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Von Föhr, London und Tokio: Ocke Riewerts als Holsteiner Züchter des Jahres geehrt

(Neumünster) Anlässlich der 51. Holsteiner Körung und Elite-Auktion in Neumünster wurde eine begehrte Auszeichnung verliehen, über die sich in diesem Jahr… Artikel lesen

Martina Brueske
31.10.2021 3 min lesen
Die Statue des legendären Landgraf I in den Händen genoss der Holsteiner Züchter des Jahres Ocke Riewerts seinen Applaus in den Holstenhallen. Es gratulierten der erste Vorsitzende des Holsteiner Verbandes Hinrich Romeike, Vorstandsmitglied Dieter Feddersen und der zweite Vorsitzende Dr. Maximilian Slawinski (v.l.). (Foto: Janne Bugtrup)

(Neumünster) Anlässlich der 51. Holsteiner Körung und Elite-Auktion in Neumünster wurde eine begehrte Auszeichnung verliehen, über die sich in diesem Jahr Ocke Riewerts aus Alkersum von der Insel Föhr freute: Er wurde als Holsteiner Züchter des Jahres mit der Landgraf I-Statue geehrt.

Diese Ehre wurde ihm nicht zuletzt aufgrund der Erfolge eines ganz besonderen Pferdes zuteil, das in seinem Stall auf der Nordseeinsel Föhr zur Welt kam und nun in der ganzen Welt mit seinen Sporterfolgen für das Holsteiner Pferd Werbung macht: Dabei handelt es sich um London v. Landos-Quinar, der in diesem Jahr mit Laura Collett für Großbritannien Vielseitigkeits-Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen in Tokio sicherte. „Ich werde London für immer dankbar sein für diese unglaubliche Erinnerung an die Olympischen Spiele“, sagte die Reiterin. „Ich wünschte, ich könnte jeden einzelnen Moment wieder und wieder erleben.“ Und auch Londons 61-jähriger Züchter wird den Sieg in Tokio niemals vergessen: „Ich bin geplatzt vor Stolz“, gibt der sympathische Nordfriese zu. Den 2009 geborenen London hatte er als Fohlen verkauft, er wurde zunächst in Schleswig-Holstein als Hengstanwärter aufgezogen, dann angeritten und auf Turnieren vorgestellt, wo Peter Thomsen ihn entdeckte. Seit 2016 steht London im Stall der Britin Laura Collett, die ihr Land bei diversen Europameisterschaften erfolgreich vertreten hat. Mit ihr sammelte der Vertreter des Stamms 3200 zahlreiche Siege und Platzierungen in internationalen Vielseitigkeiten: allein 2019 und 2020 beendete er die Vier-Sterne-Events in Boekelo (NED), Chatsworth (GBR) und Little Downham (GBR) und die Fünf-Sterne-Prüfung im französischen Pau als Sieger.

Holsteiner sind Familientradition
Die Verbundenheit zum Holsteiner Pferd ist bei dem Föhrer Züchter Familiensache: Bereits seine Eltern hatten eine kleine Holsteiner Zucht, auch sie pflegten den Stamm 3200. Nachdem Ocke Riewerts’ Vater verstarb, zogen seine Holsteiner auf den elterlichen Hof seiner Frau Marle um, den die Eheleute fortan hobbymäßig bewirtschafteten, im Hauptberuf ist Riewerts im öffentlichen Dienst tätig. Seine Söhne Johannes und Julus packen auf dem Hof mit an und interessieren sich für die elterliche Zucht, in der drei Stuten eingesetzt werden. Londons Mutter Vernante war für Ocke Riewerts ein ganz besonderes Pferd: Seine erste selbstgezogene Staatsprämienstute, für die er sich den Hengst Landos aussuchte. „Ich war ein Fan von Landos, der auf Föhr stationiert war und damals noch im Natursprung deckte. Er hatte die richtige Einstellung zum Sport und passte ideal zu meinen blütigen Stuten.“ Den Werdegang von London verfolgte er stets, legte sich eigens dafür ein Profil in einem sozialen Netzwerk an und kam so mit der Britin Laura Collett in Kontakt, die sich sehr über das Interesse von Londons Züchter freute und von vielen Erfolgen berichten konnte. Die jüngsten Top-Platzierungen des Braunen sorgten nicht nur dafür, dass der Holsteiner Verband auf Rang zwei des WBFSH-Rankings Vielseitigkeit als zweitbester Zuchtverband 2021 gelistet wird. London sammelte außerdem so viele Punkte, dass Ocke Riewerts das WBFSH-Züchterranking von Vielseitigkeitspferden weltweit anführt. Ein fantastischer Erfolg für den Föhrer, der seit 1992 Mitglied beim Holsteiner Verband ist. Gründe genug, um Ocke Riewerts als Holsteiner Züchter des Jahres 2021 mit der Landgraf I-Statue zu ehren. „Das gibt es nur einmal im Leben“, lautet sein bescheidener Kommentar dazu. Und: „Ohne die Hilfe meiner Frau wäre das niemals möglich gewesen.“

Drei Silberne Ehrennadeln
Jens Hauschildt, Wulf Hinrich Hamann und Francesca Pollara wurden mit der Silbernen Ehrennadel des Holsteiner Verbandes bedacht. Hauschildt und Hamann erhielten die Auszeichnung für ihre langjährige Arbeit in der Körkommission des Holsteiner Verbandes. Hauschildt gehörte von 2005 bis Anfang 2021 der Kommission an und hatte zuletzt deren Vorsitz inne. Hamann brachte vier Jahre lang sein großes sportliches und züchterisches Fachwissen ein. Francesca Pollara aus Italien hat in den vergangenen Jahren unter anderem mit dem amtierenden Europameister JL Dublin v. Diarado-Canto (Volker Götsche-Götze, Groß Buchwald) und der Weltmeisterin der siebenjährigen Vielseitigkeitspferde, Cute Girl v. Coventry-Clearway (Hobe Magens, Ottenbüttel), hocherfolgreich Holsteiner Pferde, die sie auf Auktionen des Holsteiner Verbandes entdeckt hat, an internationale Top-Reiter vermittelt und ihren sportlichen Werdegang maßgeblich beeinflusst.

Mit Holsteinern weltweit erfolgreich
Mit Olympiasiegern, Welt- und gleich mehreren Europameistern feierte der Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes stellvertretend für seine Mitglieder zahlreiche Erfolge in diesem Jahr. Für ihre Verdienste bei Olympischen Spielen, Nachwuchs- sowie Senioren-Europameisterschaften in Springen, Vielseitigkeit und Dressur sowie beim U25-Springpokal wurden Züchter, Reiter und Besitzer von Holsteiner Pferden ausgezeichnet und erhielten hochwertige Ehrenpreise. Außerdem wurden die Finalisten der diesjährigen Bundeschampionate in Warendorf – Züchter, Reiter und Besitzer der platzierten Pferde – in den Holstenhallen geehrt.