Exklusives Horseweb-Interview mit Sascha Schulz

von Jaqueline Weidlich
19. April 2018
19.04.2018
ca. 5 Minuten

Sascha Schulz – Mit Dragao auf Erfolgkurs

Dressurreiter Sascha Schulz (45) konnte sich im vergangenen Jahr über viele herausragende Erfolge unter den Top-Reitern Europas freuen. Grund dafür ist auch Dragao, der prachtvolle Lusitano Schimmel, mit dem er zum Beispiel bei den 4* und 5* Turnieren in München, Madrid und Genf Platzierungen in den Top 3 feiern konnte. Ein kleiner Einblick in das Leben von Luxemburgs erfolgreichstem Dressurreiter…

Sie reiten für Luxemburg und haben für das Land an Weltreiterspielen und Europameisterschaften teilgenommen. Wie erleben Sie es, für ein so kleines Land an den Start zu gehen?

Ich lebte zu diesem Zeitpunkt ja zum Zeitpunkt meines Nationenwechsels 2007 bereits sieben Jahre in Luxemburg, von daher war dies für mich eine logische Folge, da es zu meiner neuen Heimat geworden war. Mein Lebenspartner und ich leben jetzt schon viele Jahre hier und haben vor, auch hier zu bleiben, weshalb wir uns entschlossen, die Staatsbürgerschaft anzunehmen. Außerdem muss man natürlich zugeben, dass die Chancen auf die Teilnahme bei den ganz großen Turnieren in Deutschland deutlich geringer sind. Vor allem in meiner Anfangszeit war ich darüber sehr dankbar. Nach jetzigem Zeitpunkt wären wir zwar auch in Deutschland konkurrenzfähig, aber die Anfänge – beispielsweise mit einem 10.000 DM teuren Pferd, das wir ausbildeten und weiterverkauften – waren härter und es musste sich alles erst entwickeln.

Ich denke, dass Luxemburg sich heute absolut nicht mehr im Sport verstecken muss. Man denke nur an die EM 2015 zurück, als wir mit einem Team antraten und es uns gelang, fünf andere Mannschaften, unter anderem Portugal und Italien, hinter und zu lassen. Und das als Land, das kleiner ist, als die meisten Kreisreiterverbände. Luxemburg wird mittlerweile bei weitem nicht mehr belächelt. Als ich vor 17 Jahren hierherkam, gab es nur einen Grand Prix Reiter, jetzt sind es schon sechs.

Sind die Championate, an denen Sie teilgenommen haben, für Sie ganz besondere Momente Ihrer Karriere gewesen? Wie haben Sie diese erlebt?

Die Weltreiterspiele sind selbstverständlich etwas, von dem jeder Reiter träumt. Für mich war aber der Start bei den Europameisterschaften in Aachen 2015 vielleicht noch etwas bedeutender. Vor dieser Kulisse zu reiten, ist ein Erlebnis wie man es nur selten hat. In das riesige Stadion einzureiten, ist wahrlich atemberaubend. Aachen gibt es eben nur einmal auf der Welt. Auch die Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde und die Bronzemedaille dort auf Quel Filou werde ich nie vergessen. Der Weg zu solchen Erfolgen war weit, denn nicht zuletzt hängt all dies von jahrelangem Aufbau und gutem Management ab. Ich selbst kann mich heute mit Luizao, Wito Corleone und jüngst Dragao über drei Grand Prix Pferde freuen.

Berichten Sie doch mal ein wenig über Ihre Top-Pferde. Besonders Dragao machte kürzlich mit vielen herausragenden Leistungen bei Top-Events, wie im Rahmen der Munich Indoors, von sich reden…

Wir haben mit Dragao ein echtes Weltpferd. Doch unser Lusitano-Hengst ist noch nicht lange bei uns im Stall und vor allem gerade erst zehn Jahre alt geworden. Wir möchten ihm die Zeit geben, die er braucht, um konkurrenzfähig agieren zu können. Das bedeutet heute, bereits in der ersten Prüfung über 70 Prozent erzielen zu müssen. Das Feld ist schließlich mittlerweile sehr dicht zusammengerückt und man muss sich immer beweisen. Da auch Veronique Henschen aktuell nach der Verabschiedung ihres Top-Pferdes erst neu starten muss, haben wir vom Verband entschieden, dem Luxemburger Team etwas Zeit zu geben, um zu reifen. Aktuell sind die Weltreiterspiele in den USA unser Ziel.

Dragao ist außerdem ein sehr gefragter Deckhengst, der im vergangenen Jahr 400 Stuten deckte. Wir möchten ihn selbst auch als Deckhengst einsetzen, was bei dieser hohen Nachfrage wirklich sehr interessant erscheint.

Kurzer Rückblick: Wie sind Sie einst aufs Pferd gekommen? Gab es einen familiären Background?

Mit dem Reiten begonnen habe ich im Alter von neun Jahren in meiner deutschen Heimat. Ich war also keines der Kinder, die schon im Sattel sitzen, bevor sie laufen können. Ich wuchs in einer Familie ohne reitsportlichen Background auf und kam durch einen Freund zu den Pferden. Man ging einfach nach der Schule mal mit und es wurden mehr und mehr Stunden in der Reitschule. Schließlich bekam ich als Jugendlicher auch bereits private Pferde unter den Sattel. In der Dressur hatte ich schnell Fuß gefasst, das interessierte und faszinierte mit einfach mehr als Springen. Auch wenn ich gern mal den einen oder anderen Sprung mache. Das ist bis heute so geblieben.

Haben Sie bereits in Ihrer Jugend die Absicht gehabt, ihr Geld mit Pferden zu verdienen?

Zunächst machte ich Abitur und eine Banklehre. Als ich 21 war, musste ich mich entscheiden, ob ich noch etwas mit Pferden machen wollte oder nicht. So kam es, dass ich eine Ausbildung im Stall von Wolfram Wittig machte und dort nach diesen drei Jahren noch drei weitere blieb und für ihn ritt. Er ist selbstverständlich ein großartiger Ausbilder und ich habe in dieser Zeit viel gelernt.

Sie lernten damals auch Ihren Lebenspartner kennen?

Das ist richtig, damals kam ich mit Christof Umbach zusammen, der heute Leiter der luxemburgischen Dressurkommission ist. Wir beide hatten durch das Dressurreiten natürlich die gleichen Interessen und so war kam es, dass wir uns beide auf die Suche machten, gemeinsam in einen neuen Stall zu gehen. Wir übernahmen 2000 als Pächter für sieben Jahre das Centre Equestre in Beaufort. Dort erlebten wir eine sehr schöne Zeit und arbeiteten sehr gut, doch es wurde schließlich Zeit für eine Veränderung und wir konnten uns in Leudelange weiter verbessern.

Seit dem Jahr 2000 betreiben Sie also in Luxemburg einen eigenen Stall gemeinsam mit Ihrem Partner. Sind Sie damit rundum glücklich?

2013 schlossen wir uns mit unserem französischen Kunden Patrice Mourruau zusammen, der nach Luxemburg gezogen war. Seitdem leben und arbeiten wir auf dessen Anlage in Garnich. Wir gründeten mit ihm zusammen eine Gesellschaft – Dressage Grand Ducal – mit dem Hintergedanken, junge hochkarätige Pferde zu kaufen, auszubilden und später gewinnbringend wieder zu verkaufen. Es ist immer traurig, einen Sportpartner weiterzugeben, wie das etwa bei Quel Filou der Fall war, der heute im Stall von Andreas Helgstrand steht. Aber wir müssen von unserer Arbeit auch leben können. Mit Preisgeldern allein kann das nicht gelingen. Neben der Ausbildung von dem Verkauf von Pferden ist auch das Training vielversprechender junger Reiter ein Standbein von uns. So ist eine unserer Schülerinnen Alexandra Hidien. Außerdem trainiert bei uns die Dänin Rikke Svane, die schon bei Europameisterschaften am Start war.

Wie können wir uns Ihren Dressurstall vorstellen?

Es ist uns ganz wichtig, dass unsere Pferde artgerecht gehalten werden. So sollen sie so oft wie möglich – mit Ausnahme von ganz großem Schmuddelwetter – auf die Wiese.Wir sagen immer, dass das Pferd ja nicht weiß, wie viel Geld es wert ist und daher auch immer die Möglichkeit haben sollte, pferdegerecht zu leben und seine Seele baumeln zu lassen. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass es überhaupt nichts bringt, die Pferde übervorsichtig im Stall zu lassen. Dragao hatte, bevor er zu uns kam, wohl auch nur selten eine Weide gesehen. Anfänglich war er dann sehr nervös und schwer zu reiten. Nun ist er jedoch völlig ausgeglichen, ruhig und wir denken, dass das schon davon kommt, dass er bei uns wirklich Pferd sein darf.

Wir alle auf dem Hof stellen die Pferde in den Mittelpunkt. Es ist uns allerdings auch wichtig, dass unsere Mitarbeiter sich bei uns wohlfühlen. Ich denke, dass wir ein ganz tolles Team sind. Wir freuen uns, dass wir derart privilegiert sind und uns auf diese Leute absolut verlassen können.

Was machen Sie denn gern, wenn man Sie mal nicht auf dem Pferderücken antrifft?

Wir haben einen sehr großen Freundeskreis. Mit ihnen unternehmen wir gerne etwas oder treffen unsere Familien. Außerdem gehen wir auch sehr gerne einmal auswärts essen.

 

 

Text: Alexandra Koch

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