Gastbeitrag

Wer heutzutage einen Reitplatz bauen will, sieht sich einer Vielzahl an Anbietern, Systemen und Produkten gegenüber. Doch welches System ist… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
20.05.2019 4 min lesen

Wer heutzutage einen Reitplatz bauen will, sieht sich einer Vielzahl an Anbietern, Systemen und Produkten gegenüber. Doch welches System ist für welche Nutzung sinnvoll? Wir klären auf im großen Reitplatz-System-Vergleich.

 

Oberflächenentwässernder Reitplatz, Anstausystem usw. – bevor Stallbetreiber sich mit den einzelnen Systemen befassen, gilt es einige Fragen zu klären. Denn wie bei allem im Leben hat auch jeder Reitplatz-Aufbau Vorteile und Nachteile. Es geht daher zunächst darum zu klären was eigentlich die Wünsche, Ansprüche und Anforderungen an den Reitplatz sind. Dabei geht es um viel mehr als um das Reiten an sich.

Hier kommen die wesentlichen Fragen zum Reitplatzbau:
-Welches Budget habe ich?
-Haben die Nutzer normale oder gehobene Ansprüche an den Reitboden (Freizeitreiter stellen i.d.R. andere Ansprüche als S-Dressur-Reiter)?
-Wie sehen die Bewässerungsmöglichkeiten aus (die meisten Reitplatzsande müssen gewässert werden – ist das möglich oder muss auf einen Reitplatzbelag zurückgegriffen werden, der keine Bewässerung benötigt)?
-Wie viel Zeit will ich in Pflege investieren?
-Benötige ich eine ganzjährige Reitplatz-Nutzung (wer keine Reithalle hat, sollte einen Reitplatzbelag auswählen, der auch im Winter nicht friert)?
-Welche Anforderungen stellen Baugrund und/oder Baugenehmigung (zur Not einen Fachmann zu Rate ziehen)?

Erfahrungsgemäß widersprechen sich einige der Wünsche und Anforderungen (z.B. ein sehr hoher Anspruch und ein schmaler Geldbeutel). Hier muss im Einzelfall überlegt werden, ob man beim Reitplatz eher auf gewissen Komfort verzichten kann oder ob man gewillt ist mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Nun aber zu den gängigen Systemen, die heute im Reitplatzbau zum Tragen kommen:

 

Das Schicht-System für den Reitplatz

Das Schicht-System gibt es im 3-schichtigen oder 2-schichtigen Aufbau. Bei drei Schichten wird mit Tragschicht (grober Schotter) gearbeitet. Darauf kommt die so genannte Trennschicht, deren Aufgabe einerseits Standfestigkeit und andererseits Materialtrennung ist. Zuletzt wird die Reitschicht (oder Tretschicht genannt) aufgebracht. Beim Reitplatz wird das Ganze in ein Gefälle gebracht, damit überschüssiges Wasser oberflächlich abfließen kann. Darum spricht man auch vom horizontal entwässernden Reitplatz oder vom oberflächenentwässernden System. Die Tretschichten sind vielfältig. Von diversen Reitsanden über eine Holz-Tretschicht bis zum so genannten Teppichschnitzel kommen diverse Produkte zum Einsatz, die wiederrum Vor- und Nachteile mit sich bringen.


 

 

Das Platten-System

Ob Reitplatzmatte oder Paddockplatte – bei diesem oft für Paddocks aber auch für Reitplätze eingesetzten System gibt es eine Vielzahl an Produkten. Dutzende Hersteller produzieren zahlreiche Varianten der Platten oder Matten. Der Stallbetreiber hat die Qual der Wahl und kann im Idealfall das für ihn optimale Produkt finden.
Der grundlegende Aufbau bleibt dabei immer ähnlich: Auf eine wasserdurchlässige Tragschicht werden die Reitplatzmatten bzw. Paddockplatten verlegt. Kontrovers diskutiert wird ob man Platten auch einfach auf den vorhandenen Untergrund (sprichwörtlich „in den Matsch“) legen kann. Problematisch dabei ist oft, dass die Platten „hoch kommen“ oder Wasser unzureichend abläuft.
Paddockplatten werden i.d.R. verfüllt. Empfehlenswert sind hier Splitt, Kies oder ähnlich wasserdurchlässiges Material. Oft wird aber auch direkt mit Reitsand verfüllt. Auf die Platten wir dann die Reitschicht aufgebracht. Hier kommen bevorzugt Reitsand oder auch Holz-Sticks zum Einsatz.

 

 

Das Ebbe-Flut-System

Beim Ebbe-Flut-System gibt es zahlreiche Varianten und Bauweisen. Darum werden hier die Standards beschrieben, die für die meisten Ebbe-Flut-Reitplätze gelten:

Bei jedem Ebbe-Flut-System wird zunächst eine „Wanne“ ausgekoffert, in die dann eine Folie verlegt wird. Darauf werden die Drainagerohre gelegt. Diese gibt es als flexibles Rohr oder hochwertiger als Stangenware. Sie sorgen für die gleichmäßige Wasserverteilung. Auf die Drainagerohre wird dann die Drainschicht eingebaut. Einige Reitplatzbauer bauen mit separatem Drainsand (der gröber und wasserdurchlässiger ist), andere bauen nur eine einzelne Schicht aus Reitsand ein.

Der so genannte Schacht hat den gleichen Wasserstand wie der Rest des Systems. Auch hier unterscheiden sich die Aufbauten der Anbieter. Einige nutzen Pumpen, andere automatisch Be- und entwässernde Systeme usw.
Die Regeltechnik ist ein wesentliches Element beim Ebbe-Flut-Reitplatz. Sie fügt dem System Wasser hinzu, wenn es verdunstet und pumpt Wasser ab, wenn es regnet. So erhält der Stallbetreiber ein stets gleichmäßig gut funktionierendes System mit tollen Reiteigenschaften.

Für Ebbe-Flut-Systeme wird so gut wie immer ein Gemisch aus Reitplatzsand und Vlieshäcksel eingesetzt.

 

 

 

 

 

Grobe Preise für die Systeme

Der Preis spielt natürlich eine entscheidende Rolle in jeder Erwägung. Da sich die Preise für die Reitplatz-Systeme regional stark unterscheiden (z.B. wegen Transportkosten, Materialverfügbarkeit in der Region etc.), kann man nur grobe Ansatzpunkte nennen. Auch zwischen den Reitplatzbauern gibt es natürlich große Spannen. Hinzu kommt die Frage ob und inwiefern Eigenleistung beim Reitplatz bauen eingebracht werden soll.

Grob eingeteilt lässt sich sagen, dass das Schicht-System dasjenige mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis ist. Es ist sehr langlebig und in der Erstellung günstig.

Ein Aufbau mit Reitplatzmatten oder Paddockplatten ist da deutlich teurer. Vor allem wenn man auf Qualitätsprodukte namhafter Hersteller setzt (was zu empfehlen ist). Die Platten liegen üblicherweise bei 10 – 25 €/m² zzgl. MwSt. In etwa kostet ein Platten-System dann doppelt so viel wie ein Schicht-System.

Auch das Ebbe-Flut-System schlägt mit den reinen Erstellungskosten ordentlich zu. Je nach Variante ist mit dem zwei- bis dreifachen eines Schicht-Systems zu rechnen. Gegenrechnen kann man aber, dass eine Beregnungsanlage eingespart wird.

 

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Fazit: Welches System zum Reitplatz bauen?

Das perfekte Reitplatz System gibt es nicht. „Perfekt“ muss es daher immer für den jeweiligen Anspruch und das vorhandene Budget sein.
Lassen Sie sich vom Fachunternehmen beraten und überprüfen Sie ob nur ein System verkauft werden soll, oder ob Ihre Anforderungen wirklich erfasst und berücksichtigt werden. Der Reitplatzbau hat sich gerade in den letzten Jahren so weiterentwickelt, dass heute für die unterschiedlichsten Ansprüche und Disziplinen passende Lösungen angeboten werden. Die Kunst liegt nur noch darin herauszufinden mit welchem System Sie Ihren optimalen Reitplatz bauen können.

 

©Daniel Dirkes, Concept Reitplatzbau GmbH & Co. KG

 

Über den Autor:

Daniel Dirkes ist Geschäftsführer der Concept Reitplatzbau GmbH & Co. KG. Seit Jahren ist er in der Branche tätig und kennt die täglichen Herausforderungen von Stallbetreibern vom familiengeführten Reiterhof in Merzen. Mit seiner Marketing-Agentur berät er darüber hinaus Firmen aus dem Reitsport.

Mehr über das Thema Reitplatz bauen erfahren Sie auf der Website.

 

Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson