Exklusives Horseweb Interview mit der Springreiterin Danielle Goldstein

Danielle Goldstein – Für Israel in die Top Ten

Springreiterin Danielle Goldstein (32) gibt unumwunden zu, dass sie nicht einmal in ihren kühnsten Träumen mit einem Platz in den Top Ten bei einer Europameisterschaft gerechnet hatte. Doch genau dies erreichte sie bei den diesjährigen kontinentalen Titelkämpfen mit dem neunten Endrang. Die Reiterin lebt teils in Florida, teils in den Niederlanden und startet für Israel, das Land ihrer Vorfahren. Wie sie die Erfolgswelle in diesem Jahr erlebte, die ihr zudem einen Global Champions Tour Sieg einbrachte, was ihr Pferd Lizziemary so herausragend macht und wie sie sich die Zukunft des israelischen Reitsports vorstellt, hat sie im Interview verraten.

Vor einigen Wochen leisteten Sie und Ihr Pferd Lizziemary in Göteborg wirklich Großartiges. Wie haben Sie es erlebt?

Es war eine wunderbare Erfahrung. Dies waren meine vierten großen internationalen Meisterschaften, aber diesmal hatte ich vorher überhaupt keine Erwartungen. Ich wusste nicht einmal, welches Pferd ich reiten würde. Das wurde erst nach dem Vet-Check entschieden. Ich hoffte daraufhin, dass es richtig war und wollte nur gut reiten und sehen, was dabei herauskommt. Am Ende war alles richtig!

Ihr Pferd Lizziemary ist ein super Springpferd. Wie würden Sie ihr Talent beschreiben? Was macht sie besonders?

Wir scherzen immer, dass sie ein Supermodel sein muss, weil sie so groß und dünn ist und kaum isst oder trinkt! Sie ist einfach eines dieser wunderbar talentierten Pferde, die immer ihr Ding durchziehen, solange ich ihr nicht im Wege stehe. Lizziemary ist etwas empfindlich im Maul, aber davon abgesehen ist sie das liebste und beste Pferd für mich und unglaublich einfach zu reiten.

Wie haben Sie Lizziemary entdeckt?

Der irische Springreiter Dan Walsh schickte meinen Freund Alan Waldman ein Video von ihr und wir schauten nur ganz kurz drauf und wussten sofort, dass das passen könnte. Sie war genau das, was wir gesucht haben, also sprangen wir sofort ins Flugzeug nach Großbritannien, um sie auszuprobieren. Wir sprangen 10 oder 15 Sprünge, sahen uns an und sagten: „Ja, das passt! Das nehmen wir in Angriff!“

Sie gewannen in diesem Jahr zusätzlich zu der tollen EM-Platzierung einen Großen Preis der Global Champions Tour. War dies für Sie ebenso bewegend?

Es war sehr bewegend und vor allem völlig unerwartet. Dort reiten so viele herausragende und erfahrene Reiter – man rechnet nicht damit zu gewinnen. So viele Namen stehen vor mir. Es war einfach wundervoll und eine großartige Bestätigung für all die harte Arbeit in der Vergangenheit.

Es war komisch, nach dem Sieg fühlte ich diese Erleichterung, dass es das alles wert war, dass meine Träume vielleicht doch erreichbar sind und dass es möglich ist, unter den Top-Paaren weltweit mitzureiten. Dann dachte ich natürlich: „Jetzt muss ich es nochmal machen!” Mal sehen, ob und wann es mir gelingt.

Haben Sie ein Vorbild in Ihrem Sport? Jemand, der Sie wirklich inspiriert?

Michael Van Der Vleuten und Marlon Zanotelli, weil ich denke, dass sie beide Naturtalente sind – immer eins mit dem Pferd. Das ist etwas, wofür auch ich kämpfe und hoffe, es eines Tages zu erreichen.

Sie selbst inspirieren andere vielleicht mit Ihrem eigenen Look im Parcours… Ich sehe Sie immer wieder in Leggings reiten. Wie kam das zustande?

Ich liebe Yoga und mache seit vielen Jahren täglich meine Yoga Übungen, wann immer es geht. Dabei fand ich es immer lästig, die Hosen wechseln zu müssen und von den Yoga-Leggings in meine Reithose zu wechseln. Eines Tages entdeckte ich, dass das auch gar nicht sein muss, da sich die Leggings ebenso gut eignen. Seitdem habe ich dies als eine Art kleines Markenzeichen für mich entdeckt. Das ist etwas Besonderes. Ich trage die Leggings nun, wann immer es geht, auch auf Turnieren.

Wann haben Sie mit dem Reiten begonnen?

Ich fing mit acht Jahren mit dem Reiten an. Ich war schon immer ein Tierliebhaber gewesen, aber ich kam aus einer Familie, die Tennis spielte, und Pferde waren uns so fremd. Ich bin in New York aufgewachsen, aber ich denke, ich war immer eine Landmaus und keine Stadtmaus. Ich verliebte mich sofort in die Pferde und das Reiten. Damit mussten meine Eltern sich dann arrangieren, was in der Großstadt natürlich eine Herausforderung ist, auch wenn es einige Reitställe in den Randgebieten gab.

Was macht Pferde für Sie besonders?

Puh, es ist schwierig, sich auf eine Sache festzulegen. Da ist so viel, was sie ausmacht und was ich liebe. Aber vermutlich ist es der Aspekt der innigen Partnerschaft, die entstehen kann. Ich verdanke all meinen Erfolg, die Freude und das Glück in diesem Sport den Pferden und dafür bin ich sehr dankbar.

Wie kamen Sie zum Springreiten?

Ziemlich schnell nachdem ich die Grundbegriffe des Reitens verstanden hatte, kam ich zum Springreiten. Das passte einfach perfekt zu mir und meiner Persönlichkeit. Ich war eher ein starkes Lausemädchen und wusste Wettkämpfe sehr zu schätzen. Ich denke, das passte einfach alles und entwickelte sich in die richtige Richtung.

Wie muss man sich Ihre Karriere als junge Reiterin in den USA vorstellen?

Ich begann mit Wettkämpfen im Nordosten um New York, New Jersey, Connecticut, Pennsylvania. Dort ritt ich Springen bei kleinen ländlichen Turnieren, meist auf Ponys. Von dort entwickelte sich alles und schließlich ritt ich im Winter in Florida beim Winter Equestrian Festival. Als ich 16 war, gewann ich bei den North American Young Riders Championships Team- und Einzelgold. Das war der herausragende Erfolg meiner jungen Reiterkarriere. Danach ging es auf Grand Prix Niveau weiter. Ein paar Jahre unterbrach ich das Ganze, um zu studieren. Aber danach ritt ich sofort wieder für die USA und schließlich für Israel, was mich auch vermehrt zu Wettkämpfen nach Europa zog.

Sie sprechen Ihr Studium an. Was haben Sie studiert?

Ich habe etwas Außergewöhnliches gemacht, nämlich meinen eigenen Abschluss kreiert. Dies taten nur zehn von den 1.600 Absolventen machten dies. Es war eine Mischung aus sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Themen und wie diese in Städten sowie im größeren Zusammenhang weltweit zusammenhängen.

Auch wenn Sie in den USA aufwuchsen, reiten Sie ja für Israel. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich wollte schon immer Israel vertreten. Zum ersten Mal beschäftigte ich mich ernsthaft damit, als ich etwa 12 Jahre alt war, nachdem ich zum ersten Mal das Land, in dem meine Wurzeln liefen, besucht hatte. Ich habe viele Freunde und Familie dort und unsere Geschichte als Juden ist sehr wichtig für meine Familie und mich.

Auf internationalem Niveau entdeckt man noch nicht so viele israelische Reiter. Wie erleben Sie selbst die Entwicklung?

Es gibt immer mehr Reiter, die Israel jedes Jahr bei Prüfungen im Reitsport vertreten, deshalb denke ich, wir haben eine glänzende Zukunft vor uns. Ich denke, alle Erfolge, die wir aktuell feiern können, werden dazu beitragen, mehr Menschen dazu zu bewegen, für unser Land an den Start zu gehen. Wir haben eine Menge Unterstützung von Menschen in Israel, die ganz begeistert sind, was wir machen. Aktuell habe ich vier israelische Schüler, die mit mir in den Niederlanden im Sommer trainieren. Ich denke also, dass wir gerade dabei sind, etwas Größeres aufzubauen.

Sie haben eine Farm in Florida. Wie oft sind Sie dort?

Meine Familie besitzt einen Stall in Wellington, aber ich lebe und reite hauptsächlich in Alan Waldmans Stall in den Niederlanden. Alan, der auch mein Lebenspartner ist, kümmert sich um den Handel. Ich selbst reite einige der Pferde des Handelsstalles wie auch meine eigenen. Manchmal verkaufe ich auch ein Pferd, das mir gehört, wenn der Preis passt und wir sehen, dass es zu guten neuen Besitzern kommt. Wir trainieren immer wieder Schüler in den Niederlanden, aber hauptsächlich konzentriere ich mich auf meine eigene Reiterei. Ich trainiere dafür mit Helena Stormanns, die ja in Deutschland als Helena Weinberg große Erfolge feierte, und mit dem Niederländer Henk Pont.

Wenn man in diesen Tagen an Florida denkt, fallen einem fast zwangsläufig die furchtbaren Hurricanes ein. Waren Ihre Eltern und Pferde dort auch davon betroffen?

Natürlich waren wir in sehr großer Sorge wegen des Hurricanes. Aber ich habe vor Ort einen Stallmanager, der sich um alles kümmert. Ich war mir sicher, dass er das Bestmögliche tut. Aber es gab eine Menge Vorbereitungen zur Sicherung des Stalles vor dem Sturm. Es ist immer eine beängstigende Sache, wenn Stürme wie dieser über das Land ziehen. Ich habe meinen Stall für Menschen geöffnet, die einen festen Stall benötigten, weil sie selbst nur einen Holzbau haben. Es war ja nicht der erste Hurricane. Ich versuche immer zu helfen.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen in den Niederlanden aus?

Ich beginne entweder mit einer Yoga-Einheit oder ich gehe laufen. Das hält mich fit und macht mich wach. Danach reite ich täglich etwa sechs bis acht Pferde. Ich versuche, jeden Tag zu springen, um mich selbst darin weiterzuentwickeln. Das mache ich dann mit unterschiedlichen Pferden. Schließlich verbringe ich den Rest des Tages mit Papierkram oder dem Erledigen von Besorgungen. Ich mache meine Büroarbeit selbst, da ich so alles unter Kontrolle habe. Nachmittags liebe ich es, ein kleines Nickerchen zu machen. Das ist eine meiner größten Freuden!

Was machen Sie denn gerne, wenn Sie nicht im Sattel sitzen – mal abgesehen von dem Nickerchen?

Ich liebe es, in meiner Freizeit zu kochen und veranstalte gerne große Dinnerpartys und Barbecues. Ich liebe es, improvisierte Dinner für etwa 20 Leute zu kochen! Das macht mir richtig Spaß und ist eine große Herausforderung. Außerdem habe ich mit einer Freundin ein Mode-Projekt. Das nimmt auch viel Zeit in Anspruch.

Welche Turniere sind Ihre nächsten Ziele?

Die WEG im nächsten Herbst leuchten definitiv am Horizont und die Olympischen Spiele in Tokio sind ebenso schon in meinem Blickfeld. Nun werde ich erst einmal die Global Champions Tour abschließen und dann wohl mit einigen Pferden nach Florida gehen, um dort beim Winter Equestrian Festival zu starten.

Gibt es einen großen Wunsch, den Sie sich erfüllen möchten?

Natürlich ist eine Olympische Medaille ganz sicher auf meiner „Löffelliste“. Aber bis dahin bin ich erst einmal glücklich, wie es gerade läuft und wünsche mir vor allem Gesundheit für alle. Und dass ich mich immer wieder ein wenig weiterentwickeln kann…

 

Interview: Alexandra Koch