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Fit durch Herbst und Winter

Tipps für den Umgang mit Pferden in der kalten Jahreszeit Im ungemütlichen Herbst und im kalten Winter fällt es schwer,… Artikel lesen

Felicitas Meyer
14.10.2021 4 min lesen
Symbolbild (pixabay)

Tipps für den Umgang mit Pferden in der kalten Jahreszeit

Im ungemütlichen Herbst und im kalten Winter fällt es schwer, sich genauso regelmäßig mit dem Pferd zu beschäftigen wie im warmen Sommer. Wenn das Wetter schön ist, ist das Pferd im Idealfall auf der Weide und wird zudem noch oft geritten oder anderweitig beschäftigt. Im Winter dagegen gehen die Pferde wenn überhaupt nur noch wenige Stunden auf die Weide und stehen ansonsten deutlich länger in der Box. Dabei erfordert aber gerade die kalte Jahreszeit viel mehr Aufmerksamkeit für das Pferd. Wird es nicht mehr regelmäßig geritten oder bewegt, nimmt die Elastizität der Sehnen, Bänder und Gelenke ab, das Pferd gerät aus dem Training. Wird es in diesem Zustand dann doch mal ungewohnt heftig gefordert, wie zum Beispiel bei einem schnelleren Ausritt, drohen Sehnenverletzungen, Muskelzerrungen, Gelenkentzündungen und sogar Knochenbrüche.

Wenn die Pferde sich länger in der Box befinden, passieren hier zwangsläufig deutlich häufiger Unfälle. Deshalb sollte der Stall vor dem Einstallen unbedingt gründlich auf scharfe Kanten und vorstehende Nägel geprüft werden. Holznägel mit Gewinde kommen nicht so leicht aus der Boxenwand heraus wie gerade Nägel, wenn das Pferd mit dem Huf dagegen schlägt. Kot in der Selbsttränke kann durch die dadurch fehlende Wasseraufnahme zu Koliken und anderen inneren Erkrankungen führen, daher sollte die Tränke immer auf Schmutz kontrolliert werden. Jede Abwechslung in der dunklen Jahreszeit ist dem Pferd willkommen: Birkenäste oder ein Ball zum Spielen in der Box helfen gegen Langeweile und lästiges Boxenwandknabbern.

Atemwegserkrankungen vermeiden

Pferde erkälten sich von sich aus selten, in der Regel sind Haltungsfehler für eine Atemwegserkrankung verantwortlich. Zu wenig Bewegung, staubige Stallluft und ein untrainiertes Immunsystem bieten Viren und Bakterien eine Angriffsfläche. Gegen die schweren Krankheitssymptome durch Pferdeinfluenza und Herpesviren kann eine Impfung vorbeugen. Dies sollte jedoch passieren, bevor die Pferde eingestallt werden, und unbedingt bevor die Tiere krank sind, so dass der Schutz möglichst früh greifen kann. Zum Impfzeitpunkt müssen die Pferde absolut gesund sein. Stress mindert die Abwehrkräfte, deswegen sollten die Pferde einige Tage vor und nach der Impfung wenig arbeiten müssen. Für Pferde, die an Husten erkrankt sind, kann folgende Mash-Zutatenempfehlung helfen: Melasse, Honig, Joghurt, Apfelessig, Leinsamen und eine Kräutermischung bestehend aus Huflattich, Salbei, Süßholz, Fichtennadeln, Anis, Brennesseln, Thymian und Hagebuttenschalen.

Angepasste Fütterung – vor allem im Winter

Grundsätzlich sollte immer bedarfsgerecht, also angepasst an die Bewegung und die tägliche Arbeit des Pferdes gefüttert werden. Schnell kann es sonst durch mangelnde Bewegung zur Überfütterung kommen. Im Winter können Zitrusfrüchte gefüttert werden. Beliebt sind Orangen oder Mandarinen, allerdings nicht mehr als zwei am Tag. Sie enthalten Vitamine und stärken die Abwehrkräfte. Stehen Pferde viel in der Box besteht die Gefahr, dass sie die tägliche Grasration durch Stroh ersetzen. Dadurch und aufgrund von weiterer Futterumstellung und mangelnder Bewegung besteht Kolikgefahr. Weizenkleie kann Verstopfungskoliken vorbeugen, jedoch sollte nicht mehr als 500 Gramm Kleie täglich zugefüttert werden. Ein wenig Sonnenblumenkernöl (zwei bis drei Esslöffel) jeden Tag unterstützt die Verdauung, fördert mit vielen ungesättigten Fettsäuren die Gesundheit und sorgt außerdem mit Vitamin A und E für ein glänzendes Fell.

Fellwechsel belastet Stoffwechsel

Der Fellwechsel im Herbst ist für die Pferde genauso anstrengend wie im Frühjahr. Gerade älteren Pferde macht der veränderte Stoffwechsel zu schaffen. Schnell entsteht in dieser Zeit Vitaminmangel, wenn über das Futter nicht ausreichend Vitamine und Spurenelemente zugeführt werden. Vitamin B und Biotin fördern den Haarwechsel und sorgen für ein glänzendes Fell. Wenn das Fell schon sehr dicht ist, und die Temperaturen noch einmal stark ansteigen, belastet das den Kreislauf, die Pferde schwitzen schneller – in diesem Fall unbedingt Zugluft vermeiden, ansonsten besteht Erkältungsgefahr. Heilkräuter wie Brennessel, Sonnenhut, Hagebutte sowie Apfelessig steigern die Abwehr und versorgen den Pferdekörper zusätzlich zum Futter mit vielen nötigen Vitaminen und Mineralstoffen.

Mauke und Strahlfäule durch feuchten Boden

Mauke sind durch verschiedenste Bakterien und auch Pilze hervorgerufene Hautentzündungen in der Fesselbeuge. Nässe und Schmutz spielen bei der Entstehung eine wesentliche Rolle, deswegen tritt Mauke im Herbst und Winter häufig auf. Bei ersten Anzeichen sollte eine Mauke unbedingt behandelt werden, da sie schnell chronisch wird. Meistens bilden sich dicke Krusten, unter denen nicht gesunde Haut nachwächst, sondern sich Bakterien vermehren. Deshalb müssen die Krusten ab. Die geschieht am besten mit einer milden Waschlotion wie zum Beispiel wasserenthärtendem Spülmittel, Kernseife oder Jodseife. Getränkte Kompressen – mit einer Bandage an der Fesselbeuge befestigt – helfen, die Krusten einzuweichen. Nach etwa 15 Minuten können sie vorsichtig entfernt werden. Der erkrankte Bereich sollte nach dem Desinfizieren sorgfältig abgetrocknet und die Wunden mit geeigneten Salbe bestrichen werden. Im Anfangsstadium helfen auch Lehmpackungen oder Umschläge mit Sauerkraut. Vorsicht bei empfindlichen Pferden, da das Sauerkraut auch die Haut angreifen kann. Quark mit Honig vermischen und über Nacht einwirken lassen ist dann eine Alternative.

Auch Strahlfäule entsteht durch verschlammten, nassen Boden. Bei Strahlfäule sollten die verfaulten Hornteile vom Schmied oder Tierarzt gründlich entfernt werden. Um Einnistungsmöglichkeiten für Bakterien so gering wie möglich zu halten, muss der Strahl ausgeschnitten und geglättet werden. Bakterien sollten mit einem Desinfektionsmittel abgetötet werden. Zur Nachbehandlung oder auch vorbeugend empfiehlt sich ein feuchtigkeitsregulierendes Strahlpflegemittel, einige Pferdehalter schwören auch auf die austrocknende Wirkung von fluoridhaltiger Zahnpasta.

 

Text: Agentur Hafensänger