Exklusives Horseweb Interview mit Hendrik Lochthowe

Für Hendrik Lochthowe (38) stand in diesem Jahr eine große Veränderung an. Er entschloss sich, den Stall Meggle in Wasserburg, auf dem er seit 2012 beheimatet war, zu verlassen und sich auf dem Gestüt Riedmühle in Butzbach im hessischen Wetteraukreis selbstständig zu machen. Er blickt den spannenden neuen Aufgaben, die nun auf ihn warten, voller Vorfreude und mit großem Enthusiasmus entgegen.

Herr Lochthowe, gerade ging das Thema Umzug durch die Medien. Wie lange sind Sie bereits im Stall von Familie Westhoff in Butzbach?

Ich bin jetzt seit Anfang Oktober bei Ralph Uwe Westhoff. Von der Familie Meggle und meiner Arbeit dort bin ich einen sehr hohen Standard gewohnt, was die Pferdehaltung betrifft. Wenn man den Stall der Meggles kennt, weiß man, dass dort alles getan wird, um den Pferden ein wunderbares Leben zu bieten. Als bei mir der Gedanke aufkam, dass ich mich selbstständig machen wollte, war mir klar, dass mein Wunsch wäre, dass meine Pferde in einem ebenso pferdefreundlichen Stall leben dürfen. Mit der Anlage von Ralph Westhoff habe ich genau das gefunden, auch wenn momentan noch nicht alles fertig ist.

Die Anlage befindet sich noch im Bau?

Das Mühlengebäude auf der Anlage wurde um 1700 gebaut, auch die weiteren Gebäude sind dementsprechend alt und werden pferdegerecht auf den neuesten Stand renoviert. Herr Westhoff und Frau Groeninger haben sich vor einigen Jahren in die Anlage verliebt und diese dann gekauft. Sie wollen daraus ein wirkliches Paradies für Pferde machen, bei dem nur das Beste gut genug ist. Schon jetzt sehe ich täglich, was mich dort zukünftig begeistern wird. Es gibt alles, was wir unseren Pferden nur wünschen können, wie perfekte Böden, riesige Weideflächen, einen Aqua-Trainer, eine Galoppstrecke rund um die ganzen Weiden. Die Anlage hat einen Charme, den man durch einen Neubau nie erreichen wird.

Wie schwer war die Entscheidung, den Stall der Familie Meggle zu verlassen?

Die Entscheidung war absolut nicht einfach und wir haben nach wie vor regen Kontakt. Wir telefonieren regelmäßig und sie stehen mir mit Rat und Tat zur Seite. Die Meggles leben einfach für den Pferdesport und das habe ich auch in den fünf Jahren bei ihnen im Stall immer wieder erlebt. Wir werden weiterhin ein absolut positives Verhältnis haben. Die Entscheidung, mich selbstständig zu machen, fiel einfach aus dem Grund, dass ich mich wieder etwas vielseitiger aufstellen und neue Felder für mich erschließen wollte. Das wird jetzt auch kommen. Ich habe bereits viele Anfragen bzgl. Beritt oder Unterricht erhalten.

Können Sie diese alle überhaupt schon annehmen oder stecken Sie noch mitten im Umzug?

Sie haben recht, das ist leider noch nicht alles möglich, vor allem weil die Anlage eben noch im Bau ist. Einige Boxen sind bereits fertig und im Dezember wird der nächste Schwung folgen. Aber ein wenig muss ich mich noch zurückhalten. Mit Beginn des nächsten Jahres möchte ich aber durchstarten.

Wie viele Pferde reiten Sie momentan?

Aktuell habe ich mein eigenes Pferd und ein Pferd von Ralph Westhoff unter dem Sattel. Zwei weitere Pferde von ihm werden folgen. Aber der Plan ist, dass ich einen eigenen Stall aufbaue. Der große Vorteil ist aber natürlich die ganze Logistik, die auf Gestüt Riedmühle bereits vorhanden ist, die Stallungen, die Transporter usw. Das ist eine Riesenerleichterung für die beginnende Selbstständigkeit.

Spielten Sie schon länger mit dem Gedanken der Selbstständigkeit?

Als Berufsreiter hat man immer wieder mal die Idee, dass man sich selbstständig machen möchte. Ein eigener Stall ist ein Traum von vielen. Zahlreiche Kollegen sind ja bereits den gleichen Weg in die Selbstständigkeit gegangen. Bei Meggles war ich mit meinem Top-Pferd Meggle´s Boston sehr erfolgreich unterwegs. In dieser Zeit habe ich an das Thema weniger gedacht. Die Entscheidung war also eher kurzfristig. Aber jetzt bin ich Feuer und Flamme dafür und kann es kaum erwarten, dass die Boxen fertigwerden und ich wieder von morgens bis abends im Sattel sitze.

Wie kam der Kontakt zu Ralph Uwe Westhoff und Marga Groeninger zustande?

Der Kontakt entstand über Eyal Zlatin, der für Israel startet und Bereiter bei Ralph Westhoff ist. Von Anfang an habe ich mich mit den Besitzern der Riedmühle super verstanden. Die Chemie hat vom ersten Treffen an gepasst. Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch und würde mich in keinem Stall wohlfühlen, wo das nicht passt. Insofern war das Zusammentreffen mit den beiden ein Geschenk. Für uns war es sehr schön, dass wir uns längere Zeit schon kannten und es nicht von heute auf morgen zur Zusammenarbeit kam, und man nach drei Monaten merkt, dass es doch nicht passt.

Wie gefällt Ihnen Ihre neue Heimat nördlich von Frankfurt?

Es ist hier ganz anders als bei Meggles im Alpenvorland rund um Wasserburg. In Bayern habe ich mich wirklich pudelwohl gefühlt, aber hier gefällt es mir auch sehr gut. Ich kannte die Gegend, bis auf Frankfurt, gar nicht. In München habe ich nach wie vor viele Freunde, aber das ist ja auch nicht aus der Welt und ich kann die Gegend häufig besuchen. Mittlerweile fühle ich mich hier im Gestüt Riedmühle wirklich wohl. Der Stall ist einfach unglaublich dort, das kann man wohl mit wenig anderem vergleichen. Aber hier ist es urig und hat ein ganz besonderes Flair. Ich finde es einfach schön, wenn ich jeden Tag erlebe, wie die Bauarbeiten vorangehen. Ich habe die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, was die Pferde benötigen usw. So etwas erlebt man ja nicht alle Tage. Jedes Mal, wenn ich mein Pferd hier beobachte, wie es von morgens bis abends auf der Koppel steht und nur von dort wegmuss, wenn ich es reiten möchte, dann bin ich überglücklich mit meiner Entscheidung. Mir geht da einfach das Herz auf, wie die Pferde das Leben hier genießen können.

Haben Sie für dieses Jahr reitsportlich noch etwas geplant?

Mein Plan ist es, hier erst einmal anzukommen und dann im kommenden Jahr richtig durchzustarten. Insofern ist erstmal nicht geplant, dass ich in diesem Jahr noch ein Turnier reite. Vielleicht noch ein, zwei kleinere Hallenturniere. Aber ich war mit meiner Saison sehr zufrieden und denke, das ist ein guter Abschluss und Neubeginn. Ich möchte mich über den Winter gut aufstellen und dann geht es hier los. Das ist genau die richtige Jahreszeit für einen Wechsel. Ich freue mich sehr, dass Wolfram Wittig mich weiterhin trainieren wird. Jeder weiß, welch großartiger Trainer er ist. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, ihn an meiner Seite zu wissen.

 

Text: Alexandra Koch. ©horseweb.de. Das Kopieren des Textes ist nicht gestattet!