Stallgeflüster, Zucht

Ausreichend Bewegung der Fohlen ist Grundlage für die Gesundheit des erwachsenen Pferdes

Hüpfen, Bocken und Laufen: die Welt wird spielerisch erkundet Es ist Fohlenzeit. Auf vielen Koppeln tummeln sich die Kleinen und… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
10. 04 2 min lesen
(Foto:horseweb)

Hüpfen, Bocken und Laufen: die Welt wird spielerisch erkundet

Es ist Fohlenzeit. Auf vielen Koppeln tummeln sich die Kleinen und viele verzückte Spaziergänger bleiben stehen um die jungen Pferde beim Toben zu beobachten. Das Spiel der Fohlen ist nicht nur niedlich, sondern auch für die Gesundheitund das Sozialverhalten von großer Bedeutung.

(Foto:horseweb)

Pferde sollten sich an Umweltreize wie Geräusche gewöhnen. Das ist in Boxenhaltung, mit unregelmäßigem Auslauf auf dem Paddock oder in der Halle, fast nicht möglich. Beschäftigt sich das Pferd aber schon in jungen Jahren mit einer Vielzahl von Sinneseindrücken, denen es auf der Koppel ausgesetzt ist, steigt das Selbstbewusstsein. Das kann zum Beispiel durch die Auswahl der Beistellpferde noch gesteuert werden. Stehen ältere Tiere mit in der Herde können diese den jüngeren Ruhe geben. Die Fohlen orientieren sich an ihnen. Gucken die Alten bei einem vorbei ratternden Trecker nicht einmal hoch, so lernen auch die Kleinen, dass davon keine Gefahr ausgeht. Für die Sozialkontakte ist es dabei nicht so wichtig, wie groß die Gruppe ist. Hauptsache es sind Spielgefährten da. Allerdings sollten die Gruppen auch nicht zu groß sein. Sonst geht das Jungpferd schnell unter und wird vielleicht doch nicht zu einem selbstbewussten Sportpferd.

Der Koppelgang ist aber nicht nur für die Psyche von Vorteil. Der Knochenbau kann ebenfalls positiv beeinflusst werden. Pferde, die ausreichend Bewegung haben und günstigstenfalls auch noch zwischen verschiedenen Untergründen wechseln können, haben oft deutlich bessere Röntgenergebnisse. Es gibt eine Studie bei der knapp 700 Fohlen aus hannoverschen Zuchtbetrieben untersucht wurden. Fazit der Untersuchung war, dass durch häufige und ausgiebige Bewegung der Fohlen die Gefahr von Osteochondrosis (siehe BB 4/2009), gesenkt werden kann. Bei dieser entwicklungsbedingten Skeletterkrankung können sich durch Knorpelzersetzung freie Körper lösen, die dann verknöchern und zu Chips werden. Letztere wiederum können zu Gelenkdefekten führen. Unregelmäßige und kurzfristige Hochbelastungen der Gliedmaßen, wie beispielsweise durch Laufen lassen in der Reithalle, können diese Erkränkung fördern. Eine weitere Studie aus den USA belegt, dass in Laufställen mit Paddock gehaltene Pferde eine höhere Knochendichte aufweisen. Auch das Herz-Kreislaufsystem wird in dieser Haltungsform gestärkt.

(Foto:horseweb)

Für diese Wirkung von ausreichender Bewegung ist unabdingbar, dass den jungen Pferden auch im Winter viel Platz geboten wird. Noch viel zu oft werden im Sommer riesige Weiden, im Winter aber zu kleine Laufställe angeboten. Ideal wäre ein heller, luftiger Laufstall, von dem aus die jungen Pferde direkt auf eine große Fläche gelangen können.

Aber auch im Sommer sollten die Fohlen mit ihren Müttern nicht einfach auf der Koppel „abgestellt“ werden. Ein Wetterschutz, der sie vor zu starker Sonneneinstrahlung und Insekten schützt, sollte vorhanden sein. Plastiklamellen vor dem Eingang zum Unterstand verhindern beispielsweise das Eintreten von Insekten.

 

Das Steppen- und Fluchttier Pferd braucht schon durch seine Grundkonstitution genügend Auslauf. Aber auch der Einsatz als Reitpferd wird durch ausreichende Bewegung positiv beeinflusst. Welchem Züchter das als Grund nicht reicht, der sollte zweimal überlegen, ob er das Risiko eingehen möchte den Wert seines Pferdes durch zu wenig oder zu konzentrierte Bewegung zu mindern, den die Mangelerscheinungen können groß sein.

-Horseweb-

 

 

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Jaqueline Weidlich

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