01.12.2022
Gekörter Vierjähriger: Candid von Casall-Cardento. (Foto: Janne Bugtrup)

Holsteins Herbst-Event – Was Neues!

(Elmshorn) Ein “Pilotprojekt” hat der Holsteiner Verband in der Fritz Thiedemann-Halle in Elmshorn auf die Beine gestellt: Kurz-Veranlagungstest, Sattelkörung für drei- und vierjährige Hengste und obendrauf die Elite-Reitpferdeauktion im Hybrid-Format. Die sorgte bei Züchter und Aussteller Gerd Eggers (Stadum) für einen feinen Jahresausklang, denn sein dreijähriger Fuchswallach Cascano E von Cascadello-Cancara aus dem Stamm 8777 wurde zum Spitzenpreis von 73.000 Euro verkauft. Glückwunsch. Und – alles richtig gemacht hat auch Niko Detlef aus Fehmarn: Seine dreijährige Minett von Del Arko d`Henvet SF-Connor (Stamm 2472)  wurde für 65.000 Euro den neuen Besitzern zugeschlagen.  

Mag sein, dass die einen den vertrauten Körtermin mit zig aufgeregten Junghengsten und noch aufgeregteren Ausstellern in den Holstenhallen in Neumünster vermisst haben, Elmshorns Herbst-Event dürfte mehr als tröstlich gewesen sein. In zwei Tagen gab es einen umfassenden Ein- und Überblick der den drei- und vier Jahre alten Hengsten eine Bühne bot die auch trägt und passt. Wer vor Ort ist, schaut eben auch genau hin bei insgesamt 20 Hengsten.  

„Das Konzept ist voll aufgegangen“, bilanzierte prompt Stephan Haarhoff im Anschluss an die Körurteile. „Für die Pferde und die Züchter ist dieses Pilotprojekt ein Gewinn gleichermaßen. Die Hengste haben einen Prüfungstermin weniger zu absolvieren, die Züchter bekommen von den Vererbern weitere wichtige Eindrücke“, so der Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes und Geschäftsführer des Gesamtverbands.

Vier Hengste erhielten das Körprädikat und die Autorin räumt ein, dass sie sich in zwei davon regelrecht verguckt hat. Das ist selbstverständlich überhaupt kein Maßstab und deswegen auch erlaubt. 

Innerhalb weniger Minuten gelang das zunächst dem dreijährigen Quivisto von Quim CL- Leovisto. Ein Schimmel in gutem Format, modern, leicht, mit flinkem Bein und genügend Schulterfreiheit, aufgeweckt und genauso unerschrocken. Besah sich alles und beinahe hätte er sich vor der Sprunggasse auch mal kurz gewälzt. Das Springen: leicht und locker fliegend, immer mit Übersicht. Mit gespitzten Ohren orientierte sich der Dreijährige immer wieder auf seinen Vorführer – ein Hengst mit glasklar funktionierendem Kopf und Geist. Züchter ist Carsten Lauck (Pinneberg), der auch Züchter des Hengstvaters Quim CL von Quiwi Dream aus der Von Cim von Levisto ist. Sowohl Quim CL, als auch Quiwi Dream sind nicht mehr am Leben und am Freitag konnte man das wieder mal bedauern. Die Urgroßmutter Fein Cim taucht in Quivistos Pedigree gleich zweimal auf. Sie ist Mutter der Von Cim und auch Mutter von Leovisto – der zweite Großvater neben Quiwi Dream. Via Auktion wurde der smarte Schimmel für 37.000 Euro veräußert.

Bei den Dreijährigen wurde zudem Cultino von Casaltino-Colman (Stamm 6786) aus der Zucht und dem Besitz von Evi Bengtsson (Oelixdorf) gekört. Ein wirklich schmucker Fuchs mit berühmter Mutter. Als La Pasion de Caballo Ulika war die Colman-Tochter aus der Zucht von Peter Kröger (Elpersbüttel) mit ihrer Reiterin Evi Bengtsson unterwegs (inzwischen heißt sie Kuschel`s Ulika), gewann Deutsche Meisterschaften und Landesmeisterschaften, sammelte internationale Platzierungen und Siege und trug Evi Bengtsson auch in deren Schwangerschaft absolut sicher über die Hindernisse. Lebenspferd. Und nun als Zuchtstute ein Juwel.

Ein Jahr älter, also vier, ist Dunkirk von Dinken-Catoki (Stamm 741) aus der Zucht von Sönke Petersen (Behrendorf). Drei gute Grundgangarten beeindruckten an dem braunen Hengst mit der noblen Abstammung und die Art, in der er das Springen “easy-peasy” aussehen ließ. Tjark Witt ist Aussteller des Hengstes, der in das Bild eines soliden, sportlichen Holsteiner Hengstes passt.  

Vielleicht einen Tick eleganter noch als Dunkirk ist der zweite von Familie Witt ausgestellte Hengst und auch der zweite, der zügig Herz und Kopf der Autorin erobern konnte. Candid von Casall-Cardento (Stamm 776), der auch aus der Zucht der Witt Pferdezucht GbR stammt. In der persönlichen Prioritätenliste stehen drei anständige – besser noch sehr gute – Grundgangarten unverrückbar ganz oben, ganz egal ob der Schwerpunkt doch eher auf Springgenetik liegt. Gleich danach kommt das Fundament. Der sehr schwungvoll antretende Braune machte “Bella Figura” beim Traben und Galoppieren, für den Schritt fehlte es in der Halle etwas an Ruhe und Losgelassenheit.  Beim Springen versprühte der Hengst leichtfüssige Eleganz und überzeugte mit praktischer Mechanik. Ein rundherum patentes Pferd. Was bleibt? Der Eindruck, dass eine gut überlegte Premierenveranstaltung in Elmshorn gelungen ist. Martina Brüske 

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