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Zeit für Veränderung – das 7. Liebenberger Pferdeforum

„Zukunft und Perspektiven in Pferdezucht und -sport: Einfach starten“, so lautete das Leitthema des 7. Liebenberger Pferdeforums auf Schloss &… Artikel lesen

Martina Brueske
10.03.2020 3 min lesen
Das 7. Liebenberger Pferdeforum glänzte mit hochkarätigen Referenten (v.l.): Initiator Heiner Kanowski, Oldenburger Pferdezuchtverband, Jan Pommer, Geschäftsführer Deutscher Galopp e.V., Reitmeister und Oldenburger Körkommissar Wolfram Wittig, Lena Waldmann, Chefbereiterin vom Gestüt Bonhomme, Dressurausbilder Walter Wadenspanner und Moderator Thorsten Castle. (ACP Pantel)

Zukunft und Perspektiven in Pferdezucht und -sport: Einfach starten“, so lautete das Leitthema des 7. Liebenberger Pferdeforums auf Schloss & Gut Liebenberg. Zahlreiche Züchter, Reiter und namhafte Vertreter der Pferdebranche kamen zusammen, erhielten interessante Denkanstöße und erweiterten ihr Netzwerk in Pferdezucht- und sport. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Deutschen Kreditbank AG (DKB), dem Fachmagazin Züchterforum und dem Oldenburger Pferdezuchtverband vor den Toren Berlins.

Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Start-ups und Digitalisierung. Sissy Hägele von SAP verdeutlichte, dass wir uns in einem wichtigen Wandel befinden. Die Nutzung von digitalen Medien wächst in der Pferdebranche rasant. Die Baden-Württembergerin zeigte eine Möglichkeit auf, wie der Pferdepass mittels einer Blockchain-Technologie künftig digital umgesetzt werden kann. So könnten alle relevanten Informationen, beispielsweise gesundheitsbezogene Daten wie Impfungen unveränderbar digital dokumentiert werden. Des Weiteren präsentierte Christian Kröber von dem Start-up wehorse.com, wie er mittels seiner Online-Reitschule flexibles Lernen ermöglicht. Mit Hilfe von rund 800 Lehrvideos von derzeit 69 renommierten Trainern haben die User jederzeit die Möglichkeit, die bestmögliche Unterstützung bei ihrer individuellen Pferdeausbildung zu erhalten. Es folgte Jan Pommer, Geschäftsführer von dem Verein „Deutscher Galopp“, Nachfolgeorganisation vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen. Getreu nach dem Motto „Mit Herzblut für Vollblut“ verdeutlichte der Sportmanager die Werte, die den Galopprennsport auszeichnen. Laut einer quantitativen Nielsen-Studie haben 14 Prozent der 16 bis 65-Jährigen großes Interesse am Rennsport, dies entspricht rund 7,6 Mio. Menschen in Deutschland. Pommer zeigte die Zukunft und Chancen auf, die der Traditionssport hat. Ohne Scheu ging Jan Pommer auch auf die Spannungsfelder ein, mit denen die Freunde des Galopprennsports in der öffentlichen Wahrnehmung konfrontiert werden. Der Tierschutz ist ein wichtiges Zukunftsthema.

Der Nachmittag widmete sich dem Thema Jungpferdeausbildung. Lena Waldmann, Chefbereiterin auf dem Gestüt Bonhomme, begeisterte mit ihrem unkonventionellen Weg zur Ausbildung eines Pferdes. Die temperamentvolle 30-Jährige erklärte, dass Motivation, Verständnis und Empathie der Schlüssel zum Erfolg sind. „Es gibt kein Schema-F. Nicht für jedes Pferd ist der Plan gleich. Manchmal ist weniger mehr. Wir müssen Mut haben, auch mal Dinge auszuprobieren. Wir leben in einer Zeit des Wandels, gerade in der Hengstbranche.“ Die Dressurreiterin betonte, dass viele Hengste nach der Körung mit dem 14-Tage-Test und der Sportprüfung im Frühjahr häufig überfordert sind und appelliert daran, den Junghengsten mehr Zeit in der Ausbildung zu geben. Dem stimmte auch Walter Wadenspanner vom Zuchthof Wadenspanner aus Bayern zu. Er gab den Zuschauern einen detaillierten Einblick in die Aufzucht und der Ausbildung von Nachwuchstalenten auf einem hochmodernen Zukunftsbetrieb. Wadenspanner betonte ebenfalls, dass Zeit und Geduld bei der Ausbildung ein wichtiger Faktor ist. Das Schlusswort hatte Wolfram Wittig, Reitmeister und Oldenburger Körkommissar. Auch der Grand Prix-Reiter warnte davor, junge Pferde „in eine Schablone pressen zu wollen“. „Von besonderer Bedeutung in der Jungpferdeausbildung sind Schwung und Balance, viel wichtiger als das Exterieur“, so der Dressurreiter. „Der beste Ausbilder den ich kenne, ist die Zeit. Der eine braucht kürzer, der eine braucht länger.“ Es gehe darum, den gesamten Ablauf so artgerecht wie möglich zum Wohl des Pferdes aufzubauen.

Digitalisierung für Fortschritt, mehr Transparenz, Mut zur Veränderung und eine zeitgemäße Ausbildung von Jungenpferden ­– all dies waren wichtige Impulse und Themen, über die die Gäste, Trainer, Reiter, Zuchtexperten, Unternehmer und Marketingfachleute beim 7. Liebenberger Pferdeforum diskutierten, Meinungen austauschten und Kontakte knüpften.

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