27.09.2022
Marcus Ehning und Stargold. Foto: AG

Fit für das Finale

(Herning) Ganz mustergültig sind sie getrabt beim Vet-Check: Stargold und Limbridge und Marcus Ehning und Jana Wargers. Alle vier sind unter den besten 25 für das Einzelfinale der Weltmeisterschaften in Herning. Limbridge erweckt zwar den Eindruck, als fände er diese Auf- und Ab-Lauferei doch etwas öde, macht aber ansonsten ganz und gar den Eindruck mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Dafür “trabt” seine Reiterin aufrecht und elegant.

Kein Wunder. “Hut ab wie Jana das hier macht. Es ist ihr allererstes Championat”, zollt Marcus Ehning seiner jungen Kollegin Respekt. Wargers, die seit wenigen Jahren auf der Ashford Farm in Belgien lebt und arbeitet, pilotierte Limbridge durch den zweiten Umlauf im Teamfinale, als würden beide sowas jeden Tag machen. Nicht nur fehlerfrei, sondern auch noch stilistisch sehenswert. Da fällt der Zeitfehler gar nicht wirklich ins Gewicht.

Vet-Check vor dem Einzel – Limbridge und Jana Wargers. (Foto: AG)

Obwohl Paul Schockemöhle – und der muss es wissen – Zeitfehler ja immer doof findet, absolut verzichtbar. Apropos – PS ist auch in Herning, klar, wo auch sonst. “Aber nicht in offizieller Funktion”, wie seine Frau Bettina unterstreicht. Und gerade das macht deutlich, dass er garantiert was zu tun hat. Logisch eigentlich, bedenkt man schon allein wieviele Nachkommen von seinen Hengsten, bzw. Pferde aus der Zucht des Gestüts Lewitz in Dänemark dabei sind. Meine Kollegin und Freundin Anke hat ihn tatsächlich mal auf der Tribüne sitzend “erwischt”.

P.S. in Herning. (Foto: AG)

Während Jana Wargers als 17. rangiert war, lag Marcus Ehning auf Position 22. Dorthin brachten ihn u.a. die zwei Fehler mit Stargold im zweiten Umlauf der Mannschaftsentscheidung. Stargold ist ganz ohne Zweifel ein außergewöhnliches Pferd. Im Einzelfinale warten zwei Runden, die es in sich haben werden – immerhin ist es eine Weltmeisterschaft. Dem Parcoursbauer Louis Konickx aus den Niederlanden stellt Ehning ein gutes Zeugnis aus. “Die Parcours waren alle lang – immer 17 Sprünge – die Zeit war z.B. im zweiten Umlauf ein Kriterium – weniger im ersten. Aber alle Kurse waren fair gebaut”, so der Borkener, “sowohl die Hindernisse selbst, als auch die Kursgestaltung ist sehr anspruchsvoll und am Sonntag legt der nochmal was drauf.” Keine Bilder der Überforderung zu produzieren, das Feld aber auch solide sortiert zu bekommen, ist eine kniffelige Aufgabe, insbesondere in den vergangenen 10, 15 Jahren.

Europameister André Thieme ist – so war zu lesen – heimwärts gedüst aus gutem Grund. Tochter Johanna wurde am Samstag eingeschult. Sowas kann ja die Relationen dann auch mal wieder zurecht rücken. An ein und demselben Wochenende erstmals im Leben Streichergebnis zu sein mit Weltklassepferd DSP Chakaria, und ausgerechnet bei einer WM, das verdaut sich nicht so schnell.

Ausgedünntes Feld nach Vet-Check

Nach dem Vet-Check wurde auch in Herning dies und das gerade gerückt. Dominator Z wird nicht im Einzelfinale starten. Der Hengst von Christian Ahlmann ist ein Pferd von außergewöhnlicher Qualität, aber (noch) nicht von reichlich Routine. Es ist das Vermögen des Reiters, das den Unterschied ausmacht. Ahlmann also verzichtet. Ebenso Schwedens Mannschafts-Weltmeister Peder Fredricsson – sein All In wirkte am Freitag schon nicht mehr sagenhaft frisch. Auch Cian O`Connor/ C-Vier und Bertram Allen/Paciro Amino (IRL), Sanne Thijssen (NED)/ Con Quidam RB und Julien Epaillard (FRA)/ Caracole de la Roque treten nicht an. Den Vet-Check nicht bestanden hat Yuri Mansur`s (BRA) QH Alfons Santo Antonio.

Das ist auch so ein Name – kommt gleich nach Like a Diamond van het Schaeck, den Mansurs Mannschaftskollege Marlon Modolo Zanotelli reitet. Ja, ich weiß – andere Länder andere Sitten – dann noch Sponsoreneinbindung, Kenntlichmachung des Zuchtstalls/ Sportstalls, hier noch ein T oder dort ein M für Besitzer/ Züchter etc. – lauter gute Gründe. Der Effekt ist in Teilen gegenteilig: Vor etlichen Jahren hat ein Sieg von Moet & Chandon Eve des Etisses oder so ähnlich allein schon eine halbe Zeile Platz gekostet und war entsprechend unbeliebt. Im digitalen Zeitalter ist “Like a Diamond van het Schaeck” auch noch eine elend lange Tipperei und merken mag man sich das gar nicht. Ein schlichtes Limbridge oder Stargold tut`s mit Blick auf die Abstammung auch. Fertig. Punkt.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Martina Brueske | Horseweb
0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes