Veranstaltung, Western

Die Entdeckung der Lässigkeit

Bilder von Cowboys und riesigen Rinderherden, breitkrempigen Hüten und lässigem Auftritt weckt der Begriff Westernreiten. Die EQUITANA Open Air holt… Artikel lesen

Marike Weber
22.06.2019 4 min lesen
Yvonne Gutsche (Pressefoto)

Bilder von Cowboys und riesigen Rinderherden, breitkrempigen Hüten und lässigem Auftritt weckt der Begriff Westernreiten. Die EQUITANA Open Air holt den wilden Westen nach Mannheim. Auf dem Maimarktgelände haben die Besucher vom 5. bis zum 7. Juli Gelegenheit, Pferdeflüsterern und Lassospezialisten bei der Arbeit zuzuschauen und den Cowboy in sich zu entdecken. Zahlreiche Wettbewerbe, Showeinlagen und Lehrstunden bringen auch Greenhorns die Faszination des Sports nahe. 

Als größtes Breitensportfestival unter freiem Himmel lockt die EQUITANA Open Air Anfang Juli rund 1000 Pferde auf das Mannheimer Maimarktgelände. Es bietet den Besuchern mehr als 200 Stunden Programm, 150 Aussteller zeigen das gesamte Spektrum vom Knotenhalfter bis zum Showsattel, die beiden Abendveranstaltungen sorgen für besondere Momente und der Weltrekordversuch ist ein einmaliger Augenblick. Spannende Wettkämpfe vom Führzügel-Trail bis zum Barrel Race hat die EWU als Partner der Veranstaltung ausgeschrieben. „Wir wollen in Mannheim möglichst viele Facetten zeigen und das Publikum auch mit speziellen Prüfungen für den Westernsport begeistern“, sagt Christina Bröhl als zweite Vorsitzende des EWU-Landesverbandes Baden-Württemberg. Neben Prüfungen für den Nachwuchs im Sattel und die Altersklasse Ü40 gehört auch eine Prosecco-Pleasure zum Programm. Die gewinnt der Reiter, der nach Schritt, Trab und Galopp noch den meisten Sekt im Glas hat. Beim Lopeover Event am Sonntagnachmittag kommt es darauf an, Horse and Dog-Trail müssen nicht nur Reiter und Pferd verschiedene Hindernisse meistern, auch der Hund muss Geschicklichkeit und Gehorsam beweisen. Vielseitig begabte Pferde sind beim Superhorse gefordert. Sie müssen die Richter im Ranchriding, Pleasure, Western-Riding, Reining und Trail von sich überzeugen, um am Ende spitze zu sein. 

Ein Ritt durch die Disziplinen

Welche Fähigkeiten die verschiedenen Disziplinen Ross und Reiter abverlangen, demonstriert Oliver Wehnes Fachbesuchern und Publikum. Gemeinsam mit seiner Tochter Kim und seinen Schülern gibt der Landestrainer von Rheinland-Pfalz außerdem Einblicke in seine Trainingsphilosophie. Seit fast 30 Jahren ist er nicht nur als Ausbilder gefragt, sondern auch als Turnierreiter international siegreich. 

Ganz lässig sitzt er im Sattel, während seine Pferde im Sliding Stopp ordentlich Staub aufwirbeln. Mit Leichtigkeit dirigiert Oliver Wehnes sie auch durch schwierige Aufgaben. Der 48-Jährige aus der Südpfalz ist im Westernsattel sehr erfolgreich. Er war Europameister im American Western Riding, Vize-Europameister mit der Mannschaft im Reining und mehrfacher Deutscher Meister in unterschiedlichen Disziplinen. Gerade diese Vielseitigkeit macht ihn auch zu einem angesehenen Trainer. Dabei ist es ihm besonders wichtig, den Pferden Zeit zum Lernen zu geben. „Eine durchdachte Grundausbildung ist mir sehr wichtig. Daher kann es schon mal etwas länger brauchen, bis wir ein Ziel erreichen. Das tut vor allem den jungen Pferden gut und das Ergebnis ist umso sehenswerter und gefestigter.“ 

Im Unterricht setzt er großen Wert darauf, dem Reiter die Denkweise des Pferdes zu vermitteln. „Sie sollen in der Lage sein, auch ohne mich als Coach bei einem Turnier Erfolg zu haben und Probleme selbstständig zu lösen.“ Das gelingt ihm ganz offenbar perfekt, denn im vergangenen Jahr gewannen gleich drei seiner Schüler Gold bei den German Open. Gemeinsam mit ihnen präsentiert Oliver Wehnes in Mannheim das breite Spektrum der Westernreiterei. „Vorrangig sehe ich mich als Botschafter für meinen Sport. Das Miteinander zwischen Pferd und Reiter möchte ich in den Mittelpunkt stellen und die Menschen für das Westernreiten begeistern.“ 

Deutsche Meisterin im Superhorse

Er selbst hat die Leidenschaft für die Arbeitsreitweise aus Amerika bereits als Neunjähriger entdeckt. „Meinen ersten Unterricht hatte ich bei Randy Phillips.“ Später haben ihn Tim Mc Quay und Don Boyd geprägt. Gelernt habe er aber auch von den vielen Pferden, die zu ihm ins Training kamen. Die Faszination für die entspannte Kooperation mit dem selbstständigen Mitarbeiter unter dem Sattel hat er auch an seine Tochter Kim weitergegeben. Sie ist bereits seit Jahren im Turniersport hocherfolgreich und gewann im vergangenen Jahr bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren den Titel im Superhorse. „Ich bin ja damit aufgewachsen“, sagt die 20-Jährige. Sie begleitet ihren Vater zur EQUITANA Open Air nach Mannheim, zeigt dort zentrale Übungen, erläutert Unterschiede und zeigt, wie sie welche Aufgaben meistert. 

Die beiden Westernprofis sind selbst neugierig, was sie auf dem Maimarktgelände erwartet. „Wir haben durch meinen Beruf nur selten Gelegenheit, solche Veranstaltungen zu besuchen. Daher sind wir gespannt, wie das Festival den Partner Pferd präsentiert“, betont Oliver Wehnes. Ihn begeistert, dass die Besucher Rassen und Reitweisen sehr unmittelbar erleben können. „Das ist schon außergewöhnlich.“ 

Geballtes Wissen

Noch mehr Praxis und Erfahrung vermitteln verschiedene Trainer und Ausbilder im Tagesprogramm. Lebendig und umsetzungsorientiert zeigen sie Übungen für das tägliche Training, geben Tipps und Antworten auf wichtige Fragen. Aus dem Westernbereich bieten drei Experten zu mehreren Terminen öffentliche Einheiten an: 

Peter Kreinberg

Reitweisenübergreifend setzt sich der Autor und Ausbilder seit mehr als 40 Jahren für eine harmonische Verständigung von Reiter und Pferd ein – im Sattel ebenso wie vom Boden aus. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er eine eigene Methode entwickelt. The Gentle Touch verbindet Elemente aus Dressur und Western, modernem und traditionellem Horsemanship. Als wesentliches Merkmal berücksichtigt sie die mentale Verfassung von Reiter und Pferd. Durch systematische Übungen mit seinem Lusitano Heroi demonstriert er den Besuchern der EQUITANA Open Air seine Philosophie und steht für Fragen zur Verfügung. 

Termine: Freitag 13.20 Uhr Aktionsplatz/15.40 Uhr Allroundplatz; Samstag, 13.20 Uhr Allroundplatz/18 Uhr Aktionsplatz; Sonntag 12 Uhr Allroundplatz/15.20 Uhr Aktionsplatz

Yvonne Gutsche

Im Westernsattel ist sie zu Hause. Ihr Ziel ist, dass auch der Partner darunter sich jederzeit wohl fühlt. Sie möchte, dass die Pferde ihr jederzeit vertrauen. Wie weit die Verbindung zwischen Mensch und Tier geht, demonstriert sie mit spektakulären Stunteinlagen. Grundlage ist ein individuelles, auf das jeweilige Pferd abgestimmte Training. Ihren Weg zu einer stressfreien Zusammenarbeit demonstriert sie mehrfach im Tagesprogramm der EQUITANA Open Air.

Termine: Freitag, 13.40 Uhr Aktionsplatz/16.40 Uhr Showplatz; Samstag 15 Uhr Showplatz/16.40 Uhr Aktionsplatz; Sonntag 13.40 Uhr Aktionsplatz/15.20 Uhr Allroundplatz

Sina Speth

Der wilde Westen ist ihre reiterliche Heimat. Ganz lässig in Jeans und Stetson fühlt Sina Speth sich besonders wohl. Neben klassischem Westerntraining sowie Horsemanship und Bodenarbeit ist sie auch Franklin-Bewegungspädagogin und arbeitet eng mit Sibylle Wiemer zusammen. Bei ihren Sitzschulungen versucht sie, Gewohnheiten aufzulösen und ein neues Körpergefühl zu erarbeiten. 

Termine: Freitag 12 Uhr Allroundplatz/18.40 Uhr Aktionsplatz; Samstag 13.20 Uhr Aktionsplatz/16.20 Uhr Allroundplatz; Sonntag 9.40 Uhr Aktionsplatz/14.20 Uhr Allroundplatz

www.equitana-openair.com/mannheim 

 

(PM)

Marike Weber

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)