitstall Smidt (17,2).

Und diese acht standen dann am nächsten Tag ganz oben auf dem Treppchen. „Alice im Wunderland“ war das Motto der Quadrille, mit dem Mannschaftsführerin Alice Smidt und Team II ihres Reitstalles Publikum und Richter begeisterten. Mit 17,6 Punkten gewannen sie die Kategorie Themen-Quadrille. In aufwändiger Kostümierung zauberten Sophie Beigel mit Kanto, Frauke Graalman mit Bella Cavalla, Nona Heikens mit Luxor B, Sven Klock mit Stella, Sina Krüger mit Columbo, Michaela Lehninger mit Sambina La Bonita, Hanna Ligmann mit Euro´s Comet und Merle Rosenberger mit Captain Chaos Publikum eindrucksvoll und präzise eine phantasievolle Choreografie in den Sand. „Ein ganz großes Kompliment. Wir haben hier gerade eine Quadrille mit hohem Unterhaltungswert gesehen. Die Elemente waren wie an einer Schnur gezogen, wirklich gut aufeinander abgestimmt. Das Ganze mit sehr rittigen Pferden und Ponys“, so das Urteil des Richterduos Lorenz-Westendarp. Der Vize-Titel ging an die Sechser-Quadrille vom Reit- und Fahrverein Germania Marne (16,5) aus Schleswig-Holstein, der mit Mannschaftsführerin Susanne Vollmert musikalisch und optisch seine Nähe zur Nordsee aufgriff. Dritte wurde das Team vom Kreisreiterverband Lippstadt, ebenfalls eine Sechser-Quadrille (16,3). Sie präsentierten das Thema „König der Löwen“ und trugen damit einen anderen Sieg heim. Die Westfalen gewannen den Sonderpreis für das beste Kostüm. Aber nicht nur die Reiter wurden zu Elefant, Giraffe oder Zebra. Auch die Pferde waren perfekt bemalt. Insgesamt sieben Quadrillen kämpften um den Titel in der Kategorie Themen.

„Es ist erstaunlich, was da an Leistungen gebracht wurde“, sagte Gisela Hinnemann, Mitglied im Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Wir haben wunderbare Figuren gesehen. Es ist immer wieder faszinierend, welche teilweise hochkomplexen Figuren erfunden und wie synchron diese geritten wurden.“ Hinnemann hob den Mannschaftsgeist hervor, der dieses erst möglich macht, denn im Hintergrund sind über Reiter und Mannschaftsführer hinaus viele Helfer und Unterstützer im Einsatz. Ein fester Unterstützer seit Jahren auch Reitsportausrüster HKM Sports Equipement, der sich als Sponsor besonders dem Breitensport widmet. Der Dank Gisela Hinnemanns ging zudem an den Veranstalter Riesenbeck International, der das Quadrillen-Championat in die Deutschen Amateurmeisterschaften einbettete.

Gewertet wird beim Quadrillenreiten wie folgt: Die Gesamtnote setzt sich aus der A- und der B-Note zusammen. Steht bei der A-Note der reiterliche Wert im Vordergrund, so ist die B-Note quasi der künstlerische Wert der Darbietung. Bewertet werden hier neben Gehorsam, Losgelassenheit und Durchlässigkeit der Pferde, Sitz und Einwirkung der Reiter sowie Harmonie, Herausgebrachtsein und Zusammenpassen von Reitern und Pferden, die Choreografie der Quadrille. Das sind der inhaltliche Ideenreichtum, die Raumausnutzung des Vierecks, die Linienführung und die Übereinstimmung der Bewegungsabläufe mit der Musik. Hinzu kommt der Gesamteindruck: die musikalische Untermalung und die disziplinspezifische Leistung. Bei der A-Note bewerten die Richter die drei Grundgangarten inklusive der Ausführung der Pflichtlektionen der auf A-Niveau gerittenen Quadrillen, Sitz und Hilfengebung der Reiter sowie das Gerittensein der Pferde – also Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Durchlässigkeit, Gehorsam.

Die Deutschen Quadrillenchampionate werden seit 1987 jährlich ausgetragen. Die Kategorie „Klassische Quadrille“ ist ganz traditionell ausgeschrieben. Das heißt, ein Team besteht aus vier bis acht Reitern, die Kleidung ist klassisch schwarz-weiß und die Musik passend zu den Gangarten und zur Bewegung der Pferde zu wählen. Anders in der Kategorie „Themen-Quadrille“: Die Vorführung kann unter ein durchgängiges Musikmotto gestellt werden, das durch Kostüme zusätzlich unterstrichen wird. Beide Quadrillen-Wettbewerbe werden auf A-Niveau geritten, Vorqualifikationen sind nicht erforderlich. Alle Infos rund um das Deutsche HKM-Quadrillen-Championat unter www.pferd-aktuell.de/quadrillenchampionat. Alle Quadrillen sehen kann man in der Mediathek von www.clipmyhorse.tv.

Ergebnis „Klassische Quadrille“
1. St. Hubertus Wesel-Obrighoven II; 16,8 Punkte
2. Kreisquadrille Gütersloh, 18,6
3. Reitstall Smidt II; 17,0
4. St. Hubertus Wesel-Obrighoven I; 16,6
5. KRV Lippstadt; 15,4
6. RuFV Germania Marne; 15,2
6. RuFV Lingen; 15,2
8. Reitstall Smidt I; 14,6
9. Team PSV Bremen; 14,0
10. ZFRV Riesenbeck; 13,9

Ergebnis „Themen-Quadrille“
1. Reitstall Smidt II; 17,6
2. RuFV Germania Marne; 16,5
3. KRV Lippstadt; 16,3
4. RuFV Lingen; 16,2
5. RC Gut Waldhof; 16,0
6. Team PSV Bremen; 15,7
7. Reitstall Smidt I; 15,2

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