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Kurz vor Weihnachten konnte sich Sönke Rothenberger (21) über eine überwältigende Nachricht freuen: Er wurde in den Dressur-Championats-Kader aufgenommen und… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
20.01.2016 4 min lesen

Kurz vor Weihnachten konnte sich Sönke Rothenberger (21) über eine überwältigende Nachricht freuen: Er wurde in den Dressur-Championats-Kader aufgenommen und hat damit sogar Chancen auf eine Olympiateilnahme in diesem Jahr. An seiner Seite auf dem Weg nach ganz oben ist mit Cosmo ein hochtalentiertes, erst neunjähriges Pferd, welches kürzlich im Rahmen des Stuttgarter German Masters mit dem renommierten Otto-Lörke-Preis für die vielversprechendsten jungen Dressurpferde ausgezeichnet wurde.

Kurz vor Weihnachten eine solche Nachricht: A-Kader und damit sogar Olympia-Chancen. Wie fühlt sich das an?

Es war natürlich eine sehr erfreuliche Nachricht für mich und mein Team. In gewissermaßen ist es ja auch eine Anerkennung für die geleisteten Erfolge, insbesondere von Cosmo. Mit der Kadernominierung kommen natürlich jetzt auch verschiedene Verpflichtungen auf uns zu, aber ich bin sehr gespannt, wo uns diese Reise hinführt.

Cosmo hat eine wahrlich unglaubliche Entwicklung in diesem Jahr hinter sich. Wie würdest du deinen „Musterschüler“ beschreiben und was hat er besonders im vergangenen Jahr noch hinzugewinnen können?

Cosmo ist einfach von einer anderen Welt! Nicht nur im Viereck, sondern auch besonders im Umgang. Mit ihm wird es nie langweilig und er ist wirklich über die Jahre zu meinem besten Freund geworden. Robbie, sein Pfleger, und ich sind uns einig, wenn man Cosmo ein Spiegel vorhalten würde, dann wäre er überrascht, dass er kein Mensch ist! Cosmo ist über das letzte Jahr extrem gereift und hat alle unsere Erwartungen wohin seine Fähigkeiten führen könnten bei weitem übertroffen. Ich denke es hat sich ausgezahlt, ihn gezielt einzusetzen, um ihm auch die Zeit zu geben sich zu entwickeln.

Bei dir gibt es ja gerade zahlreiche Veränderungen in deinem Leben. Neben der Aufnahme in den A-Kader kehrst du auch nach Deutschland zurück nachdem du ja einige Zeit bei Anky van Grunsven im Stall warst. Wie erlebst du es, wieder in der Heimat zu sein? Was ist daran für dich besonders schön?

Ja, mein Auslandsjahr neigt sich dem Ende zu. Jetzt geht es mit meinem Studium bald wieder in Frankfurt weiter. Deutschland und die Niederlande liegen ja nicht so weit weg von einander, weshalb wir die ganze Zeit eigentlich auch hin und her pendeln konnten, je nach Auslastung an der Uni und Turnieren. Es ist natürlich schön, wieder bei Freunden und Familie zu sein, ansonsten ist die Heimat schon ein gewohntes Gefühl. Besonders schön ist es, auch mal wieder meine Springpferde zu reiten!

Dein Training übernimmt ja nun Bundestrainerin Monica Theodorescu. Wie wird diese Zusammenarbeit aussehen?

Ich bin nun das erste Mal im A-Kader und bin selbst gespannt, wie die Zusammenarbeit mit der Bundestrainerin aussieht. Für mich ist es auch Neuland, deshalb lass ich mich überraschen. Besonders beim Turnier in Perl konnte ich schon ein bisschen Erfahrung sammeln, was die Zusammenarbeit mit Monica betrifft.

Wenn du auf die Zeit bei Anky zurückblickst: Was konntest du vor allem mitnehmen? Was hast du dort gelernt, von dem du denkst, es hat dir besonders viel gebracht?

Es war ein sehr schönes Jahr und ich wurde dort sehr herzlich aufgenommen. Ich habe eine sehr passionierte und pferdebegeisterte Familie kennengelernt. Genauso wie bei uns dreht sich dort auch alles um die Pferde. Ich bin über die Zeit, denke ich, viel selbstständiger geworden. Ich habe meinen LKW Führerschein gemacht, damit ich meine Pferde selber transportieren kann. In der Zeit hab ich meinen eigenen Pfleger, Robbie, bekommen für Cosmo, Favourit und Zgander. Er und ich haben jetzt gemeinsam die Pferde versorgt. Reiterlich haben wir witziger Weise sehr viel an meiner Präzession gearbeitet (Ecken reiten, gerade auf die Mittellinie oder auf die Diagonale abwenden) wovon man normalerweise sagt das dies „deutsche“ Eigenschaften sind. Wahrscheinlich sind diese bei mir ein wenig vorbei gehuscht durch meine Springreiter Zeit…

Wie sehen deine Pläne für die Hallensaison und natürlich auf dem Weg in die grüne Saison 2016 nun aus? Fokussiert man sich nun etwas mehr auf die ganz großen Ziele?

Für die Hallensaison habe ich keine festen Pläne. Mein größter Traum ist es einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen und jetzt mit der A-Kader Nominierung so „kurz“ vor der Olympiade fühle ich mich schon wieder ein Stückchen näher an meinen großen Traum. Andererseits scheint der Weg auch noch sehr lang. Mein Fokus für Cosmo liegt 2016 definitiv auf Rio, weil ich überzeugt bin, dass dieses Ausnahmepferd alles mitbringt, um in der Spitze der Dressurwelt mitzumischen. Dementsprechend wollen wir Cosmo gezielt einsetzten, um meinem Traum näher zu kommen. Das bedeutet, dass wir die Sichtungsturniere anstreben und vereinzelte Turniere auf dem Weg dorthin.

Neben Cosmo darf man ja auch nicht Favourit vergessen. Wie wirst du ihn in den nächsten Monaten einsetzen?

Es stimmt, Cosmo nimmt viel Aufmerksamkeit in Anspruch, jedoch kommt Favo auf keinen Fall zu kurz. Mit Favourit möchte ich ein paar schöne Turniere in der grünen Saison anpeilen, die Favo und mir 2015 besonders gut gefallen haben oder wo wir 2015 bereut habe, nicht dort gewesen zu sein.

Wie habt ihr Weihnachten verbracht? Als große Familienfeier?

Weihnachten 2015 haben wir da verbracht, wo wir uns am wohlsten fühlen: Bei den Pferden. Wir haben tagsüber unsere Pferde bewegt und abends gemeinsam mit unserer Familie Fondue gegessen.

Du studierst ja gerade auch. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht ganz so einfach ist, den Top-Sport mit dem Studium immer gut zu vereinbaren. Wie gelingt dir dies?

Tja manchmal ist es echt anspruchsvoll, jedoch ist meinen Eltern und mir die Uni sehr wichtig. Aus diesem Grund hänge ich mich in dieser Zeit besonders rein und hoffe dann, dass ich bald mit einem Bachelor meine Studienzeit beenden kann. Ich denke, dass sich dann das Rackern gelohnt hat und die anspruchsvollen Klausuren und das Lernen für diese Klausuren vergessen sind.

Interview: Alexandra Koch

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