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Interviews, Veranstaltung

TOP-Starterfeld beim GROSSER PREIS VON SACHSEN // 25. – 27. Oktober 2019 | Messe Chemnitz

Vom 25. bis 27. Oktober 2019 dreht sich in der Messe Chemnitz wieder alles rund ums Pferd. Das Hallenreitsportevent geht… Artikel lesen

Marike Weber
19.10.2019 4 min lesen
THIEME Andre (GER), Aretino Paderborn – OWL Challenge 5. Etappe BEMER Riders Tour 2019 Großer Preis von Paderborn (CSI3*) Springprüfung mit 2 Umläufen, international BEMER Riders Tour, Wertungsprüfung 5. Etappe 15. September 2019 © www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Vom 25. bis 27. Oktober 2019 dreht sich in der Messe Chemnitz wieder alles rund ums Pferd. Das Hallenreitsportevent geht in Chemnitz in die siebte Runde und zeigt in seinem 17. Jahr die Facetten des Pferdesports in einem abwechslungsreichen Turnierprogramm.

In insgesamt 17 Prüfungen stellen sich die Reiter dem sportlichen Wettkampf. Rund 150 Reiter mit über 350 Pferden aus acht Nationen (Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz Argentinien, USA, Bulgarien und Tschechien) haben genannt. Hochkarätiger Sport ist vorprogrammiert, denn unter den Startern sind international erfolgreiche Reiter wie Vorjahressieger Andrè Thieme und der Sieger von 2017, Toni Haßmann sowie Bruder Felix Haßmann werden beim Großen Preis von Sachsen 2019 wieder an den Start gehen. Ihr Kommen zugesagt haben ebenfalls Clarissa Crotta, Nisse Lüneburg sowie die Schwestern Mylene Diederichsmeier, Deutsche Meisterin von 2002, und Mynou, die amtierende Deutsche Meisterin von 2019. Auch wieder beim Turnier starten werden die DKB-Team-Athleten: der erfolgreiche Springreiter Holger Wulschner sowie die Nachwuchstalente Andreas Kreuzer und David Will. Mit Nisse Lüneburg und David Will kommen die beiden Führenden der Riders Tour nach 5 Etappen nach Chemnitz.

Alle Infos zum Tunier unter www.grosser-preis-von-sachsen.de

 + + + Interview mit Vorjahressieger André Thieme + + +

HEIMLICHE LIEBE FUSSBALL „ICH MUSSTE MICH ENTSCHEIDEN.“

Er hat als einer der Wenigen das Glück, Hobby und Sport als Beruf ausüben zu können. Doch für André Thieme war es eine Entscheidung zwischen Ledersattel und rundem Leder. In einem Interview haben wir nachgefragt, wie es hinter den Kulissen eines Berufsreiters aussieht – ein kleiner Ausritt in private Gefilde.

Als Sohn eines Obersattelmeisters und einer Pferdewirtin wurden Ihnen die Begeisterung für den Reitsport mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Mit wieviel Jahren haben Sie mit Reiten begonnen?
Mit 6 Jahren war das Voltigieren mein Einstieg in den Pferdesport. Ich habe es gehasst. Aber mit 12 Jahren habe ich dann an Turnieren für Spring- und Dressurreiten teilgenommen. Dem galt meine Leidenschaft.

Also wollten Sie von Anfang an Berufsreiter werden?
Nein, eigentlich wollte ich immer Fußballer werden. Doch mein Vater und Rolf Günther hatten auf mich großen Einfluss und haben mir ans Herz gelegt, die Ausbildung zum Berufsreiter zu machen. Mit dieser Entscheidung hat sich natürlich der Traum von einer Fußballerkarriere zerschlagen. Heute bin ich für diesen Wegweiser dankbar. Ich kann mir für mich keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Solange mein Rücken hält, werde ich weiter auf dem Pferd sitzen.

Ist der Fußball trotzdem noch eine heimliche Liebe?
Klar, sogar ein offenes Geheimnis. So oft ich kann, spiele ich in meinem Verein des Lübzer SV. Allerdings mittlerweile bei den alten Herren und nur dann, wenn ich mir etwas von der Familienzeit abknipsen kann.

Die Familienzeit hat demnach Vorrang?
Oh ja. Da ich nur wenig Zuhause bin, ist die Zeit mit meiner Frau und den Kindern sehr kostbar. Wir haben sogar eine Urlaubsregel: in einem sehr großen Umfeld keine Pferde.

Apropos Kinder: Es muss ja deren Traum schlechthin sein, mit Pferden aufzuwachsen. Werden sie in Ihre Fußstapfen treten?
Meine Tochter, ist, wie wahrscheinlich jedes Mädchen von fast 3 Jahren, verliebt in Pferde. Da wird man sehen, wie sich diese Liebe entwickeln wird. Mein Sohn distanziert sich allerdings ganz klar vom Pferdesport. Frühzeitig hat er den Druck, der hinter dem Pferdesport steht, miterlebt und möchte auch nicht mit seinem Papa verglichen werden. Er ist Handballer mit Leib und Seele.

Was sehen Ihre frühesten Erinnerungen mit Pferden aus?
Ich war abwechselnd Cowboy und Indianer. Mit ein paar anderen Jungs aus dem Wohngebiet sind wir oft zum benachbarten, größeres Gestüt gegangen. Mit den Shetlandponys durften wir durch den Park reiten.

Waren Ihre großen Vorbilder Winnetou und Old Shatterhand?
Nein. Mich haben schon immer Menschen fasziniert, die besser als andere waren. Zum Beispiel Roger Federer, Dirk Nowitzki oder Michael Schumacher. Doch meine ganz großen Vorbilder waren ganz klar mein Vater und Rolf Günther.

Letztes Jahr waren Sie Sieger beim Großen Preis von Sachsen in der Klasse S***. Werden Sie in dieser Klasse wieder mit Ihrem Wallach Aretino antreten?
Das kann ich aus heutiger Sicht noch nicht sagen. Da muss man schauen, welches Pferd am meisten in Form ist. Die Tendenz für ein Pferd kristallisiert sich erst drei bis vier Wochen vor dem Turnier heraus.

Glauben Sie eigentlich ein Pferd spürt, wenn es mit dem Reiter einen Sieg errungen hat?
Auf jeden Fall zu 100%. Ein Pferd wird zur echten Rampensau und spürt ganz genau, dass es etwas Bemerkenswertes und Großes geleistet haben. Insbesondere auch deshalb, weil erfahrene Turnierpferde von den Pflegern wie Diven behandelt werden. Es werden sämtliche Wünsche erfüllt. Daran merkt man auch, was für eine intensive Beziehung zwischen Reiter, Pfleger und Pferd besteht. Die Top-Pferde dürfen sich im Stall viel rausnehmen, zum Beispiel ihr Futter zuerst einfordern. Die anderen Pferde spüren natürlich die Bevorzugung und Buhlen dann um die Aufmerksamkeit.

Wo werden ihre Pferde Sie dieses Jahr hoch zu Ross tragen?
Die Turniersaison beginnt immer zu Jahresbeginn sechs Wochen in Florida. Dort entscheidet sich, für welche Nationalmannschaftseinsätze ich vom Bundestrainer nominiert werde. Meine drei großen Säulen für 2019 sind das Hamburger Derby, CHIO Aachen und die Deutschen Meisterschaft in Balve. Und natürlich bin ich beim Großen Preis von Sachsen dabei und versuche meinen Titel zu verteidigen.  Das dies noch nie jemanden gelungen ist, wird das sicher besonders schwer, aber ich freue mich auf Chemnitz.

(Interview/Text: Romy Beier)

 

 

PM

Marike Weber

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)