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Der Artikel: Peta gegen FN

Deutsche Reiterliche Vereinigung lässt wieder Dopingmittel zu: PETA erstattet Strafanzeige und fordert, Mittel unverzüglich aus dem Katalog zu streichen Warendorf… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
21.11.2019 3 min lesen
Symbolbild (Foto:pixabay)

Deutsche Reiterliche Vereinigung lässt wieder Dopingmittel zu: PETA erstattet Strafanzeige und fordert, Mittel unverzüglich aus dem Katalog zu streichen

Warendorf / Stuttgart, 18. November 2019 – In ihrem Konzept „Fairer Sport – Sicher und sauber durch die Turniersaison“ erklärt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) seit 2019 zwei Dopingmittel wieder als zulässig: Altrenogest, ein Hormon zur Reduzierung der sogenannten Rossesymptome bei paarungsbereiten Stuten, und Omeprazol, das als Protonenpumpenhemmer die Magensäureproduktion hemmt und unter anderem bei Magengeschwüren verabreicht wird. PETA kritisiert scharf, dass Pferde systematisch zu unnatürlichen Höchstleistungen gezwungen und die dadurch bedingten gesundheitlichen Probleme durch Dopingmittel unterdrückt werden, um sie über ihre Leistungsgrenze hinaus zu treiben. Die Tierrechtsorganisation hat nun bei der Staatsanwaltschaft Münster Strafanzeige gegen die FN erstattet und fordert, dass die Medikamente unverzüglich aus dem Katalog der zugelassenen Mittel entfernt werden.

„Wieder einmal beweist die Deutsche Reiterliche Vereinigung, welchen Stellenwert Pferde bei ihr haben: Sie werden mit Peitsche und Sporen zu Sportgeräten degradiert, die zu funktionieren haben. Und im Zweifel hilft man eben mit Doping nach, um Symptome der systematischen Überforderung zu bekämpfen“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA. „Es wird höchste Zeit, dieser skrupellosen Branche endlich einen Riegel vorzuschieben. Wir fordern, dass die Verantwortlichen verurteilt werden, und appellieren an die FN, die Mittel umgehend aus dem Katalog zu streichen.“

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz
PETAs Strafanzeige liegt ein ausführliches Gutachten des renommierten Fachtierarztes für Pferde und Tierschutz, Dr. Maximilian Pick, zugrunde. Nach Ansicht der Tierrechtsorganisation verstößt die FN mit ihrem Beschluss gegen das Tierschutzgesetz – dieses verbietet leistungsfördernde Stoffe bei Wirbeltieren in Paragraf 3. Zudem werden durch die Genehmigung freiwillige Selbstverpflichtungen, Dopingmittel aus dem „Pferdesport“ zu verbannen, sowie die Arbeit der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz untergraben. „Für Preisgelder und Prestige werden Pferde selbst mit stressbedingten Magengeschwüren und blutigen Nüstern erbarmungslos über die Bahn oder durch den Parcours gejagt. Dies zeigt, wie respektlos die Branche mit fühlenden Lebewesen umgeht, deren Wohl laut der FN angeblich an oberster Stelle steht“, so Haferbeck.

Pferde immer wieder als Sportgeräte missbraucht
Turnier- und oft auch Freizeitreiter zwingen Pferde, Risiken einzugehen, die sie niemals freiwillig in Kauf nehmen würden. In der Dressur beispielsweise wenden Reiter oftmals die „Rollkur“ an. Hierbei ziehen sie den Kopf des Pferdes mit den Zügeln in Richtung Pferdebrust, wodurch der Hals stark überdehnt wird und die Atmung sowie Durchblutung enorm beeinträchtigt werden. Diese Hyperflexion schränkt zudem das Sichtfeld immens ein und führt bereits nach zehn Minuten zu großem Stress bei den Tieren. [1] Auch irreparable Schäden an der Halswirbelsäule können eine Folge sein. [2] Bei Pferderennen werden die sensiblen Fluchttiere mit Peitschenschlägen über die Bahn getrieben. Allein 2018 starben mindestens acht Pferde auf den Rennbahnen in Mannheim Köln, Mülheim, Karlsruhe, Hannover und Hamburg. [3] Im Springsport oder auf Vielseitigkeitsturnieren nutzen Reiter ebenfalls sogenannte Hilfsmittel, damit die Tiere innerhalb kurzer Zeit über hohe Hindernisse springen. „Ganz gleich, wie ‚weich‘ die Trense angeblich ist, wie vermeintlich sanft ein Pferd mit der Gerte berührt oder mit den Sporen gepikst wird: Diese Folterwerkzeuge sind extrem belastend für die Tiere und die Tortur hört erst auf, wenn sie sich dem Willen des Menschen beugen“, erklärt Haferbeck.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Michael Darmanin: Prolonged awkward neck positions linked to higher stress levels in equestrian horses. Online abrufbar unter: https://www.utrechtcentral.com/news/research-developement/prolonged-awkward-neck-positions-linked-to-higher-stress-in-equestrian-horses-78223/.
[1] Meyer, Heinz (2008): Roll-Kur. Die Überzeugung des Pferdes. Zwecke und Auswirkungen. Geschichte und aktuelle Diskussion. Wu-Wei Verlag. Schondorf.
[2] Iding, C. (2018): Vom Hochleistungsrennpferd zum Pflegefall. Die kurze Karriere der Rennpferde und dessen Folgen. In: Bocholter Borkener Volksblatt.
 

Originaltext: peta.de

Hier geht es zu der Stellungsnahme der FN.

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