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Im Springen und in der Dressur war Gernot Weber mit seinem Pferd Aramis ebenso erfolgreich wie in der Vielseitigkeit. Doch… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
21.05.2019 4 min lesen
Gernot Weber startet auch auf der EQUITANA Open Air in einer Working Equitation Prüfung. (Quelle: EQUITANA)

Im Springen und in der Dressur war Gernot Weber mit seinem Pferd Aramis ebenso erfolgreich wie in der Vielseitigkeit. Doch Spitzenreiter ist er erst, seit er auf Working Equitation umsattelte. Die vergleichweise junge Sportart, die sich an der traditionellen Arbeitsreitweise der spanischen Rinderhirten orientiert, forderte ihm alles ab und machte ihn 2017 zum Deutschen Meister und ein Jahr später zum Team-Weltmeister. Während der EQUITANA Open Air in Mannheim sattelt er ebenfalls und startet auf dem Maimarktgelände in der Master-Klasse.  Im Interview verrät der 38-Jährige, dass Erfolg für ihn mehr ist als Titel. 

Was macht für Sie die Faszination von Working Equitation aus?

Gernot Weber: Das Besondere ist für mich die vielseitige Ausbildung des Pferdes. Das steigert sich vor allem in den höheren Klassen, wenn Rinderarbeit und Speedtrail dazu kommen. Dazu braucht es ein dressurmäßig gut gymnastiziertes Pferd, das neben der Rittigkeit auch noch Schnelligkeit und Geschick mitbringt. 

Welche Disziplin begeistert Sie besonders?

Weber: Die Rinderarbeit ist sehr spannend, weil zu Reiter und Pferd die Rinder als weitere Lebewesen hinzukommen. Das erweitert die Möglichkeiten und macht es ein Stück weit unvorhersehbar. Je besser Pferd und Reiter darauf vorbereitet sind, umso eher gelingt es ihnen, die Rinder zu kontrollieren. 

Wie haben Sie die Arbeitsreitweise für sich entdeckt?

Weber: Die traditionelle Reitweise der spanischen Rinderhirten, die so genannte Doma Vaquera, hat mich vom ersten Moment an fasziniert. Mein Kollege Stefan Baumgartner hat damals das erste Turnier in Deutschland organisiert und dadurch bin ich fast unweigerlich damit in Kontakt gekommen. 

Was war beim Umsatteln die größte Herausforderung?

Weber: Anfangs waren für uns alle Aufgaben neu. Wir mussten alles erst lernen und sind an jeder Herausforderung gewachsen. Vorher bin ich Dressur, Springen und Vielseitigkeit in kleineren Klassen geritten. Dann haben wir fleißig geübt und sind Schritt für Schritt dahin gekommen, wo wir heute sind. Aramis hat mich vom ersten Turnier an begleitet. Er ist das Pferd, das am längsten in dieser Disziplin dabei ist. Gemeinsam sind wir viermal bei Deutschen Meisterschaften, zweimal bei Europa- und zweimal bei Weltmeisterschaften gestartet. 

Wie haben Sie Ihr Pferd für die neue Disziplin begeistert?

Weber: Die Begeisterung hielt sich bei Aramis zunächst in Grenzen. Im Training musste ich ihn an vieles erst gewöhnen – besonders an die Rinderarbeit und den Speedtrail. Inzwischen liebt er die schnellen Wendungen. Konstante Dressurarbeit ist ihm dagegen etwas fad. Doch das gehört eben auch dazu. 

Wo liegen Ihre gemeinsamen Stärken?

Weber: Das weiß ich gar nicht so genau, so stark sind wir gar nicht (lacht). Die Kunst liegt darin, an der Vielfalt Spaß zu haben. Mit Aramis bin ich im M-Springen, in einer S-Dressur, L-Vielseitigkeiten und den Weltmeisterschaften in der Working Equitation gestartet. Ende des Jahres möchte ich ihn noch einfahren, damit wir wirklich alles mal gemacht haben. Unsere Stärke liegt vielleicht darin, dass wir uns allen Aufgaben stellen und so lange daran arbeiten, bis alles klappt. Manchmal ist es besser, sich keinen Kopf zu machen, sondern einfach loszulegen. Und wenn man wirklich mit seinem Pferd zusammenwächst, kann man alles schaffen. 

Was macht Aramis zu einem guten Working Equitation-Pferd?

Weber: Seine unglaubliche Leistungsbereitschaft. In der Dressur steht er sich damit manchmal selbst im Weg, weil er übermotiviert ist, doch in den schnellen Disziplinen entwickelt er eine unglaubliche Geschwindigkeit und Kraft. Er gibt mir immer das Gefühl, dass noch etwas geht. 

Was fordert dieser Sport vom Reiter?

Weber: Sehr viel Besonnenheit. Er muss immer die richtige Mischung zwischen der Ruhe in der Dressur und der Spritzigkeit im Speedtrail oder bei der Rinderarbeit finden und darf das Pferd nie in die eine oder andere Richtung überdrehen. Er muss immer die Waage halten, um allen Anforderungen gerecht zu werden. 

Worauf legen Sie beim Training besonderen Wert?

Weber: Mir ist wichtig, extrem abwechslungsreich und disziplin-übergreifend zu trainieren. Working Equitation verbessert sich nicht durch Wiederholung. Vielmehr geht es darum, so viele unterschiedliche Aufgaben wie möglich zu finden und zu bewältigen. Das kann auch mal etwas aus dem Bereich Westernreiten sein. Denn je besser die Abstimmung und Kommunikation mit dem Pferd, umso eher lassen sich auch schwierige Anforderungen bewältigen. 

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Weber: Erfolg bedeutet für mich generell, eine Aufgabe, die ich mir gestellt habe, bestmöglich zu bewältigen. Das können auch die kleinen Schritte jeden Tag sein. Sie haben mich in zehn Jahren mit meinem Pferd dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Natürlich ist der Weltmeister-Titel der größte Erfolg, doch noch entscheidender ist, mit dem Pferd so viel zu erreichen, dass dieser Moment überhaupt möglich war. Das ist das begeisternde Gefühl. Die Weltmeisterschaft ist im Vergleich dazu in drei Minuten vorbei. 

Nach der Deutschen Meisterschaft 2017 und dem WM-Titel 2018 – welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Weber: Mein Ziel ist, selbst noch besser zu werden. Denn ich kann immer noch an mir arbeiten, damit ich irgendwann auch mit meinem Nachwuchspferd das Niveau erreiche, auf dem ich mich mit Aramis bewege. Vielleicht springt dann auch mal ein internationaler Einzeltitel dabei heraus. Wichtiger ist aber noch der Weg dahin. 

Working Equitation

Diese junge Reitsportdisziplin hat sich aus der traditionellen Arbeitsreitweise der Rinderhirten in Portugal, Spanien und Frankreich entwickelt. Sie mussten sich im täglichen Einsatz mit Kampfstieren auf ein gehorsames und nervenstarkes Pferd verlassen können, das zugleich wendig und schnell ist, um sofort auf die Signale des Reiters zu reagieren. Mit fortschreitender Industrialisierung drohte die Tradition zu verschwinden. Die Working Equitation hat sich zum Ziel gesetzt, sie zu bewahren. Aus den einst funktionalen Alltagsaufgaben hat sich inzwischen eine moderne Sportart entwickelt, die 2008 auch nach Deutschland kam. Zunächst entwickelte die Arbeitsgemeinschaft Working Equitation eine neue Turnierdisziplin, die Gehorsam und Rittigkeit der Pferde in den Teildisziplinen Dressur, Stiltrail, Speedtrail und Rinderarbeit prüft. Inzwischen sind die Reiter im Verein Working Equitation Deutschland (WED) organisiert. Das deutsche Team gewann bei den Weltmeisterschaften 2018 den Titel. Als Partner der EQUITANA Open Air vom 5. bis zum 7. Juli in Mannheim richtet die WED ein Turnier mit Prüfungen in unterschiedlichen Leistungsklassen aus. Sie sollen bei den Besuchern die Begeisterung für die neue Disziplin wecken. 

www.equitana-openair.com

 

 

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