Dressur, Interviews

Exklusives Interview mit Anja Plönzke – „Mein Vater freut sich unglaublich“

Anja Plönzke (48) kehrt zurück auf das heimatliche Gestüt Tannenhof in Heidenrod-Watzelhain. Bis 2012 war sie dort selbst als Gestütsleiterin… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
06.06.2017 4 min lesen
PLÖNZKE Anja (GER), Belfast-Ra Hagen – Horses and Dreams meets the Royal Kingdom of Jordan 2018 Louisdor Preis Qualifikation Inter II 25. April 2018 www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Anja Plönzke (48) kehrt zurück auf das heimatliche Gestüt Tannenhof in Heidenrod-Watzelhain. Bis 2012 war sie dort selbst als Gestütsleiterin tätig gewesen. Danach zog es sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Roland Bauer nach München. Doch nun sei der richtige Zeitpunkt für die Rückkehr gekommen, ist sich die ambitionierte Dressurreiterin sicher, auch weil die familieneigene Firma Clip My Horse derart gewachsen ist. Mit Fahrenheit wartet in der Heimat aber auch ein herausragendes Pferd auf sie.

Weshalb haben Sie sich entschieden, von München zurück auf den heimatlichen Tannenhof zu gehen?

Die Entscheidung ist natürlich kein Impuls von heute auf morgen gewesen. Sie reifte über viele Monate hinweg heran. Da ich mich von meinem Ehemann Roland Bauer vor einiger Zeit getrennt habe, ist die Bindung hier nach München nicht mehr so groß. Mein Vater ist zwar topfit, aber er wird auch nicht jünger. Ich möchte ihm rechtzeitig unter die Arme greifen und ihn unterstützen.

Auch der große Erfolg der Firma Ihres Vaters, Clip My Horse, war daran sicherlich beteiligt, oder?

Mein Vater und ich waren in Florida im „Arbeitsurlaub“ und haben für Clip My Horse einiges vorbereitet. Zu diesem Zweck waren wir über einen längeren Zeitraum zusammen und dabei merkte ich, dass mein Vater zwar ein „Hansdampf in allen Gassen“ ist, aber die Firma so groß geworden ist, dass er das natürlich nicht ewig alleine stemmen kann. Clip My Horse hat sich wahnsinnig entwickelt seit wir das Projekt vor nun zehn Jahren gestartet haben. Jetzt ist ein Zeitpunkt, an dem ich sozusagen „frei beweglich“ bin, sodass ich meinen Lebensmittelpunkt noch einmal verlagern kann. Ich werde meinen Vater ab sofort unterstützen und denke, das ist eine weitaus bessere Lösung, als wenn ich eines Tages vor einem großen Berg stehe und mich der Aufgabe von heute auf morgen stellen müsste.

Sie lösen Leif Hamberger als Gestütsleiter ab und werden zugleich in der Firma tätig sein – klingt nach einer anspruchsvollen Aufgabe…

Leif Hamberger, der in den vergangenen Jahren seit 2012 die Leitung innehatte, hat dies herausragend gemacht. Das stellt keiner von uns in Frage und wir sind Leif alle sehr dankbar. Aber als Familie ist man natürlich ein eingespieltes Team und mit ganz viel Herzblut bei der Sache. Langfristig werden wir aber noch einen guten Reiter einstellen und mein Vater und ich werden uns die Leitung des Gestüts teilen. Zum Glück kenne ich ja bereits alle Abläufe auf dem Hof.

Werden Sie Ihre Wahlheimat München vermissen?

Ich habe es nicht übers Herz gebracht, meine Wohnung dort aufzugeben. Zum Glück sind es ja nur drei Stunden mit dem Zug, sodass es durchaus möglich ist, ein paar turnierfreie Tage am Wochenende dort zu verbringen. Die lebendige Stadt und ihre einmalige Atmosphäre sind mir sehr ans Herz gewachsen. Außerdem habe ich hier viele tolle Freunde gefunden. Ich liebe München einfach! Somit werde ich unter der Woche auf dem Tannenhof sein und am Wochenende kann man mich vermutlich vermehrt in München antreffen, wenn die Zeit reicht.

Wie haben Sie den Reitsport in der Münchener Umgebung erlebt?

Als ich nach München zog, verkaufte ich ja mein Top-Pferd Le Mont d`Or. Insofern benötigte ich viele Prüfungen für meine Nachwuchspferde und die habe ich dort in großem Maße gefunden. Es war wirklich toll, was im Raum München alles angeboten wird. In Wiesbaden wieder viel näher an den großen internationalen Turnieren und freue mich darauf mindestens genauso.

Ein Pferd für diese Aufgaben dürften Sie mit Fahrenheit ebenfalls bereits haben. Wie sehen Ihre Pläne mit ihm aus?

Er war natürlich ebenfalls ein Grund für die Rückkehr, denn mit Fahrenheit habe ich wieder ein Grand Prix Pferd für die Zukunft. Der Hauptgrund für die Rückkehr war Clip My Horse, doch meine Aufgaben auf dem Tannenhof werden natürlich mit Fahrenheit sehr verbunden sein, was wunderschön ist. Außer ihm haben wir zudem etliche Junghengste, die ich reiten und ausbilden werde. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit Fahrenheit in diesem Jahr am Louisdor Finale teilnehmen könnte. Allerdings kann man so etwas natürlich nicht erzwingen. Ich kenne Fahrenheit zwar noch aus der Zeit, da ich ihn als junges Pferd von fünf, sechs Jahren geritten habe. Aber in den vergangenen Jahren hatten wir nichts mehr miteinander zu tun und man muss erst wieder zusammenwachsen und sehen, wie das alles klappt. Der Louisdor-Preis wäre ein Traum, aber wir probieren nun erst einmal, was möglich ist. Man darf nie vergessen, dass Fahrenheit ein Hengst ist und sicherlich seine eigene Meinung dazu hat. Er kannte in den letzten Jahren nur Leif, aber ich bin gespannt, wie sich alles entwickelt.

Herrscht denn bereits Vorfreude in Ihrer Familie wegen Ihrer Rückkehr?

Mein Vater strahlt momentan den ganzen Tag über! Auch seine Freundin Stefanie Schmitz hat sich wahnsinnig gefreut. Beide haben ja schon früher immer wieder gefragt, ob ich nicht zurückkommen wolle. Nun kommen die beiden aus dem Grinsen gar nicht mehr raus und freuen sich unglaublich auf alles, was kommt.

Text: Alexandra Koch

 

Dieser Text wurde von der Agentur Hafensänger verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.