Stutenblutfarmen: Strafantrag gegen deutsches Pharmaunternehmen eingereicht

Die grausamen Praktiken auf Pferdeblutfarmen in Südamerika sind Tierschützern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Jetzt hat die Animal Welfare Foundation Strafantrag gegen ein deutsches Pharmaunter-nehmen wegen Beihilfe zu Tierquälerei gestellt.

Die Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation (AWF) hat Strafantrag gegen das deutsche Pharmaunternehmen IDT Biologika in Dessau gestellt. “Hintergrund sind jahrelange Recherchen über die Produktionsbedingungen des Bluthormons PMSG in Argentinien und Uruguay”, so York Ditfurth, Vorstand der AWF. In beiden Ländern werden tragenden Stuten über einen Zeitraum von elf Wochen ein- bis zweimal pro Woche jeweils rund zehn Liter Blut abgenommen. Die ungewollten Fohlen werden per Hand abgetrieben, ohne veterinärmedizinische Betreuung und ohne Betäubung. Das ge-wonnene Hormon “Pregnant Mare Serum Gonadotropin” (PMSG) wird in der europäischen Ferkelproduktion millionenfach eingesetzt, um Ferkelgeburten zu synchronisieren. Die Gewinnung des Hormons PMSG wäre in der EU unter gleichen Bedingungen wie in Südamerika tierschutzrechtlich nicht möglich.

Der Strafantrag wegen Beihilfe zur Tierquälerei gegen die in Dessau ansässige IDT Biologika soll deren Beteiligung an und Duldung von Tierleid klären. Seit 2015 hat die AWF wiederholt dokumentiert, wie Stuten mit schweren Prügeln, Stöcken und Elektrotreibern in Fixierboxen getrieben werden. Wie ihnen willkürlich auf die Köpfe geschlagen wird, um sie ruhig zu stellen, damit die Aderlasskanüle gesetzt werden kann. “Es handelt sich um rund 10.000 Stuten in Uruguay und Argentinien auf insgesamt fünf Blutfarmen. Die Stuten sind nicht an Menschen gewöhnt und nicht handführig”, schildert York Ditfurth.

Nach elf Wochen wöchentlicher Blutentnahme von rund 25 % der Gesamtblutmenge der Pferde werden die Fohlen von Hand und mechanisch abgetrieben. Anschliessend werden die geschwächten Stuten auf Weiden getrie-ben und sich selbst überlassen. “Wir haben die Weiden der Blutfarmen abgesucht und die toten Tiere gezählt. Rund ein Drittel der Stuten überlebt die Blutsaison nicht”, so York Ditfurth.

Eine wissenschaftliche Studie (Wilsher) zitiert zwei Blutfarmer aus Uruguay. Sie weisen auf den Zusammenhang hin, dass die Konzentration des Hormons PMSG im Blut dann höher ist, wenn die Stuten in einem schlechteren und mageren Zustand sind.

Der US-amerikanische Pharmakonzern Merck, Sharp & Dohme (MSD) hat nach Kenntnisnahme der dokumentierten Zustände in Südamerika den Import von PMSG aus diesen Ländern gestoppt. Weniger Einsicht zeigt man beim deutschen Biopharmazieunternehmen IDT Biologika. “Die Firma IDT Biologika verweigert jedes Gespräch mit uns und ignoriert unsere Belege für die brutale PMSG-Produktion”, so York Ditfurth.

Bei einem Gesprächsversuch im Frühjahr 2017 soll sogar eine eigene Wachmannschaft engagiert worden sein, um die Annahme der Rechercheunterlagen zu verhindern. “Der IDT Biologika sind die Umstände der brutalen Produktion bekannt. Die AWF sieht in ihrem Verhalten einen gravierenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und hat deshalb einen Anwalt mit einem Rechtsgutachten beauftragt”, erläutert York Ditfurth.

Dieses Gutachten kommt zu dem Schluss, dass “eine Straftat nach deutschem Recht dann vorliegt, wenn der Ort der Handlung oder des (wirtschaftlichen) Erfolgs in Deutschland liegt. Begehen dementsprechend die Beschuldigten vom Inland aus eine Anstiftung oder Beihilfe zu einer Tiertötung oder Tiermisshandlung, so gilt für sie das deutsche Strafrecht, mag auch die Haupttat im Ausland liegen und dort nicht mit Strafe bedroht sein.” (anwaltliches Gutachten).

Der Strafantrag wurde bereits bei der Staatsanwaltschaft Dessau-Rosslau eingereicht.

 

PM/ps