Gastbeitrag

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2011 zum ersten Mal die Bilder aus dem Donaudelta sah: wildlebende Pferde,… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
30.04.2019 2 min lesen
Here: Ovidiu Rosu is darting a horse. (©-FOUR-PAWS-Alex-Tanasescu)

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2011 zum ersten Mal die Bilder aus dem Donaudelta sah: wildlebende Pferde, die mit Schlagstöcken in einen Schlachttransporter “geprügelt” wurden; Fohlen, die von ihren Müttern weggezerrt wurden; Pferde (insgesamt über 70 an der Zahl), die total verängstigt im Schlachttransporter warteten. Mir war sofort klar, hier mussten wir aktiv werden!

 

2011 hatten meine rumänischen Kollegen einen illegalen Schlachttransport im Donaudelta dokumentieren können. Die wildlebenden Pferde, die im Donaudelta frei lebten, wurden für wenig Geld (circa 20 Euro pro Pferd) von den Einheimischen zusammengetrieben, um sie dann an den Schlachthof zu verkaufen. Die Fotos und Videos gingen damals viral – die Schuldigen wurden bestraft, und VIER PFOTEN wurde über Nacht Besitzer von über 70 Pferden. Die Monate darauf waren eine Herausforderung für mich und mein Team, aber wir wurden von vielen freiwilligen Helfern und von Leuten aus der ganzen Welt moralisch und entgeltlich unterstützt.

© FOUR PAWS | Andreea Balaurea

Naturschutz vs. Tierschutz?

Nach dem Zusammenbruch der Arbeitskooperativen in Rumänien wurden viele ehemalige Arbeitspferde frei gelassen, da sie keinen Besitzer mehr hatten. Im Gebiet gab es keine natürlichen Feinde, und so konnten sich die Pferde unkontrolliert vermehren. Jahre später stellten die Pferde eine Gefahr für den streng geschützten Letea-Wald dar, und die Behörden wollten die Tiere abschießen. Nach Gesprächen mit VIER PFOTEN und dem medialen Aufschrei lenkten die Behörden ein, und überließen es uns, eine Lösung für das “Pferdeproblem” zu finden. Nach 1,5 Jahren und vielen Gesprächen mit Experten aus den USA und Deutschland, entschieden wir uns für ein Geburtenkontrollprogramm durch das Immunkontrazeptivum PZP. Seitdem sind Tierärzte von VIER PFOTEN jedes Jahr im Donaudelta unterwegs, um die „Überpopulation“ der Wildpferde auf humane Weise zu regeln.

 

 

 

Autor: Robert Hengl, Leiter der Pferde-Projekte von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz

Austria, Vienna | 2015 11 | Portrait of Robert Hengl.

 

 

 

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Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson