Maria Günther – ein Leben für Pferd und Sport

Als der Springsport noch in erster Linie vom männlichen Geschlecht beherrscht wurde, war sie schon eine, und was für eine. Sie – Maria Günther, eine Dame  zwischen den Jahren, wie der Franzose galant sagen würde. Geboren wurde sie 1925 in Zwickau in Sachsen. Sie war sieben, als man ihr zum Geburtstag eine Zehnerkarte für Reitunterricht schenkte. Von da an gehörte ihre große Leidenschaft dem Pferd und dem Sport. Nach dem Abitur 1943 wurde sie als Kriegshelferin eingezogen, sie bewarb sich um einen Posten als Bereiterin, so kam sie nach Pommern. Wie andere junge Frauen hatte sie junge Pferde in kurzer Zeit einzureiten und sie auch als Fahrpferde anzulernen. Die Pferde für die Truppe mussten vor allem geländesicher sein, sie durften nicht scheuen, hatten keine Angst zu haben vor Wäldern, Gräben, Wällen oder sonstigen Hindernissen. Maria Günther, die damals noch Bühling hieß, ließ es mit den Remonten richtig krachen, kein Hang war ihr zu steil, keine Nacht zu dunkel, um nicht mit den jungen Tieren zu trainieren. Und nachts wurde meist trainiert, weil da weniger Gefahr bestand, von den feindlichen Tieffliegern beschossen zu werden. Man war ja im Krieg. Meist nach drei Monaten schon wurden die Pferde an die Front transportiert, wo die Soldaten der berittenen Einheiten schon warteten. Sie und andere junge Frauen standen dann weinend am Güterbahnhof, wenn „ihre“ Pferde verladen und abgeholt wurden…

Nach Kriegsende 1945 zog es Maria Bühling nach Westen in das westfälische Menden. Dort verdingte sie sich bei den englischen Royal Horse Guards als Pflegerin und Bereiterin, 1951 ritt sie erstmals in Aachen, im gleichen Jahr wurde die deutsche Föderation wieder im Weltverband aufgenommen, und zwölf Monate später fand in der Soers erstmals wieder nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Internationale Offizielle Turnier (CHIO) von Deutschland statt. 1946 hatte in Aachen alles mit einem kleinen Turnier begonnen,1947 im August wehten bereits wieder über der Soers neben der deutschen auch die britische, belgische, polnische, niederländische und us-amerikanische Flagge.

Bei den Royal Horse Guards lernte sie auch ihren späteren Mann kennen, Walter Günther, der bei den Briten als Reitlehrer arbeitete. Walter wurde er selten gerufen, schon als Kind nannte und kannte man ihn nur als „Bubi“ Günther. Auch er ein ganz Großer der Reiterei, Schüler wie ebenfalls Willi Schultheis, Fritz Thiedemann oder Herbert Rehbein des für immer in der Reiterei unvergessenen Otto Lörke.

Gemeinsam mit ihrem Mann eröffnete Maria Günther bald darauf den Ausbildungsstall Greif in Hamburg, in dem sie überwiegend Pferde im Springen bis zur schweren Klasse förderten, aber auch mindestens ein Grand Prix-Pferd der Dressur im Jahr heraus brachten. 1963 ging das Ehepaar in die Reitsportgeschichte ein, als beide am gleichen Tag im alten Berliner Reit-Olympiastadion jeweils den deutschen Titel gewannen, er in der Dressur auf Adjutant, sie im Springen auf Sambesi. Und das auch alles noch in der gleichen Stunde. Bisher einmalig in der Welt des Sports.

Nach dem Tod ihres Mannes 1974 ritt sie mit seinem zuletzt ausgebildeten Dressurpferd MacBeth noch zu vielen Erfolgen in Grand Prix-Prüfungen. 1975 beendete sie ihre aktive Turnierkarriere, schlug die Richterlaufbahn in der Dressur ein und kam als Jurorin des höchsten Levels bei vielen Championaten und großen Prüfungen zum verdienten Einsatz. Auch als Ausbilderin vieler Reiter machte sie sich einen Namen, bis heute können alle nur von ihr lernen.

 

Quelle: ludwigs-pferdewelten.de