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Turnierergebnisse, Vielseitigkeit

WM Le Lion-d’Angers: Sweetwaters Ziethen bestes deutsches Pferd

Trakehner Hengst wird Fünfter der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde Le Lion d’Angers/FRA (fn-press). Keine Medaillen, aber viel an Erfahrung gewonnen haben die… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
21.10.2019 5 min lesen
Symbolbild www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Trakehner Hengst wird Fünfter der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde

Le Lion d’Angers/FRA (fn-press). Keine Medaillen, aber viel an Erfahrung gewonnen haben die deutschen Nachwuchspferde bei den Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde im französischen Le Lion-d’Angers. Als bestes deutsches Paar beendeten Sophie Leube (Hamm) und der Trakehner Hengst Sweetwaters Ziethen das Championat der sechsjährigen Pferde auf Platz fünf. Bei den Siebenjährigen fand das Springen ohne Beteiligung deutscher Reiter statt, was insbesondere den schlechten Bodenverhältnissen im Parcours geschuldet war.

Nach Dressur und Geländeritt rangierten Sophie Leube und ihr Trakehner Abendtanz-Sohn noch auf Medaillenkurs, Platz zwei. „Das Gelände hat er schon überragend gemeistert“, sagte sie. Es sei schon etwas Besonderes, wenn man merke, dass Pferde für einen kämpften, clever seien, schnell reagierten und sich nicht ablenken ließen. Insbesondere bei einem Hengst, der ja auch schon gedeckt habe. Seit zwei Jahren reitet sie den von Dr. Dieter Schön (Lübeck) aus einer Campetot AA-Mutter gezogenen Rappen. Vierjährig kam er gut angeritten zu Leube in den Stall, seither ist sie alleine für seine Ausbildung zuständig. „Jeden Sprung, jedes Cavaletti und jeden Baumstamm in seinem Leben hat er nur mit mir gemacht. Das ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man es dann alleine hierher schafft mit so einem Pferd“, verriet sie. Im Springen stoppte Sweetwater’s Ziethen jedoch in der zweifachen Kombination, was dem Paar insgesamt 5,6 Strafpunkte und Platz fünf eintrug. „Ziethen hat sich auf dem Abreiteplatz einmal am Oxer vertan. Das nimmt sich ein so ehrgeiziges Pferd, wie er es ist, immer zu Herzen. Dadurch fehlte ihm im Parcours das letzte Quäntchen Losgelassenheit, um ihn so souverän wie gewohnt zu absolvieren. Bisher ist er noch nie stehengeblieben“, sagte sie ein bisschen enttäuscht.

Während die Weltmeisterschaften in Le Lion-d’Angers rund um ein riesiges Rennbahngelände und den anliegenden Wald hervorragende Bedingungen für die Geländestrecke bieten und jährlich bis zu 30.000 Zuschauer anlocken, ließ der Boden im Dressur- und Springstadion in diesem Jahr deutlich zu wünschen übrig. Das aufgeweichte und von den Furchen der Dressur gezeichnete Geläuf machte es den Pferden nicht leicht, ihre Springqualität zu zeigen. Kai Steffen Meiers QC Rock and Roll, ein Rheinländer Wallach mit der für die Vielseitigkeit eher untypischen Abstammung – Rock Forever I mal De Niro – aus der Zuchtstätte Schmitz-Leitner in Rommerskirchen, kassierte in der Zweifachen sowie am letzten Sprung einen Abwurf. Nach einer guten Dressur und einer Nullrunde durch das Gelände hatte auch er mit Platz vier noch in Schlagdistanz auf eine Medaille gelegen. So wurde es Platz zwölf. Noch härter traf es Andreas Dibowski (Döhle), der mit seinem 1,78 Meter großen Oldenburger Quizzle (von Quo Vados – Sevillano XX) gleich vier Abwürfe kassierte und damit nicht über Platz 30 hinauskam.

In der Altersklasse der Siebenjährigen, in der nach der Geländeprüfung keines der vier deutschen Paare mehr in der Nähe einer Medaillen lag, verzichteten am Ende alle auf den Start im Springen. Die besten Chancen hatte Josefine Schnaufer (Neitersen) mit dem Westfalen Viktor von Vitalis – Schumacher gehabt (Züchter: Helmut Korte, Telgte), durfte jedoch die Verfassungsprüfung nicht passieren. Ingrid Klimke, 2016 und 2018 WM-Siegerin mit Weisse Düne bzw. Asha P, hatte mit der Westfalenstute Equistros Siena Just Do it eine Verweigerung an einer schmalen Hecke kassiert – an derselben wie Jahre zuvor mit ihrem mittlerweile dreifachen Europameister SAP Hale Bob. Ein Omen? „Die wird mal toll, sie braucht einfach mehr Erfahrung. Eine wilde Hummel“, schwärmte Klimke. Den Start im Springen wollte sie ihrem Pferd aber ebenso ersparen wie Stephan Dubsky (Verden) seinem Holsteiner Hengst Cesandro (v. Catoo – Anthonys Dream xx, Züchter: Klaus Harbeck, Hövede) und Vanessa Bölting ihrem Westfalen Ready to Go W (v. Rock forever I – Weingold) aus der Zucht von Jörg Winterscheid aus Arnsberg. Auch diese beiden Paare waren nicht ohne Fehler aus dem Gelände gekommen. “Das ist ein Riesenevent hier, wann haben die Pferde schon mal so eine Gelegenheit, vor so einer Kulisse zu laufen. Das kann man vorher aber nicht üben, daher kann es zu so einem „Upps“ kommen. Das ist passiert und nicht zu ändern. Mein Pferd ist von der Grundqualität aber gut genug, es lohnt sich weiterzumachen und diese ‚Upps‘ abzustellen“, sah es Bölting ähnlich wie die meisten Reiter.

„Das ist schon eine sehr wertvolle Prüfung und gibt den Pferden, die hier das Gelände beendet haben, ein gutes Gefühl“, sagte Hans Melzer. Der Bundestrainer erinnerte daran, dass in den letzten 20 Jahren nahezu alle deutschen Pferde, die später große Championate für Deutschland bestritten haben, den Weg über Le Lion-d’Angers gegangen sind, sei es La Biostheque Sam FBW, Opgun Louvo oder eben SAP Hale Bob OLD und viele andere. Allerdings seien die Bedingungen in Dressur und vor allem im Springen noch nie so schlecht gewesen. „Das war sonst immer gut. Aber ich hoffe, der Veranstalter wird hier seine Lehre daraus ziehen und nächstes Jahr einen Sandplatz anlegen.“

Die Goldmedaille bei den Sechsjährigen ging in diesem Jahr an den beim Schweizer Zuchtverband ZVCH registrierten Coolay Lancer (v. Coeur de Nobless – Ogano Sitte) und seine britische Reiterin Piggy French. Auf den Plätzen folgt der Franzose Thomas Carlile mit dem Selle Francais-Hengst Dartagnan de Beliard und die Norwegerin Yasmin Nathalie Sanderson mit dem in den Niederlanden gezogenen Inchello DHI.

Bei den Siebenjährigen siegte der Neuseeländer Tim Price mit demKWPN-Wallach Happy Boy vor der US-Amerikanerin Elisabeth Halliday-Sharp mit Flash Cooley und dem Briten Tom McEwen mit Brookfield Benjamin Bounce, beide irische Sportpferde, die bei dieser WM zahlenmäßig die Felder dominierten. Bestes Pferd aus deutscher Zucht bei den Siebenjährigen war der Oldenburger Grafennacht, ein Sohn des Trakehners Grafenstolz und einer Mutter von Narew, der unter dem Sattel von William Fox-Pitt für Großbritannien an den Start ging. Nach Dressur und Gelände noch Siebter, konnte das Paar im Springen drei Plätze gutmachen und wurde Vierter. Im Springen unterlief ihm nur am ersten Hindernis ein Fehler. Zwei Abwürfe machten dagegen die Medaillenhoffnungen von Lumberton und seinem französischen Reiter Astier Nicolas zunichte. Der dunkelbraune ZfdP-Wallach vom Trakehner Hirtentanz, der von der Tierärztin und früheren Olympiateilnehmerin Dr. Annette Wyrwoll in Duggendorf aus einer Mutter von Cosinus gezogen wurde, belegte am Ende Platz neun.

Den Sieg in der Zuchtverbandswertung ging an die Vertreter des französischen Stutbuchs Selle Francais vor den zahlenmäßig am stärkten vertretenen irischen Sportpferde und den Pferden aus der niederländischen Zucht (KWPN). Als bester deutscher Verband belegte der Holsteiner Verband Platz vier. Für ihn punkteten in erster Linie Scuderia 1918 Humphrey (Reiter Kevin McNab, Australien) sowie Crossborder Radar Love (Merel Blom) und Ekow (Adrian Smeulders), beide für die Niederlande. Hb

Alle Ergebnisse gibt es unter worldsporttiming.com/results/mondial-du-lion-2019-258/schedule.html

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Jaqueline Weidlich

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