Aktuelles, Fachartikel, Zucht

Züchten oder nicht züchten?

Von der Entscheidung zur Zucht bis zur erfolgreichen Besamung   Die Antwort auf diese Frage fällt nicht immer leicht. Bei… Artikel lesen

Felicitas Meyer
20.05.2021 5 min lesen
Nicht nur die Fütterung von Karotin ist für die Rosse förderlich. Auch viel Licht stimuliert den Zyklus und Auslauf, frische Luft sowie Kontakt zu Artgenossen fördert das Allgemeinwohl. Foto: Daniela Jaeger

Von der Entscheidung zur Zucht bis zur erfolgreichen Besamung

 

Die Antwort auf diese Frage fällt nicht immer leicht. Bei aller Passion: Die Kosten sind hoch, die Nachfrage ist gefallen. Rein wirtschaftlich ist es für jeden Züchter ein Wagnis. Nur qualitätvolle, charakterstarke Pferde lassen sich auch heute noch gut vermarkten. Grund genug, mit eben diesen Stuten zu züchten und nicht allzu viel dem Zufall zu überlassen.

 

Will jemand zum ersten Mal mit seiner Stute züchten dann muss immer kritisch hinterfragt werden ob die Qualität der Stute ausreichend ist und oder wofür tatsächlich gezüchtet werden soll. Wenn man für sich selbst als Hobbyzüchter züchten möchte, kann es sehr erfüllend sein den Nachwuchs aufwachsen zu sehen und dann selbst zu reiten. Für Hobbyzüchter gibt es ein tolles Buch aus dem Cadmos Verlag: Ein Fohlen von der eigenen Stute

Wir haben allerdings schon heute eine Überproduktion an Fohlen und züchten wird immer teurer. Die Kosten stehen heute oft in keinerlei Verhältnis zu dem, was der Züchter am Ende für das Fohlen bekommt. Früher gab es hauptsächlich Züchter aus der Landwirtschaft. Da waren immer zwei Generationen auf dem Hof und es war kein Problem, wenn einer zur Hengststation gefahren ist. Das ist heute oft anders und auch den privaten Züchtern mangelt es an Zeit für die Untersuchungen und die Besamung extra zur Station zu fahren. Während auf der Hengststation eine pauschale Gebühr von erhoben wird, verdoppelt sich dieser Betrag bei einer Hofbesamung aufgrund des erheblich höheren Zeitaufwandes. Die Pauschale beinhaltet die Eierstockuntersuchung inklusive der Besamung während drei Rossen. Alle anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel Tupferproben, Trächtigkeitsuntersuchungen oder Hormoninjektionen, müssen extra gezahlt werden. Neben den anderen Kosten, die beim Züchten anfallen, wirkt die Summe für eine Untersuchung auf dem Hof eher gering. Schon für die Stute muss ein Betrag als Abschreibungssumme gerechnet werden. Hat die Stute beispielsweise einen Wert von 20.000 Euro und bringt zehn Fohlen zur Welt, dann muss man für sie 2.000 Euro im Jahr rechnen. Dazu kommen etwa 3.000 Euro im Jahr für die Haltung der Stute. Jetzt sind aber Gebäudekosten, Tierarzt und Decktaxe noch gar nicht eingerechnet. Es ist alles andere als günstig zu züchten.

 

 

Erst die Rosse, dann die Untersuchung 

Weil der Kostenfaktor erheblich zunimmt, gibt es immer weniger Züchter, die einfach nur mal so mit ihrer Stute züchten wollen. Das spiegeln auch die gesunkenen Bedeckungszahlen wieder. Hat sich der Züchter trotz der anfallenden Kosten entschieden seine Stute besamen zu lassen, ist die erste Aufgabe des Tierarztes die Feststellung der Geschlechtsgesundheit, denn nur gesunde Stuten dürfen zum Hengst. Dafür entnimmt der Tierarzt eine Tupferprobe in der Rosse. Um festzustellen ob dies der Fall ist, kann man die Stute beispielsweise am Hengst probieren. Ist sie rossig, lässt sie sich beschnuppern. Ist dies hingegen nicht der Fall, schlägt und beißt sie nach ihm. Da heute nicht jeder die Möglichkeit hat die Stute so abzuprobieren, muss man auf andere Anzeichen achten. Ein Rossesymptom ist das sogenannte Blinken oder Blitzen. Die Stute steht in der Box, hebt den Schweif und Blitz mit den Schamlippen. Dabei setzt sie vermehrt Harn und Gebärmutterschleim ab. In der Rossigkeit liegt oft schon das erste Problem. Stuten sind saisonal östrisch, was bedeutet, dass sie saisonal fortpflanzungsaktiv sind. Normalerweise beginnt die biologische Fortpflanzungssaison des Pferdes auf der nördlichen Erdhemisphäre im Frühjahr. Im Winter ist der Sexualzyklus bei den meisten Stuten unterbrochen. Wird die Stute nicht rechtzeitig rossig, weil sie noch in der Zyklusruhe ist, kann man entweder Hormone einsetzten, oder versuchen den Zyklus natürlich anzuschieben. Möhrchen sind da nicht das Mittel der Wahl. Sie enthalten eher Vitamin C. Es sollte etwa 400 Milligramm reines Karotin am Tag zugefüttert werden, denn Karotin ist eines der wenigen Mittel mit denen man eine Stute positiv stimulieren kann, so dass sie in Rosse kommt. Ein bewährtes Mittel ist die Rosse-Kur von Eggersmann.

 

Ein weiteres Mittel ist Licht. Am besten lässt der Züchter abends im Stall das Licht länger brennen. So wird die Zirbeldrüse im Gehirn angeregt. Sie sendet die entscheidenden Signale an den Eierstock. Inzwischen greifen aber immer mehr Züchter zu Hormonen um das Problem mit der Rossigkeit in den Griff zu bekommen. Inzwischen haben wir hormonell viel bessere Möglichkeiten als vor ein paar Jahrzehnten. Hinzu kommt, dass der Zeitfaktor eine immer größere Rolle spielt. Die Pferdezucht wird industrieller. Früher haben die Landwirte viel mehr Zeit gehabt ihre Stuten abzuprobieren. Sie sind einfach mal zum Hengst gegangen um zu gucken wie die Stute reagiert. Heute wird die Rosse durch den Einsatz der Hormone passend terminiert.

 

 

Ist die Stute auch gesund? 

Hat die Stute angefangen zu rossen, kann die Untersuchung zur Geschlechtsgesundheit erfolgen. Die entnommene Tupferprobe wird eingeschickt und auf bakteriologische Infektionen der Gebärmutter untersucht. Bestimmte Bakterien, wie Beta hämolysierende Streptokokken und Hämolysierende E. coli, können die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigt. Seit Einführung der Gebärmuttertupferprobe in den 1960er Jahren, konnte der Befruchtungserfolg erheblich verbessert werden, denn wenn Bakterien vorhanden sind, können diese seit dem behandelt werden.

Aufgrund der bakteriologischen Untersuchung wird ein Resistenztest durchgeführt, auf den dann die Medikation abgestimmt wird. Inzwischen ist dieser Test eine Standartuntersuchung geworden. Bei Problemstuten sind weitergehende Untersuchungen erforderlich. Diese können eine Biopsie, eine Gewebeprobe aus der Gebärmutter oder eine Zytologie, eine Zelluntersuchung sein. Hierbei wird der Gesundheitszustand der Gebärmutter festgestellt und über eventuell anstehende Behandlung wie zum Beispiel eine Gebärmutterspülung entschieden. Von den Untersuchungen vor der Besamung befreit sind nur Stuten die ein Fohlen bei Fuß haben. Sie sind in der Regel gesund.

 

 

Den richtigen Moment erwischen 

Die mittlere Dauer des Zyklus der Stute liegt bei 21 bis 22 Tagen. Am 21. Tag findet eigentlich der Eisprung statt. Die Dauer der Eireifung ist allerdings je nach Jahreszeit bzw. individuell sehr unterschiedlich. Eine wiederholte tägliche Untersuchung zur Ermittlung des optimalen Befruchtungszeitpunktes ist deshalb erforderlich.

Die Besamung findet dann entweder durch einen Natursprung des Hengstes selber oder durch künstliche Befruchtung statt. Für letzteres muss der Hengst vorher abgesamt und der Samen aufbereitet werden. Der Samen wird dabei mit Nährstoffen versetzt und in Samenportionen aufgeteilt. Wie viele Stuten künstlich befruchtet werden können hängt von der Dichte des Samens ab. Pro Absamung haben gibt es ca. 70 bis 80 Milliliter Ejakulat. Als erstes wird dann die Dichte untersucht, weil für jede Befruchtung 500 Millionen Samenzellen benötigt werden.

Damit die Stute dann auch tragend wird, muss sie zeitgleich einen Eisprung haben. Überprüft wird der Eisprung indem rektal mit der Hand der Follikel ertastet wird. Sonografisch lässt sich das natürlich noch besser darstellen. Besamt werden muss dann bis zur Ovulation. Sicher sein kann man sich dann erst nach der Trächtigkeitsuntersuchung, die am 17. oder 18 Tag stattfindet. Während der ganzen Phase der Voruntersuchungen und der Besamungen sollte die Stute normal bewegt werden. Reiten macht gar nichts. Nur Stress sollten die Tiere nicht ausgesetzt werden. Zum Beispiel ein Stutentest bei einer jungen Stute, die dann gleichzeitig eine Rosse aufbauen und besamt werden soll, ist schwierig.

Wenn man sich also für die Zucht entscheidet, ist die tierärztliche Betreuung zum einen und die stressfreie natürliche Haltung zum anderen besonders wichtig. Denn: wenn die Stute gesund und zufrieden ist, ist die Chance auf ein gesundes Fohlen am größten. Wer konkrete Informationen nachlesen möchte, ist mit dem Buch Pferdezucht von Otto Hartmann gut beraten.

 

Der Artikel enthält themenbezogene Werbung und Produktempfehlungen.

Text: Agentur Hafensänger