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Vorsicht! Hufrehe-Gefahr

Die Weiden sind saftig grün und die Pferde sehnen sich nach einem langen Winter nach Frischfutter. Doch ein zu schnelles… Artikel lesen

Felicitas Meyer
17.05.2021 6 min lesen
Symbolbild: pixabay

Die Weiden sind saftig grün und die Pferde sehnen sich nach einem langen Winter nach Frischfutter. Doch ein zu schnelles Anweiden birgt eine extreme Hufrehegefahr. Die Folgen sind oft schwerwiegend und für Pferd und Besitzer mit langen Behandlungsodyseen verbunden. Trotz aller möglichen Therapien ist die Hufrehe unberechenbar und bleibt oftmals ein dauerhafter Pflegefall. Deshalb ist Vorbeugung gefragt!

 

Die verschiedenen Ursachen, Krankheitsgrade und Verläufe machen eine Reheerkrankung der Hufe unberechenbar und stellen Tierärzte, Hufschmiede und Pferdehalter immer wieder vor eine große Herausforderung. Doch es gibt Erkenntnisse zu den Ursachen der Hufrehe, sodass eine Erkrankung behandelt und vorgebeugt werden kann. Ausschlaggebend für die Zukunft eines Pferdes ist, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung hilft jedoch, Schlimmeres zu verhindern.

 

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Wie entsteht Hufrehe?

 

Die Hufrehe ist eine komplexe Erkrankung, die den gesamten Körper betrifft und letztendlich im Huf sichtbar wird. Eine Hufreheerkrankung kann durch viele Faktoren verursacht werden. Für die Entstehung der Hufrehe gibt es viele Ursachen. Oft wird sie durch die fütterungsbedingte Fehler verursacht. Das geschieht zum Beispiel, wenn wir unsere Pferde auf die saftigen, fetten Wiesen stellen, das Pferd plötzlich große Mengen Kohlenhydrate aufnimmt, ohne dass sich die Darmflora darauf einstellen konnte. Je nach Wetterlage sammeln sich diese mal mehr und mal weniger in den Gräsern der Weiden. Wenn Pferde diese leicht verdaulichen Kohlenhydrate in zu großen Mengen fressen, kann die empfindliche Darmflora des Dünndarms überfordert werden, denn sie kann die Kohlenhydrate nicht komplett aufnehmen. Der Darm übersäuert und die Darmbakterien sterben ab. Diese toten und damit hochgiftigen Bakterien gelangen in den Kreislauf und können eine Hufrehe auslösen. Gerade das Speicherkohlenhydrat Fruktan, die von Gräsern als Speicher überschüssiger Energie genutzt wird, wenn diese nicht gleich für ihr Wachstum verbraucht wird, gilt als Risikofaktor für das Auftreten von Hufrehe. Denn die Energieproduktion des Weidegrases, ist abhängig von der Sonne. Ist es warm, sonnig und dazu ein bisschen feucht, kann das Gras ungehindert wachsen. Sind die nächtlichen Temperaturen aber eher kühl, kann das Gras nicht wachsen. Durch die morgendliche Sonne läuft die Produktion der Energie auf Hochtouren. Die Pflanze produziert mehr Energie, also Zucker das in Fruktane umgewandelt wird, als sie tatsächlich gerade benötigt und lagert diese Energiespeicher ab. Auf Grund dieser Überkonzentration von Fruktan in der Pflanze, besteht besonders an kalten Morgenstunden eine hohe Rehegefahr. Wir empfehlen fructanarmes Weidegras anzupflanzen.

 

Gefahr Futterumstellung

 

Im Prinzip kann aber jede plötzliche Futterumstellung zu einer Rehegefahr mit den gleichen fatalen Folgen führen. Eine Geburtenrehe kann entstehen, wenn die Nachgeburt nicht komplett von der Stute abgestoßen wird und ein kleiner Teil in der Gebärmutter zurückbleibt. Dies kann zur Infektion führen, Gifte werden abgesondert, gelangen in den Blutkreislauf und können eine Hufrehe auslösen. In Folge von Überbelastung kann eine Belastungsrehe entstehen, etwa bei zu langen Ausritten auf hartem Boden oder bei zu langem Stehen auf hartem Stallboden. Im Verdacht eine toxische Rehe auslösen zu können, stehen auch eine Reihe von Pilzgiften sowie verschiedene Giftpflanzen und eine Medikamentenrehe, bei der die Pferde auf einen Inhaltsstoff reagieren. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass Pferdebesitzer und Halter mit den einheimischen Giftpflanzen vertraut sind. Die Stalltafeln der FN mit den Giftplanzen für Pferde können aufgehangen eine gute Übersicht bieten.

 

Ebenfalls problematisch ist das so genannte Cushing Syndrom, bei der das Pferd zu viel körpereigenes Cortisol durch eine Fehlfunktion der Hirnanhangdrüse produziert, und das Metabolische Syndrom, bei der eine Störung des Stoffwechsels vorliegt, von dem besonders die Robustpferderassen betroffen sind. Ergänzungsfuttermittel mit Mönchspfeffer, Artischocken, Ginkgo und Mariendistel-Extrakt sollen dem Cushing Syndrom entgegen wirken.

 

Was im Huf passiert

 

Bei einer Hufrehe kommt es zu einer Entzündung der Huflederhaut und zu einer Schwellung und Absonderung von Gewebsflüssigkeit. Durch die fehlende Ausdehnungsmöglichkeit im Huf, kommt es zu starken Schmerzen für das Pferd. Darüber hinaus fördert der Flüssigkeitsaustritt die Ablösung zwischen Hornkapsel und Knochen. Folgen können ein Absinken des Hufbeins in die Kapsel oder eine Rotation des Hufes um das Hufgelenk sein, wobei die Hufbeinspitze zum Boden hin tendiert. Das Endstadium bildet das Ausschuhen, bei dem sich die Hufkapsel komplett ablöst. In diesem Stadium ist jedoch ein Erlösen des Tieres anzuraten. Entscheidend für die Zukunft des Pferdes ist aber, wie weit der Krankheitsprozess fortschreiten konnte. Je früher also die Rehe erkannt wird, umso besser, denn jede Stunde zählt.

 

Hufrehe erkennen und Sofortmaßnahmen leisten

 

Innerhalb der ersten Minuten ist der Huf kühler als normal. Erst wenn die Entzündung abläuft, wird der Huf sehr warm. Zentrales Erkennungsmerkmal ist eine Bewegungsunlust. Während sich Pferde im Extremfall gar nicht mehr bewegen möchten, gehen weniger betroffene Pferde zumindest noch bereitwillig Schritt. Besonders deutlich wird das auf hartem, später auch auf weichem Boden. Um die schmerzenden Zehen zu entlasten, treten die Pferde zuerst mit Ballen und Tracht auf und der Gang wird kurz und flach. Je nach Verlauf nehmen viele Pferde irgendwann die typische Sägebockstellung ein. Die Hinterbeine werden weit unter den Bauch geschoben und die Vorderbeine dafür weit vorgestellt. Damit versuchen die Pferde die Hufe zu entlasten, da sie oft sehr starke Schmerzen haben. Mit dem Krankheitsbild tritt eine Erhöhung der Atem- und Pulzfrequenz, ein Anstieg der Körpertemperatur sowie ein gestörtes Allgemeinbefinden auf. Dem Pferdehalter muss bewusst sein, dass Hufrehe immer ein Notfall ist und in jedem Fall ein Tierarzt zu benachrichtigen ist. Bis zu dessen Eintreffen sollte der Pferdehalter versuchen, seinem Pferd die Schmerzen zu erleichtern und zu vermeiden, dass sich dessen Zustand verschlimmert. Das Kühlen der Hufe ist die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme. Das lindert nicht nur den Schmerz, sondern wirkt der Entzündung im Huf entgegen. Dazu kann man die Pferde in einen Bach stellen, die Beine kalt abspritzen oder die Hufe in einen stabilen Eimer stellen. Auch befeuchtete Erste Hilfe Wickel können verwandt werden.

 

Behandlung durch den Tierarzt

 

Während der akuten Rehe, steht das Wohlbefinden des Pferdes an oberster Stelle. Das Pferd wird festgesetzt um eine übermäßige Bewegung zu vermeiden und dem Pferd werden Schmerzmittel verabreicht. Weiterhin müssen die Ursachen des Schmerzes geklärt und diese gezielt behandelt werden. Im Rahmen einer Rehebehandlung werden dann entzündungshemmende Präparate, durchblutungsfördernde Medikamente oder entgiftende Substanzen wie nierenanregende Substanzen verschrieben. Weiterhin hat sich der Einsatz von Blutegeln bei der Hufrehebehandlung schon oft als sehr hilfreich erwiesen. Die Fütterung sollte auf Heu und Stroh umgestellt werden und eine Fressbremse verhindert die Aufnahme von Frischfutter auf der Weide. Es empfiehlt sich hier ein Produkt mit Lammfell, da sonst schnell Scheuerstellen auftreten.

 

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Zusätzlich zum Tierarzt kann ein Hufschmied unterstützend tätig sein, indem er den vorhandenen Beschlag entfernt oder angemessen verändert, etwas mit einem Hochstellen der Trachten. Als probates Mittel hat sich auch der so genannte Aderlass erwiesen. Dazu werden dem Pferd fünf bis zehn Liter Blut abgenommen und durch eine Kochsalzlösung ersetzt. Mit dieser Behandlung wird eine vorübergehende Blutverdünnung erreicht und Giftstoffe werden reduziert. In der weiteren Behandlung muss der Grad der Rehe durch ein Röntgenbild, dem so genannten Venogramm, herausgefunden werden. Dabei wird ein spezielles Kontrasmittel in die Venen injiziert und in einer standartisierten Zeit Röntgenbilder des Hufes gemacht. Nach der Auswertung der Bilder kann eine Aussage über die Schädigung des Hufes und weiteren Maßnahmen entschieden werden. Nach Begutachtung der Röntgenbilder durch den Tierarzt und den Hufschmied können der Beurteilung der Fußung, Bewegungsfunktion und Hufsituation weitere Hufbeschlagsmaßnahmen folgen. Als Behandlungsalternative gibt es auch die Ozontherapie an. In der Humanmedizin werden solche Thearpien etwa bei Diabetikern zur Behandlung von so genannten „Raucherbeinen“ eingesetzt. Weil Durchblutungsstörungen der kleinen Blutgefäße im Huf auch Merkmal einer Rehe sind, kann die Therapie auch bei Pferden eingesetzt werden. Bei der Ozontherapie werden dem Pferd etwa anderthalb Liter Blut entnommen, heparinisiert, mittels eines Spezialgerätes mit Sauerstoff und Ozon versetzt und dem Pferd wieder zurückgeführt. Weiterführende Infos allgemein zur Ozontherapie hat Vanessa Halen in ihrem Buch Die Oxy-Wundermedizin verfasst.

 

Heilungschancen

 

Die Heilungschancen sind immer vom Grad der Erkrankung abhängig. Der Heilungsprozess kann sich in Abhängigkeit von der Vorschädigung und des Krankheitsverlaufes über Monate und Jahre hinziehen. Trotz aller möglichen Therapien bleibt die Hufrehe mit ihren schwierigen Krankheitsverläufen unberechenbar. Oft bleibt das Rehepferd huftechnisch ein Pflegefall und benötigt dauerhaft eine besonders aufmerksame Betreuung. Doch ein vollständiges Ausheilen der Erkrankung ist bei entsprechend konsequentem Verhalten des Besitzers und regelmäßigen Korrekturen des erkrankten Hufes möglich.

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Text: Agentur Hafensänger