Es gibt so viel Geld wie noch nie – und jede Menge Ärger. Bei der Global Champions Tour können die Springreiter in der neuen Saison fast 20 Millionen Euro verdienen. Allein 7,5 Millionen Euro werden bei der neuen Teamwertung ausgeschüttet. Doch genau die sorgt für einen Streit, der juristisch und auch außerhalb der Gerichte mit harten Bandagen ausgetragen wird.

Der Weltverband FEI hält die am Wochenende in Miami beginnende Teamwertung für eine illegale Privatisierung des Pferdesports und will sie mit aller Macht verhindern. Jan Tops, der Gründer der Reitsport-Millionenserie, wundert sich darüber. »Ich kann nicht sehen, dass das nicht gut ist«, sagt der Niederländer, der bei der Belgischen Wettbewerbsbehörde bereits den ersten Sieg gegen die FEI eingefahren hat. »Reiter und Pferdebesitzer sagen, dass das gut ist.« Gut finden Reiter und Pferdebesitzer vor allem, dass es noch mehr zu verdienen gibt. Drei Millionen Euro werden auf den Turnieren an die Teams ausgeschüttet. Weitere vier Millionen Euro gibt es nach Tops Angaben am Ende als Bonuszahlungen der Gesamtwertung.

Am Strand von Florida sollen am Sonntag erstmals zwölf Teams reiten, die so fantasievolle Namen wie Madrid in Motion oder Cascais Charms tragen. Zwei der maximal fünf Teammitglieder treten bei jeder der 15 Etappen von Miami über Hamburg bis Doha an. »Die Teambesitzer sind Franchise-Nehmer«, erklärt Tops die Finanzierung. Darunter sind nach seinen Angaben sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen.

Der Weltverband »kämpft mit allen juristischen Mitteln« gegen den zusätzlichen Wettbewerb, der offiziell Global Champions League heißt und im belgischen Hamont-Achel seinen Sitz hat. Die Teamserie finde »außerhalb der Regeln« statt. Strittig und problematisch sind aus FEI-Sicht auch die Dopingkontrollen. Nach der ersten Niederlage erwartet der Verband Ende April ein Urteil des Brüsseler Berufungsgerichts.

Außerhalb des Gerichts kämpft die FEI bereits mit harten Bandagen. Pferdesport-Funktionären wie Tierärzten, Parcoursbauern oder Richtern ist es verboten, bei der Teamwertung der Millionenserie zu arbeiten. Der Weltverband droht mit Sperren, dem Ausschluss von Olympia oder anderen Großereignissen.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) unterstützt den Weltverband. Sportchef Dennis Peiler spricht von einer »gefährlichen Entwicklung«. Die FN sieht die Teamwertung auch als Bedrohung für die klassischen Nationenpreise mit vier Reitern: »Das sind unsere Länderspiele.« Die deutschen Topreiter sind skeptisch bis zurückhaltend. Von den zehn Mitgliedern des A-Kaders sind nur zwei Mitglieder der neuen Teams. Marco Kutscher reitet für die Cannes Stars, Janne-Friederike Meyer für die Shanghai Swans. Die anderen Reiter konzentrieren sich auf die Einzelwertung der Global Champions Tour, die vom Weltverband genehmigt ist.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/1007478.viel-geld-macht-viel-aerger.html