Exklusives Horseweb-Interview: Jessica von Bredow-Werndl – Als Mama zurück in der Erfolgsspur

Im vergangenen August wurde Jessica von Bredow-Werndl Mama, nun ist sie zurück in der Erfolgsspur! Die 32 Jahre alte Reiterin holte beim Weltcup-Finale in Paris mit dem bewährten Unee BB nicht nur die Bronzemedaille. Sie hat mit ihren Stuten Zaire und Dalera BB zwei heiße Kandidatinnen für die Weltreiterspiele in den USA.

Gerade warst du mit Zaire beim ersten Freiland Turnier 2018 in Hagen sehr erfolgreich mit Platz 2 und 3. Damit bist zu hinsichtlich der WM-Tickets ganz vorne mit dabei. Wie ist dein Plan für die kommenden Wochen?

Ich bin sehr stolz auf Zaire, dass sie über den Winter nochmal deutlich souveräner geworden ist. Sie hat mir in Hagen ein ganz tolles Gefühl gegeben, daher werde ich sie in nächster Zeit gezielt auf wenigen Turnieren einsetzen.

Mit Zaire und Dalera hast du zwei wahnsinnig talentierte Stuten. Ist Zaire für die Weltreiterspiele erste Wahl? Oder rechnest du dir auch mit der jungen Dalera, die sich so toll entwickelt hast, ähnliche Chancen aus?

Dalera ist ein Pferd mit allen Möglichkeiten, sie ist unglaublich toll! Allerdings ist es ihre erste richtige Grand Prix Saison und sie hat noch nicht viel Turniererfahrung. Da darf ich uns keinen Druck machen, sondern möchte einfach schauen, ob sie sich in diesem Feld so schnell sicher genug fühlt.

Jessica von Bredow-Werndl und Zaire-E. (Foto: Stefan Lafrentz)

Von Unee wissen wir ja schon ganz viel. Vielleicht magst du uns ja auch von Zaire und Dalera etwas mehr berichten. Sind sie sich ähnlich oder ganz unterschiedlich?

Die beiden Mädels sind sehr ehrgeizig und sensibel. Zaire war früher eher schüchtern und ängstlich, was sich in letzter Zeit ziemlich geändert hat. Vielleicht hat sie sich viel mit Dalera unterhalten, die beiden stehen im Stall nebeneinander… Dalera hat es von Anfang an genossen, sich zu präsentieren und im Mittelpunkt zu stehen. Am Turnier sind sie ein tolles Gespann, wach und aufmerksam aber gleichzeitig unglaublich lieb und verschmust. Ich bin sehr glücklich, so tolle Pferde zu haben!

Mit Unee konntest du in diesem Jahr noch einmal den dritten Platz beim Weltcup-Finale holen. Ich glaube, das war ein sehr bewegender Erfolg für dich. Berichte uns doch ein wenig, wie du es erlebt hast…

Ich war total überwältigt! Wenn man schon einmal auf dem Podest war, hat man das natürlich schon im Hinterkopf, es wieder zu schaffen. Allerdings habe ich mir bei der Konkurrenz nicht zu große Hoffnungen gemacht. Aber wir hatten einfach eine super Kür, waren beide 100% fokussiert und haben es zusammen nochmal geschafft. Das war ein sehr emotionales Erlebnis mit Unee.

Von deinen drei dritten Plätzen bei Weltcup-Finals… Hast du einen ganz besonderen Moment?

Hmmmm. Das erste Mal war schon etwas ganz Besonderes, aber jetzt war es einfach nochmal so emotional… Unee hat es so weit gebracht und ich bin im so dankbar. Und dass wir beide bei dieser Konkurrenz nochmal zeigen konnten, was wir können, hat richtig Spaß gemacht!

Was planst du diese Saison noch mit deinem Superstar Unee? Mit seinen 17 Jahren setzt du ihn nun bestimmt sehr gezielt ein…

Ich mache das mit ihm dieses Jahr relativ spontan. Als nächstes steht Wiesbaden an und danach sehen wir weiter. Mal sehen worauf wir Lust haben! Aber er ist nach wie vor sehr motiviert, ich werde ihm also noch einige Auftritte gönnen. Er hat einfach Spaß daran, sich zu zeigen.

Seit vergangenem Sommer bist du ja glückliche Mama. Was hat sich mit der Geburt deines kleinen Sohnes alles verändert? Du scheinst ja den Sport und das Mama-Sein perfekt unter einen Hut zu bekommen…

Mein Tagesablauf hat sich natürlich sehr verändert. Dass ich trotzdem so viel Zeit zum Reiten habe, verdanke ich vor allem der tollen Unterstützung meiner Eltern und meines Mannes und Karin, die mir mit Moritz und im Haushalt hilft und eine echte Bereicherung ist. Natürlich ist es, wie für die meisten Mütter, manchmal eine Herausforderung Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Aber sowohl die Pferde als auch die Zeit mit meiner Familie beflügeln mich – da steckt man die ein oder andere kurze Nacht dann auch gut weg.

Wann bist du nach der Geburt erstmals wieder geritten? Ist dir das von Anfang an eher leichtgefallen, wieder anzufangen? Du machst ja viel Ausgleichssport, Gymnastik, Yoga – hat dir das dabei geholfen?

Sehr bald – ich glaube, es waren zwei Wochen. Es war, als wäre ich nie abgestiegen. Natürlich hatte ich noch keine ganz „stabile Mitte“, aber ich war selbst überrascht wie schnell es wieder so gut ging. Mit Sicherheit hat meine Grund-Fitness da sehr geholfen. Auch in der Schwangerschaft bin ich lange weiter geritten und habe mit Yoga und anderen Sportarten so gut es ging weiter gemacht. Die tatsächliche Pause war also relativ kurz.

In eurer Familie tummeln sich ja mittlerweile einige Kinder… Sind eure Turniere dann, wenn möglich, immer ein großer Familienausflug?

Auf jeden Fall! Natürlich haben mein Bruder und ich zum Teil unterschiedliche Turnierpläne, aber wir versuchen immer so viel wie möglich beim anderen dabei zu sein. Und je mehr Familienmitglieder uns begleiten, desto lustiger ist es. Mein Sohn war bis jetzt auf jedem meiner Turniere dabei – und er hat immer Glück gebracht!

 

Interview: Alexandra Koch