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Katja Schnabel – Das neue Gesicht bei den Pferdeprofis

Das Interesse für Pferde war schon immer vorhanden, doch die Leidenschaft für Pferde wurde mit ihrem ersten eigenen Pferd im… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
06.03.2019 9 min lesen
Pferdeprofi Katja Schnabel [Foto: TVNOW / Sebastian Pfütze]

Das Interesse für Pferde war schon immer vorhanden, doch die Leidenschaft für Pferde wurde mit ihrem ersten eigenen Pferd im Alter von neun Jahren entfacht. So merkte Katja Schnabel schnell, durch Vorbilder wie Monty Roberts, Linda Tellington Jones und Pat Parelli, dass ihr Steckenpferd die Bodenarbeit ist.
Eins wurde der jungen Katja Schnabel schnell klar, ihr berufliches Ziel wird mit Pferden zu tun haben – so machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf!
Nach dem Abitur absolvierte sie erfolgreich Ihr Studium im Bereich Pferdewissenschaften an der Tiermedizinischen Universität in Wien.
Dort lernte sie auch ihr erstes schwieriges Pferd kennen, welches sie zum Schluss auch mitnahm und ihr Herzenspferd wurde.
Mit diesem Pferd wurde der Wunsch geboren sich Problempferden zu stellen, sich mit schwierigen und unverstandenen Pferden und deren Menschen zu beschäftigen.

Andere Methoden

Gerade bei sogenannten Problempferden muss man sich anders voran wagen. So sucht man andere Hilfsmittel und entwickelt andere Methoden um den Zugang zu dem Pferd zu bekommen. Das war wohl auch der Antrieb für Katja Schnabel so viel über Pferde zu lernen, sich immer neue Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen.
Sie ging ein Jahr nach Andalusien und arbeitete auf einem Gestüt, wo sie hauptsächlich Jungpferde ausbildete. Dort erweiterte sie auch ihre Kenntnisse in der klassischen Reiterei und assistierte dem Tierarzt bei der täglichen Arbeit in der Zuchtsaison. Hier kam ihr die abgeschlossene Ausbildung als Besamungswart im Land- und Hauptgestüt Neustadt Dosse zugute.

 

Pferdeprofi Katja Schnabel [Foto: TVNOW / Sebastian Pfütze]

Weiterbildung in jede Pferde-Richtung

Später absolvierte Katja Schnabel eine Ausbildung für Osteopathie und Physiotherapie für Pferde, qualifizierte sich zur Ausbilderin für den Beruf des Pferdewirts und übernahm für vier Jahre die Leitung eines Reit-und Zuchtbetriebes in Brandenburg.
In dieser Zeit ergriff sie jede Chance sich weiterzubilden und ihr wurde immer wieder bestätigt, dass sie ihre Aufgabe darin sah, Pferd und Mensch beim Aufbau einer vertrauensvollen Kommunikation anzuleiten, zu unterstützen und ihre erlernten Methoden in Kombination anzuwenden. Hierbei lag ihr Fokus immer auf der Bodenarbeit, da sie hier die Grundlage für das Reiten und die Beziehung zum Pferd sieht.

Mobile Hilfe

Für Katja Schnabel war es nur eine Frage der Zeit, dass sie sich als mobile Pferdetrainerin selbstständig gemacht hat. Ihr Motto ist: „Ich biete Fachkompetenz, Herz, Gefühl und Empathie aus einer Hand für das großartige Lebewesen Pferd.“

 

 

 

 

Die Pferdeprofin

Somit ist es nicht verwunderlich, dass Katja Schnabel das neue Gesicht von der Vox-Reihe „Die Pferdeprofis“ ist und an der Seite von Bernd Hackl wieder vielen Pferden mit ihren Menschen helfen wird.

Wir von horseweb durften der „Neuen“ einige Fragen stellen:

 

Wie kam es dazu, dass du Pferde zu deinem Beruf gemacht hast und seit wann arbeitest du schon mit Pferden?

Katja Schnabel: „Als mein erstes eigenes Pferd, der weiße Hengst „Carino“, geboren wurde, nahm mein Schicksal, wie ich es oft schmunzelnd nenne,  seinen Lauf. Die Stute meines Vaters bekam ihr Fohlen. Direkt hintern unserem Haus. Wo unsere Pferde lebten. Davor habe ich natürlich schon seine Mutter gepflegt, versorgt und geritten. Aber so richtig los ging es dann als „Carino“ in mein Leben trat. Damals war ich gerade mal neun Jahre alt. Also ist das alles schon ziemlich lange her. Damals wusste ich aber noch lange nicht, dass ich das mal beruflich machen möchte.
Seitdem begleiteten die Pferde mein Leben: Während der Schulzeit, während meiner Leistungssportkarriere und auch während meines ersten Studiums. Ich wollte eigentlich etwas mit Sprachen machen, da ich fremde Kulturen und Ländern mega spannend fand und Sprachen lernen mir schon immer sehr leicht fiel.  Aber ich merkte schnell, nein, das ist doch irgendwie nichts für mich. Ich will etwas mit Tieren machen. So  überlegte ich hin und her. Tierarzthelferin, Tierärztin, Tierheilpraktiker, Tierphysiotherapeutin… und dann entdeckte ich zum Glück das Angebot in Wien. An der Veterinärmedizinischen Universität gibt es den Studiengang „Pferdewissenschaften“. Der Andrang war enorm. Aufgenommen werden bloß 50 Teilnehmer.  Es war erst das zweite Jahr dieses Studienganges. Ich bestand alle Tests und durfte anfangen. Also zog ich nach Wien und machte dort meine Bachelor.

Nach meinem Studium und einem einjährigen Auslandsaufenthalt sowie diverser Praktika, nahm ich meinen ersten richtigen Job an. Als Leiterin eines kleinen Gestüts mit Reitschule, Pferdeausbildung und Verkauf, Urlaubsmöglichkeit, Pensionspferdehaltung und, und, und. Ich durfte damals unendlich viel lernen. Deshalb war es eine weitere wichtige Station auf meinem Weg in die Selbstständigkeit. Mehr und mehr reifte der Wunsch in mir mich nur noch der Pferdeausbildung zu widmen und Besitzerin mit ihren Pferden zu helfen. Und das mach ich bis heute, , wie ihr ja nun wisst 🙂 “

Wie fängst du an, wenn du neu mit einem Pferd arbeitest?

Katja Schnabel: „Als allererstes möchte ich mit dem Pferd in Kommunikation treten und somit eine Bekanntschaft und im besten Falle natürlich eine Freundschaft aufbauen. Denn wenn ich einfach mit der eigentlichen Arbeit beginne, finde ich das dem Tier gegenüber unfair. Schließlich bin ich  eine Wildfremde für sie. Ich will nicht einfach der Befehlshaber sein und das Pferd ist der Ausführende. Ich möchte eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd erarbeiten. Das ist ganz klar das Ziel meines Trainings. Das ist einfach am schönsten und fühlt sich für mich am besten an.
Deshalb starte ich am Boden. Am liebsten in der Freiarbeit.  Das Pferd und ich lernen uns ganz entspannt kennen. Außerdem kann es die neue Umgebung entdecken. Übrigens ein ganz wichtiges Thema, wenn ein  Pferd zu mir ins Trainingscamp geschickt wird! So kann das Pferd sich entspannen und in Ruhe ankommen. Denn nur ein entspanntes Fluchttier kann zuhören, kann sich auf die Arbeit mit dem Menschen einlassen und kann lernen! Ganz wichtig.  Nur dann habe ich seine Bereitschaft. Alles klappt viel, viel leichter und ich komme auch schneller ans gewünschte Ziel. UND ES MACHT SPASS. Und zwar beiden.

Wie baust du das Vertrauen zu den Pferden auf? Vielleicht hast du ja einen Tipp, worauf man achten sollte.

Katja Schnabel: „Ein Pferd fängt an dir zu vertrauen, wenn es merkt dass ich IHM auch zu höre! Der Mensch muss lernen, nicht nur dem Pferd zu sagen, was es machen soll. Sondern auch mal Dinge vom Pferd anzunehmen, die es dir anbietet. Ihr werdet staunen, wieviel das Pferd versucht in Kontakt zu treten. Und damit meine ich nicht nur, es möchte dir leicht ins Gesicht prusten, um dir zu sagen, dass es dich mag. Des Weiteren ist es natürlich ganz, ganz wichtig, dass du einem Flucht- und Herdentier mit einer festen Rangordnung im Leben, ganz klar sagst, wo es lang geht. Du musste dem Pferd  vermitteln (und eben nicht SAGEN) was du von ihm möchtest und was es machen soll. Du übernimmst die Führung. Nicht das Pferd. Aber klar, fair und mit Respekt  und OHNE Emotionen (Größte Baustelle von uns Menschen. Wir können das nämlich kaum. Es sind immer Gefühle, Empfindlichkeiten und Persönlichkeiten im Spiel. ) und das macht den Umgang mit diesem Wesen so schwer.“

Was erhoffst du dir von deiner Zeit bei den Pferdeprofis?

Katja Schnabel: „Ich erhoffe mir eigentlich gar nichts. Ihr müsst wissen, dass ich dort auch einfach nur meinen Job mache, meine Leidenschaft ausführe, und zwar so wie bisher in den vergangenen Jahren auch. Einziger Unterschied, man schaut mir nun dabei gaaaaaaanz genau auf die Finger. Und viele, viele Menschen können sich das nun ansehen. Das ist das Einzige, was mich so wahnsinnig fasziniert. Dass meine Arbeit nun von sooooo viel mehr Menschen gesehen werden kann. Das hätte ich mir niemals erträumen lassen können. Irre! Und so kann ich vielleicht viel mehr Menschen mit kleinen Tipps und Tricks weiterhelfen. Das ist doch großartig.“

Was ist dein Ziel für die Zukunft?

Katja Schnabel: „Puuuuh, mmh, mein Ziel. Meine bisherigen Ziele wurden ja mit diesem Glücksgriff eh übertroffen.
Hauptsächlich möchte ich so lange wie möglich Spaß bei der Arbeit mit den Pferden haben und in der Lage sein, diese Pferdearbeit so lang wie möglich körperlich ausführen zu können. Also unverletzt und gesund zu bleiben. Ja, das wünsch ich mir.  Für die absolut perfekte Zukunft fehlt im Moment nur noch der eigene kleine Vierseitenhof in Brandenburg, wo Pferde und Menschen eine schöne und lehrreiche Zeit verbringen können.“

Hattest du als Kind ein eigenes Pferd? Was war es für eine Rasse?

Katja Schnabel: „Ja, mein erstes Pferd „Carino“ wurde ja bei uns zu Hause geboren (Siehe Frage 1). Er lebt Übrigens immer noch und führt ein glückliches Rentnerleben am Haus meiner Mutter mit seiner kleinen Ponyherde und wird von meiner Mutter herzlichst betüddelt und versorgt.“

Du bist mit deinen 1,94 m schon etwas größer. Hast du damit unangenehme Erfahrungen beim Reiten gemacht oder traten Probleme auf?

Katja Schnabel: „Meine Körpergröße ist schon ein Thema beim Reiten, klar. Ich achte natürlich darauf, ob ein Pferd unter den Gesichtspunkten der Konstitution und des Exterieurs für mich zum Reiten in Frage kommt. Es gibt Rassen und auch einzelne Pferde bei denen ich aus Horsemanship-Gründen davon absehe, sie zu reiten. Anderseits sind meine langen Beine auch ein Vorteil, gerade in meinem Job als Trainerin mit schwierigen Pferden.“

Wie kamst du zu den Pferdeprofis?

Katja Schnabel: „Eigentlich kamen die zu mir. Anfang 2018 bekam ich einen Anruf, ob ich Interesse hätte für die Pferdeprofis vor der Kamera zu stehen. Wir haben dann einen Termin zum Kennenlernen und für Probeaufnahmen ausgemacht. Dann hieß es warten, denn VOX wurde von der Produktionsfirma mehrere Trainerinnen präsentiert. Im Frühjahr kam dann wieder ein Anruf. Dieses Mal mit der tollen Neuigkeit, dass man sich für mich entschieden hat. Ich war sehr überrascht und voller Freude zugleich.“

Wer ist dein Vorbild und warum?

Katja Schnabel: „Das kann ich jetzt gar nicht auf eine einzelne Person beziehen. Ich habe viele Vorbilder aus der Pferdewelt. Das war sicherlich auch mein Glück, dass ich mich nie nur einer Methode oder einer Person zugewandt habe. Ich habe schon als junges Mädchen mich quer durch die Fachliteratur gearbeitet und mich mit vielen Methoden und Reitweisen beschäftigt.  Ich habe mir dann einfach aus all diesen vielen Varianten, Möglichkeiten und Personen die Sachen rausgesucht, die mir logisch erschienen und für mich auch funktionieren. In Verbindung mit meiner eigenen Persönlichkeit habe ich mir meine Art der Pferdearbeit, des Pferdeumgangs und des Pferdetrainings erarbeitet.“

Warum wolltest du gerade in Wien bei der tiermedizinischen Universität studieren?

Katja Schnabel: „lch war lange auf der Suche nach einer Ausbildung, die sich mit Pferden beschäftigt.  Es kam Tierarzthelferin, Tiermedizin und auch Pferdephysiotherapeutin in die engere Auswahl. Ich konnte mir einfach nichts anderes  vorstellen. Dann entdeckte ich noch durch Zufall  den Studiengang „Pferdewissenschaften“ an der Vetmed Uni in Wien. Das hörte sich für mich wie die perfekte Kombination von all den anderen Möglichkeiten an. Und so war es für mich eigentlich sofort klar.  Genau das will ich jetzt als nächstes, als grundlegende Ausbildung beginnen. Und nach den bestandenen Aufnahmeprüfungen, wo ich mich gegen sehr viele Mitbewerber durchsetzen musste, da dieser Studiengang nur wenige Studienplätze anbietet, zog ich nach Wien. Und eine tolle Lehrzeit auf diesem Fachbereich und im eigentlichen Leben begann.“

Du arbeitest viel mit Pferden, an welchen Fall erinnerst du dich besonders?

Katja Schnabel: „Ohjeee, da  gibt es mittlerweile wirklich viele Fälle,  die erzählenswert sind.
Eine schöne Geschichte ist sicherlich auch die meines eigenen Pferdes „Sam“. Da ging wirklich gar nichts mehr. Ich habe diesen großen Warmblutwallach damals übernommen, da die Besitzerin völlig überfordert war.  Bei diesem Pferd wendete ich auch alles an, was ich so in den vergangenen Jahren gelernt habe. Einiges konnte mir hier helfen. Anderes war eher kontraproduktiv. Und so wurschtelte ich mich über die Jahre mit ihm durch. Endergebnis war, dass er lesen und schreiben konnte und auch wieder reitbar war.“

Du hast bereits viele Erfahrungen und Qualifikationen im Reitsport erreicht, gibt es etwas was du als Nächstes anstrebst?

Katja Schnabel: „Die Arbeit mit Pferden, das Training, die Ausbildung ist ein nie endender Prozess.
Somit habe ich zwar viel Erfahrung und die Qualifikationen, aber ich weiß, dass mich jedes Pferd auch immer wieder vor neue Aufgaben stellen wird. Also muss und will ich mich natürlich weiter bilden und ein Leben lang dazu lernen.“

Wie viele eigene Pferde hast du?

Katja Schnabel: „Ich habe im Moment 4,5 eigene Pferde.  Da wäre zu einem mein allererstes Pferd und mittlerweile Rentner, der mit seiner keinen Ponyherde am Haus meiner Mutter lebt und von ihr liebevoll versorgt wird. Dann gibt es meine kleine Shettydame, die bei Freunden in einer kleinen Herde lebt, und der kleinen Tochter lehrt, wie man mit Shettys umgeht und wie man sattelfest wird. Und  meine 3 Jungs Ramino, Peppi und Pille.“

Was ist dein Lieblingsfilm und warum?

Katja Schnabel: „Es gibt sehr viele gute Filme aber ganz spontan wäre es: Pretty Woman. Allerdings nicht in erster Linie wegen der „Prinzessinnen Geschichte“, sondern weil mich die unbeschwerte, natürliche Art von Julia Roberts in ihren Filmen fasziniert.“

Wie sieht dein Alltag aus?

Katja Schnabel: „Ich stehe auf, frühstücke und fahre zu den Pferden, versorge und trainiere sie. Spät abends fahre ich nach Hause und falle vor Müdigkeit ins Bett und schlafe ein. Ab und zu schaff ich es auch mal mir einen Film in Gänze anzuschauen, bevor ich einschlafe. Durch die zusätzlichen Trainingspferde für das Fernsehformat „Die Pferdeprofis“ bei VOX, hat sich mein Arbeitsalltag im vergangen Jahr stark verändert und ich arbeite jetztmehr stationär auf Gut Klostermühle. Vorher war ich in Berlin und Brandenburg viel als mobile unterwegs. In meiner doch recht knappen Freizeit ist es mir wichtig Zeit mit meinem Partner, meiner Familie und Freunden zu verbringen.“

Hast du noch andere Tiere? Zum Beispiel einen Hund?

Katja Schnabel: „Leider musste ich mich im vergangen Jahr von meinem treuen Begleiter nach zehn Jahren verabschieden. Chico war ein Mischling, der mich während meiner Zeit in Spanien fand. Seitdem waren wir ein untrennbares Team. Aktuell habe ich noch einen Jack Russell Mischling namens Prinz und einen Kater namens Kurt.“

Pferdeprofi Katja Schnabel [Foto: TVNOW / Sebastian Pfütze]
Wir bedanken uns herzlichst bei Katja Schnabel für die Beantwortung der Interviewfragen und sind gespannt auf ihre Zeit bei den „Pferdeprofis“!

 

Quelle: (www.katja-schnabel.de)

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