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USA: Zweifelhafte Methoden in der Reiterszene

Die NRHA USA steht derzeit wieder in der Kritik, im Umgang mit Regelungen zu Animal Welfare nicht konsequent genug zu… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
28.11.2019 3 min lesen
Symbolbild (Foto: Pixabay)

Die NRHA USA steht derzeit wieder in der Kritik, im Umgang mit Regelungen zu Animal Welfare nicht konsequent genug zu sein. Wie die Website “Reining Trainers” berichtet, wurde ein Regeländerungsantrag zum Verbot von Blockaden von natürlichen Schweiffunktionen (“tail alteration”) abgelehnt. Dazu gehören u.a. Praktiken wie das Betäuben des Schweifes, um so Pferde gelassener aussehen zu lassen, hier vor allem das Durchtrennen von Nerven am Schweif.

 

Der Verband der „American Association Equine Practitioners“ hatte bereits 2015 alle Pferde-verbände in den USA aufgerufen, diese Praktiken in ihren Regelbüchern zu untersagen, weil damit oft Gesundheitsrisiken mit lebenslanger Folge für die Pferde einhergehen (mehr dazu hier). US-Zuchtverbände wie die AQHA sind dem längst nachgekommen und ahnden beispielsweise die „Verwendung eines Arzneimittels, einer Chemikalie, einer Fremdsubstanz, eines chirurgischen Eingriffs oder eines Traumas, die die normale Schweiffunktion eines Pferdes beeinträchtigen würden“, schon im Erstfall mit einer Strafe von bis zu 15.000 USD (mehr dazu hier). Unbesehen davon ist das Verwenden von Fake Tails, also Schweiftoupets, erlaubt. Die Diskussion um die Blockade und Betäubung von Schweifen fällt ausgerechnet in die Zeit, in der vor allem die euro-päischen NRHA-Verbände versuchen, den Verbleib von Reining innerhalb der FEI-Reitsportdisziplinen zu erhalten.

 

Am 18. November hatte die FEI auf ihrer Generalversammlung in Moskau darüber zu entscheiden, wie sie mit der Disziplin Reining weiter umgehen wird. „Future of Reining“ heißt das Meeting der Regional Groups. Im Juli hat der Vorstand des Weltreiterverbandes FEI eine sehr ausführlich dokumentierte Empfehlung veröffentlicht, die Disziplin Reining ab dem kommenden Jahr als offizielle Disziplin zu streichen. Die Website „horsesport“ berichtet, dass derzeit in letzten Gesprächen, federführend von der belgischen RHA, die FEI umgestimmt werden und Reining weiter gefördert werden solle. Allerdings sind es ausgerechnet die massiven Differenzen zwischen FEI und NRHA USA bei den Themen Stewarding, Anti-Doping und Pferdealter, die für das Ende der Zusammenarbeit beider Verbände Ende 2018 gesorgt hatten (siehe hier)

 

Am 19. November 2020 war klar: Reining bleibt vorerst eine FEI-Diziplin. Das haben die Dele-gierten in Moskau einstimmig beschlossen. Damit wird die FEI das Agreement mit der NRHA USA unterzeichnen und die AQHA auffordern, das Gleiche zu tun. In einem 4-Jahres-Plan geht es vor allem um die Erreichung von definierten Key Performance Indicators (KPIs) bis zum Jahr 2022: Auf Basis der Zahlen von 2018 (Details hier) soll die Zahl der FEI-registrierten Reining-Pferde bis zum Jahr 2022 um 25 % auf 371, bis 2024 auf 520 steigen. Die Zahl der FEI-Reining-Reiter soll bis 2022 auf 427, bis 2024 auf 600 steigen.

 

Ausschließlich europäische Vertreter auf der FEI-Versammlung machten sich im Vorfeld für den Verbleib von Reining stark: Die Delegierten aus Belgien, Frankreich, Italien, der Schweiz und den Niederlanden sprachen sich deutlich dafür aus (siehe hier); für die Delegierten aus Deutschland blieben noch Fragen offen. Mit der Ausrichtung von Deutschen Meisterschaften Reining im kommenden Jahr durch die EWU ist aber zumindest in Deutschland die Beibehaltung im nationalen Kontext gewährleistet (mehr dazu hier).

Apropos FEI: Seit der Generalversammlung in Moskau sind Weltreiterspiele mit acht Disziplinen an mehr oder weniger einem Ort vorbei. Als Alternative wurde erstens eine Vergabe an Saudi Arabien abgelehnt. Zweitens, so war zu lesen, werden sich 2022 die Spring- und Dressurreiter sowie die Voltigierer und Para-Dressurreiter in Dänemark messen. Die Vielseitigkeit und der Wettbewerb der Vierspänner werden ins italienische Patroni del Vivaro verlegt. Reining bleibt vorerst auch im Programm. Fehlt noch der Distanzsport. Dort wartet man noch auf die Erneuerung des Reglements.

Pressemitteilung des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg e.V.

Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson

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